Condé Nast: der Mega-Krisen-Verlag

Kein anderer Zeitschriften-Verlag in den USA wird derart heftig von der Krise erschüttert wie Condé Nast. Laut einem Bericht von "Newsweek" könnte Condé Nast das Jahr 2009 mit einem Verlust von rund einer Milliarde Dollar bei den Anzeigen-Erlösen abschließen. Der Verlag versucht mit dem größten Sparprogramm seiner Geschichte gegenzusteuern. Vier Titel wurden eingestellt, McKinsey durchforstete das Haus nach Sparmöglichkeiten. Die bittere Wahrheit: All dies wird wahrscheinlich nicht reichen.

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In dieser Woche verkündete Condé Nast die Einstellung der vier Zeitschriften „Modern Bride“, „Elegant Bride“, „Cookie“ und „Gourmet“. Letztere immerhin die älteste Fod-Zeitschrift der USA mit einer Auflage von knapp einer Million. Zuvor hat der Verlag bereits sein teures Wirtschaftsmagazin „Portfolio“ beerdigt und damit geschätzte 150 Millionen Dollar versenkt. Die verbliebenen 20 Condé-Nast-Titel in den USA weisen dramatische Rückgänge im Anzeigengeschäft auf, teilweise zweistellig. Zum Verlag gehören so klangvolle Namen wie „Vanity Fair“, „The New Yorker“, „GQ“, „Vogue“ und „Wired“.

Weitere Entlassungen werden befürchtet. Alle Condé Nast-Zeitschriften müssen nach dem McKinsey-Konzept ihr Budget um 25 Prozent herunterfahren. Doch der härteste Sparkurs wird nicht reichen, die dramatischen Anzeigenverluste auszugleichen. Einige Zahlen: der „Architectural Digest“ verlor bis einschließlich August 54 Prozent Anzeigen-Erlöse, „Condé Nast Traveller“ verlor 42 Prozent, „Wired“ 35 Prozent“, „Vanity Fair“ 27 Prozent“

Die extremen Probleme von Condé Nast in den USA haben mehrere Ursachen:

– Fast alle Titel des Hauses sind extrem anzeigenabhängig und daher anfällig für konjunkturelle Schwankungen.

– Die meisten Titel leben zum Großteil von Anzeigen der Luxusgüterindustrie, die es innerhalb der Krise noch einmal besonders stark getroffen hat.
– Condé Nast gilt als ein Verlag, der extrem hohe Gehälter zahlt und seine Magazine sehr teuer und aufwändig produziert. Über die Jahre hat sich dort eine Kultur der Verschwendung etabliert.

– Bisher konnten Gewinne aus den Tageszeitungen der ebenfalls zu Condé Nast gehörenden Advance Publications Schwankungen bei der Magazinsparte ausgleichen. Nun befinden sich die Tageszeitungen selbst ebenfalls in der Krise.

– Es wurde versäumt, eine nachhaltige und gewinnträchtige Digital-Strategie aufzubauen, das Unternehmen ist auf Print fixiert.

Die Krise macht aus dem ehemaligen El Dorado des Hochglanz-Journalismus Condé Nast einen ganz normalen US-Verlag mit ganz normalen Problemen: Geldsorgen, Sparrunden und einem fehlenden Online-Geschäftsmodell. Das Jahr 2010 wird zeigen, ob das jetzt eingeleitete Krisenmanagement ausreicht, das Kerngeschäft zu sichern.

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