Der „SZ“ drohen harte Sparmaßnahmen

Krise ohne Ende beim Süddeutschen Verlag (SV). Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, droht der "Süddeutschen Zeitung" schon wieder eine Sparrunde. Und die könnte härter werden, als jemals zuvor. Sogar von Entlassungen ist die Rede. Die Vielflieger-Zeitung "SZ Primetime" wird eingestellt. Der Hauptgesellschafter des SV, die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), tritt massiv auf die Kostenbremse. Hier zeigt sich die Handschrift des neuen SWMH-Finanzchefs Michael Reeh.

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Der hat sein Spar-Handwerk bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gelernt. Reeh ist seit Anfang Oktober für die Finanzen der SWMH zuständig und es gibt viel zu tun. Die Schwaben der SWMH haben sich nämlich mit der teuren Übernahme des Süddeutschen Verlages und seiner Perle, der „Süddeutschen Zeitung“, eine ziemlich hohe Finanzlast aufgebürdet. 2008 hat die SWMH ihren Minderheitsanteil um 62,5 Prozent auf 81,25 Prozent aufgestockt und dafür rund 625 Millionen Euro gezahlt. Nun stockt wegen der Finanzkrise die Rückzahlung der Kredite. Die SWMH versucht die Lage mit einem verschärften Sparkurs bei ihren Kernobjekten in den Griff zu bekommen.

So wurde jüngst auch bei der „Stuttgarter Zeitung“ eine Sparrunde mit Abfindungsprogramm ausgerufen. Das Anbieten von Abfindungen, damit teure Mitarbeiter freiwillig gehen, gilt als Königsweg des Personalabbaus, weil man dadurch unpopuläre Kündigungen und eventuelle Auseinandersetzungen vor den Arbeitsgerichten vermeidet. Nun ist aber mehr als fraglich, ob dieses Mittel bei der „Süddeutschen Zeitung“ noch ausreicht. Vor einem Jahr wurden dort bereits über 70 teure Abfindungen ausgehandelt. Im Prinzip ist jeder, der freiwillig gehen würde, dort schon weg.

In einem ersten neuen Spar-Schritt wurde nun laut „Berliner Zeitung“ in München das Aus für „SZ Primetime“ beschlossen. Die Vielflieger-Zeitung wurde umsonst in der Lufthansa-Business-Class verteilt und war dort der Nachfolger der ebenfalls eingestellten „Handelsblatt News am Abend“. Offenbar lohnt sich die Gratis-Versorgung der umschwärmten Zielgruppe der Geschäftsreisenden für die Verlage nicht mehr. Vier Mitarbeiter müssen deswegen beim Süddeutschen Verlag gehen.

Bis Mitte Oktober sollen leitende Mitarbeiter weitere Sparvorschläge einreichen. So war es auch schon bei der vorangegangenen Sparrunde. Die Spar-Fantasie der Ressortleiter wird nun arg strapaziert. Am 27. Oktober soll die Belegschaft über die nächsten konkreten Maßnahmen informiert werden. Für die „Süddeutsche Zeitung“ ist das Sparen mittlerweile zu einer unliebsamen Gewohnheit geworden. Die Dauerkrise nahm ihren Anfang im Jahre 2001, als nach dem Crash der New Economy und den fatalen Anschlägen auf das World Trade Center die Weltwirtschaft und die Anzeigenindustrie schon einmal ins Wanken gerieten.

2001 und 2002 schrieb der Süddeutsche Verlag tiefrote Zahlen. Die Ausgaben waren in den fetten Jahren hochgefahren worden, man hatte den sündhaft teuren Neubau im Osten Münchens geplant und in Auftrag gegeben und plötzlich brachen die Anzeigen, allen voran die Stellenanzeigen weg. Die Katastrophe für den SV ließ sich nur mit dem Einstieg der finanzstarken SWMH verhindern. Nach dem Einstieg der SWMH schien sich die Lage zu stabilisieren. Aber dann kam die Finanzkrise. Und auch die Schwaben können nicht zaubern. Der Süddeutsche Verlag ächzt unter den teuren Mieten für den Glaspalast. Das bei vielen alteingesessenen Redakteuren verhasste Gebäude wurde in Zeiten der Finanznot verkauft und zurückgemietet. Man brauchte schnell Frischgeld.

Nun muss auch der Geldgeber SWMH kürzer treten. Verlag und Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“ müssen sich auf tiefe, harte Einschnitte gefasst machen. In anderen Zeitungshäusern ist die neue Realität schon länger angekommen. So erschien der Artikel über die Sparmaßnahmen bei der „SZ“ wortgleich in der „Berliner Zeitung“ und der „Frankfurter Rundschau“. Beide Blätter gehören zum Kölner Verlagshaus DuMont . Gegen Synergien dieser Art, hat man sich in München bislang gewehrt, weil man die Identität der Zeitung nicht gefährden wollte. Nun läuft alles auf die Frage hinaus, wieviel Identität man sich bald noch leisten kann.

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