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Bookazines: Erfolgs-Format für Verlage

Endlich mal wieder ein Medien-Geschäftsmodell, das funktioniert: Mitten in der Print-Krise haben der Jahreszeiten Verlag und Gruner + Jahr ein Format gefunden, das sich günstig produzieren und noch besser verkaufen lässt. Mit sogenannten Bookazines, eine Mischung aus Buch und Magazin, gelang den Hamburger Verlagen „eine echte Erfolgsgeschichte“, wie Jalag-Geschäftsführer Peter Rensmann gegenüber MEEDIA sagt. „Wir kommen auf einen Gesamtverkauf von 70.000 bis 80.000 Exemplare pro Folge.“

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Der Buch/Magazin-Zwitter hat einen großen Vorteil: Er lässt sich „in der gleichen physischen Form einmal als Zeitschrift über den klassischen Zeitschriftenvertrieb und einmal als Buch über den klassischen Buchvertrieb verbreiten“, erklärt Frank Stahmer, Verlagsleiter G+J Exclusive & Living. „Ein Produkt – zwei Vertriebswege. Damit das funktioniert, müssen die Bookazines für eine Zeitschrift jedoch sehr opulent ausgestattet sein.“
Bei Gruner und Jahr ist „Living at Home“ für die Bookazines zuständig. „Wir haben bislang zwei Bookazines herausgebracht, beide zum Thema ‚Gäste & Feste’. Das erste im Frühjahr diesen Jahres hat sich schon erfreulicherweise über 40.000 mal verkauft“, erzählt Stahmer. „Das zweite jetzt im Handel befindliche Bookazine präsentiert sich im Verkauf noch besser. Genaue Ergebnisse werden wir aber erst im Dezember vorliegen haben.“ Die Bookazines (Preis 9,80 Euro) produziert die Redaktion einfach mit. Das ist keine große Extrabelastung. Denn die Inhalte sind nicht neu. „Living at Home“ verwertet bereits gedruckte Geschichten erneut.
Das macht der Jahreszeiten-Verlag anders. Die „Feinschmecker“-Redaktion schreibt die meisten Inhalte exklusiv für die Sonderausgaben. Allerdings sind die Food-Spezialisten schon länger im kombinierten Buch/Magazin-Business. „Wir haben das Format bereits 2004 entwickelt“, sagt Verlagsgeschäftsführer Rensmann. „Den Anfang machte die ‚Kochschule‘ mit Wolfgang Siebeck.“ Mittlerweile gilt die Ausgabe als moderner Jalag-Klassiker: „Dieses Bookazine haben wir bereits zweimal nachgedruckt.“ Vier mal pro Jahr bringt Rensmann bereits ein Bookazine heraus. Jede Ausgabe beschäftigt sich ausschließlich mit einem Thema: Ob nun Schokolade, Mallorca oder Wein.
So einig sich die Hamburger bei der Feststellung sind, das ihr neues Format eine echte Erfolgsgeschichte ist, so uneins sind sie bei der Frage, wer nun die Bookazines erfunden hat. Rensmann sieht in diesem Fall den Jahreszeitenverlag eindeutig als First Mover und Innovationstreiber: „Wer unser Original und den ‚Living At Home’ Nachbau nebeneinanderlegt, kann nur schlussfolgern: Gruner + Jahr hat die Idee kopiert.“
Dem entgegnet Stahmer: “Zeitschriften hochwertig auszustatten und zu einem hohen Copypreis in den Handel zu bringen, ist per se erstmal nichts Neues. Das machen uns die Kollegen von „Geo“ oder „National Geographic“ schon seit vielen Jahren vor. Wir selbst sind allerdings in Belgien auf die Bookazine-Idee gebracht worden.”
Unbestreitbar sind zwei Fakten: Jalag brachte das erste Bookazine in Deutschland auf den Markt. Und: Für beide Verlage ist das noch junge Format ein höchst lukratives Geschäftsfeld, dass allerdings schon bald etliche Nachahmer finden dürfte.

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