Nobelpreis: Obama erntet Kritik und Mitleid

Der Friedensnobelpreis 2009 geht an Barack Obama: Die Entscheidung des Komitees ist eine echte Überraschung und das folgende Medien-Echo keine Jubelarie. Stattdessen zweifeln die meisten Kommentatoren an der Richtigkeit der Entscheidung. In den USA und Großbritannien reagieren die Medien mit Kritik und Häme. Aber auch Spiegel Online spekuliert, ob der Preis nicht „mehr Bürde als Ehre“ ist. Ein Überblick der Reaktionen aus einheimischen Quellen.

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Trocken merkt Richard Herzinger bei Welt Online an: „Mit dem Friedensnobelpreis an Barack Obama hat das Wunschdenken einen nie da gewesenen Triumph über die Realitäten der Weltpolitik erzielt.“
Spiegel Online kommentiert: „Barack Obama regiert seit neun Monaten im Weißen Haus. Seine Versuche, mit fulminanten Reden und diplomatischen Initiativen Auswege aus festgefahrenen Konflikten zu suchen, sind der Mühe allemal Wert. Er hat versucht, ein internationales Klima zu schaffen, in dem Gespräche und ehrliche Bilanzen wieder möglich sind. Doch Obama steht noch immer ganz am Anfang. Dass er heute bereits den Nobelpreis erhält, wirkt wie der Medaillenregen auf einen Marathonläufer, der gerade den ersten Kilometer absolviert hat.“
Zeit Online schreibt: „Die Welt hält die Luft an, und mancher Realpolitiker spricht von einem schlechten Witz. Was von dem, was dieser Präsident versprochen hat, konnte er erreichen in der eben neun Monate währenden Amtszeit?“ Der Kommentar kommt zu dem Schluss: „Das Nobelkomitee aber muss sich fragen lassen, ob es seine Autorität dazu verwenden darf, in einer Welt schönen Träumen nachzuhängen, in der in vielen Ländern Menschen unter bedrängendsten Umständen täglich für Frieden, Freiheit und Menschenrechte eintreten.“

Stefan Kornelius merkt bei Sueddeutsche.de an: „Das Komitee für den Friedensnobelpreis hat dem Präsidenten eine gewaltige Bürde auferlegt. Es hat ihn sogar gefesselt und ein wenig seiner politischen Kraft beraubt.“
NZZ.ch kommt zu dem Schluss: „Der Entscheid des Osloer-Komitees lässt sich als Rückenstärkung für einen Hoffnungsträger interpretieren. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung des gütigen Königs, der mit Wille und Weisheit den richtigen Weg weist. Nur: Die Welt ist kein Königreich und die Befugnisse des Mannes im Oval Office werden aus europäischer Sicht chronisch überschätzt. Bertold Brecht liess seinen guten Menschen von Sezuan im gleichnamigen Stück an den Widersprüchen der Welt scheitern. Dem guten Menschen im Weissen Haus wird es kaum anders gehen. Nicht Worte, sondern Taten verändern die Welt.“
Bei Faz.net schreibt Klaus-Dieter Frankenberger: „Selbst wenn das Osloer Komitee, das schon in der Vergangenheit mit einigen Entscheidungen seine ideologische Weltsicht offenbart hat und das im Übrigen kein Rat der Weisen ist, die von Obama herbeigeführte Veränderung des internationalen Klimas rühmt, so ist die Auszeichnung doch eine Vorleistung: auf das, was zu erreichen Präsident Obama versprochen hat, auf die erhofften Erträge seiner Kooperationsbereitschaft.“

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