Schwangere Nackte, Schweiß und kalte Füße

"Bild"-Promi-Klatschtante Annette Pawlu meldete sich diese Woche mit einem Fast-Nacktfoto ab ins ganz private Mutterglück. Ob Demi Moore ahnte was sie anrichten würde, als sie sich erstmals nackt und schwanger fotografieren ließ? Der eklige Stiefel-Schnüffler aus "Wetten dass..?" bewegte die Medien ebenso wie die anhaltende Diskussion um Paid Content. Komisch nur, dass viele Verlage beim Sprung ins Bezahl-Becken dann doch kalte Füße bekommen. Und Liz Mohn ist jetzt die Königin von Bertelsmann.

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Nackt, schwanger, okay. Aber auch prominent? Den Verlagsmitarbeitern bei Axel Springer und Burda dürfte diese Woche vor Schreck, Begeisterung oder beidem die „Bild“-Zeitung aus der Hand gefallen sein. Auf der letzten Seite posierte hochschwanger und obenrum splitterfasernackt die Kollegin Annette Pawlu. Die für Klatsch und Tratsch zuständige „Bild“-Mitarbeiterin adelte sich selbst zum Promi und ließ sich in Demi-Moore-Gedächtnis-Pose ablichten um kundzutun, dass sie sich in’s private Mutterglück verabschiedet: „Monatelang stand ich staunend mit meinem Blöckchen daneben, als Boris Becker auf der Liebes-Achterbahn auf und ab fuhr, wochenlang freute ich mich darauf, Stars wie Brad Pitt zu begegnen … ab sofort halte ich das Fläschchen für MEINEN Star.“ Der Herr Papa ist der Burda-Manager Marcel Reichart. Die beiden „informierten“ die Öffentlichkeit ja auch schon über ihre Beziehung und ihre Hochzeit ganz webzwonullig via Blog. Auch hier nochmal eine kleine Text-Kostprobe, weil es einfach so schön formuliert war: „Schlucken. Lächeln. Zwei braune Augenpaare versinken in einem Mini-Kokoon. Pling, Amor hat geschossen. Zwei Medienherzen aufgereiht auf seinem Pfeil wie auf einem Schaschlik-Spieß.“ Ein Medien-Paar in jeder Beziehung.

Die erste „Wetten dass..?“-Sendung nach der Sommerpause geriet zu einer Freak-Show. Und das lag nicht an der neuen Co-Moderatorin Michelle Hunziker oder der Dinosaurier-Kirmes. Die ganze Woche über wurde diskutiert, ob der eklige Stiefel-Schnüffler Thomas Schuster ein Betrüger war oder nicht. Er erschnüffelte Frauen anhand des Schweißes in ihren Gummistiefeln. Dass der Stiefel-Schnüffel schon zum dritten Mal bei „Wetten dass..?“ zu Gast war, erfuhren die Zuschauer hinterher aus der „Bild“. Thomas Gottschalk ließ dieses Detail während der Sendung unerwähnt. Eigentlich lässt das nur den Schluss zu, dass dem ZDF langsam aber sicher die Wetten ausgehen. Normalerweise müsste man so einen Dauer-Kandidaten doch vorher aussortieren. Zumal wenn er mit so einer Bizarro-Idee antritt wie der Schweißstiefel-Schnüffelei. Den Schnupper-Test bei Markus Lanz diese Woche sagte der Stiefel-Schnüffler dann ab, der Medienrummel war ihm zu groß geworden. Bis zum nächsten Mal bei „Wetten dass..?“.

Der Kölner Zeitungsverlag M. DuMont Schauberg hat jetzt auch die Hand gehoben und „Paid Content! Paid Content!“ gerufen. Exklusiv-Inhalte sollen künftig was kosten. Irgendwann, am liebsten so ab 2010. Irgendwie, vielleicht über die Telefonrechnung, man weiß es nicht. Und irgendwas, vielleicht so 30 Cent pro Artikel, keine Ahnung. Der Eindruck drängt sich auf, dass dem Wunschkonzert zum Thema Bezahl-Inhalte im Netz noch die erste Geige fehlt. Paid-Content-Vorturner Rupert Murdoch hält sich mit konkreten Ansagen bedeckt und bei Axel Springer wird immer noch nicht gesagt, was denn nun die tollen kostenpflichtigen Apps von Bild.de und Co. kosten sollen. Und auch beim „Handelsblatt“ will man noch nicht so ganz ins Paid-Content-Becken springen. Am 2. November kommt zwar der große Relaunch von Zeitung und Website mit allem Pi-Pa-Po. Die neue iPhone-App gibt es dann aber auch erst mal gratis. Alle stehen sie herum um das Paid-Content-Becken und feuern sich an, aber so richtig reinspringen will noch keiner.

In Hamburg wird dem verstorbenen Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn mindestens ebenso nachgetrauert wie in Gütersloh. Immerhin hat die Hamburger Familie Jahr eine halbseitige Traueranzeige in der „FAZ“ geschaltet. Genauso groß, wie die der Familie Mohn. Dem Vernehmen nach ist man in Hamburger Kreisen ein wenig irritiert, wie schnell Liz Mohn sich öffentlich hat inthronisiern lassen. Über ihren engen Vertrauten Gunter Thielen ließ sie in „FAZ“ und „Süddeutscher Zeitung“ ausrichten, dass ihr Mann ihr das Veto-Recht (und damit das letzte Wort im Konzern) testamentarisch vermacht hat. Damit ist Liz Mohn zukünftig die alleinige und unumschränkte Herrscherin im Hause Bertelsmann. In der Traueranzeige der Jahrs für Reinhard Mohn steht geschrieben: „Seine unternehmerische Weitsicht und sein kraftvolles Wirken als Unternehmer mit großer Verantwortung für Gruner + Jahr werden uns fehlen.“ Die offizielle Trauerfeier für Reinhard Mohn soll in der dritten Oktoberwoche stattfinden.

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