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DerWesten.de: Der nächste Abgang

Die Web-bekannten Gesichter kehren der WAZ den Rücken: Nach der Chefin Katharina Borchert, verlässt nun auch der Ressortleiter Video Markus Hündgen das Nachrichten-Portal DerWesten.de. Unter dem Nickname „Videopunk“ gelang es dem WAZ-Mann, sich im Web einen Expertenstatus im Bereich Netz-Videos zu erarbeiten. Borchert und Hündgen hatten allerdings vom ersten Tag an mit großen Vorbehalten zu kämpfen. Aktueller Streitpunkt ist die Ausrüstung der Lokalredaktionen mit Flip-Kameras.

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Seinen Abschied gab Hündgen selbst via Posterous-Posting bekannt. Unter der Überschrift „Auf zu neuen Ufern“ schreibt er: „Um den ganzen Spekulationen da draußen an den Empfangsgeräten ein Ende zu setzen: Ich werde im Frühjahr 2010 freiwillig die WAZ-Mediengruppe verlassen und beruflich eigene Wege gehen.“

Via Twitter kommentierte Mario Sixtus daraufhin trocken: „Der Letzte macht das Licht aus“. Bereits Ende September gab die Chefredakteurin Katharina Borchert bekannt, dass sie ab 2010 als Geschäftsführerin von Spiegel Online arbeiten wird.
Borchert hatte die Nachrichten-Plattform konzipiert, aufgebaut und geleitet. Teil ihres Konzeptes war auch der ambitionierte Einsatz von Web-Videos. Möglichst viele Lokalreporter sollten mit Flip-Kameras ausgestattet werden, die diese zu ihren Terminen mitnehmen sollten. Das Ziel war eine moderne crossmediale Online-Berichterstattung.

Borchert und Hündgen hatten allerdings vom ersten Tag an mit großen Vorbehalten zu kämpfen. Wie groß die Ressentiments einiger – oder gar vieler – WAZ-Redakteure noch immer sind, zeigt diese aktuelle Kommentarschlacht über den Einsatz von Flip-Kameras zwischen der Chefredakteurin und einigen Kollegen.
Auslöser war ein Posting im Blog Medienmoral-nrw.de. In den Kommentaren steigerte sich langsam die Wut, weil die „Video-Produktion für Text-Redakteure (natürlich freiwillig) draufgesattelt werden soll…“ und weil Borchert es angeblich verhindern will, dass die Online-Redaktion einen Betriebsrat gründet. Der Führungsstil der Web-Chefin wird in der Diskussion wenig schmeichelhaft mit „Peitschen-Katharina“ und „Online-Domina“ umschrieben.
Irgendwann meldete sich dann auch Borchert zu Wort. Ihre Antwort beginnt mit einem frustrierten „Ich versuchs mal wieder (vergeblich?) mit ein paar Fakten“. Dann zählt sie unter anderem auf: „ Das Mitnehmen der Flip (Minikamera) ist ausdrücklich freiwillig, unfreiwillig erledigte Arbeit wird nämlich nur selten gut. Der Redakteur soll aus den mitgebrachten Aufnahmen auch nicht selbst ein Video produzieren, weil das erfahrungsgemäß selbst bei doppelter Personalstärke nicht zu leisten wäre, weil viel zu zeitaufwendig. Statt dessen lädt er die Aufnahmen hoch und Kollegen bei WAZ NewMedia produzieren dann aus dem Rohmaterial ein Video.“

In ihrer Antwort äußert sich die kommende Spiegel Online-Chefin auch noch zu der Frage, wie ihre Netz-Kollegen entlohnt werden. „Die Onliner werden nicht unter Tarif bezahlt – anders als in allen anderen mir bekannten Häusern übrigens“.
Dann geht die Diskussion erst richtig los. Mehrere Kommentatoren unterstellen Borchert zu lügen und zu tricksen, weil u.a. DerWesten.de nicht alle Sozialleistungen wie etwa das Presseversorgungswerk mitzahlt.
Diese Diskussion zeigt offenbar ganz gut, mit was für einer Print- und Online-Diskrepanz die Web-Macher von DerWesten.de zu kämpfen hatten und haben.

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