Relaunch: Details zum neuen „Handelsblatt“

Gut dreieinhalb Wochen vor dem Relaunch-Termin haben "Handelsblatt"-Chefredakteur Bernd Ziesemer und sein Online-Kollege Sven Scheffler einer kleinen Runde von Bloggern und Fachjournalisten die neuen Produkte präsentiert und über sie diskutiert. Am 2. November startet die Wirtschaftszeitung parallel mit der renovierten Print-Ausgabe, einer überarbeiteten Website, einem neuen Mobil-Auftritt und der ersten iPhone-Applikation. MEEDIA war dabei und fasst die Eindrücke des neuen "Handelsblatt"-Auftritts zusammen.

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Die größte Neuerung der Zeitung ist wie oft berichtet das neue Format. Statt des traditionellen Tageszeitungs-Formats kommt sie nun als Tabloid oder wie es das „Handelsblatt“ selbst nennt „Business-Format“ daher. Der präsentierte Dummy macht einen gelungenen Eindruck und schafft den Sprung auf das kompaktere Format sehr gut. Beim Durchblättern hat der Leser nicht den Eindruck, künftig weniger Zeitung fürs selbe Geld zu bekommen, auch die Textlängen haben sich nicht spürbar verringert. Das neue „Handelsblatt“ wird jeden Tag mindestens 64 Seiten stark sein. Im Mittelpunkt der neuen Zeitungs-Planung steht laut Bernd Ziesemer nun die Doppelseite, nicht mehr die einzelne Zeitungsseite. Größere Artikel oder Themen finden auf einer Doppelseite statt, sollten extrem wichtige Ereignisse stattfinden, sind auch monothematische Strecken von 8 oder 10 Seiten denkbar, so Ziesemer.

Ein klarer Vorteil der neuen Ein-Buch-Struktur ist das Aufbrechen der starren Rubrizierung. Ressorts haben keine festen Umfänge mehr, je nach Tagessituation kann das eine oder andere Ressort dicker oder dünner sein. Die beispielhafte Aufteilung im präsentierten Dummy sah wie folgt aus: Hinter der Titelseite folgen auf den Seiten 2 und 3 die „Nachrichten des Tages“ im Überblick. Auf den Seiten 4 und 5 folgt ein doppelseitiger Report – der längste Text der Zeitung.
Prominent platziert ist das Ressort „Meinung“; es befindet sich auf den Seiten 6 bis 8 noch vor den eigentlichen Ressorts. Die beginnen auf Seite 10 mit der Politik, eigene Seiten für Konjunktur und Ökonomie sind integriert. Auf Seite 22 folgt das Unternehmens-Ressort, auf Seite 36 dann der Themenkomplex Finanzen, mit enthaltenen Seiten für Geldanlage und Finanzmärkte. Der weiterhin sehr dicke Kursteil befindet sich im Dummy auf den Seiten 47 bis 59. Eine Doppelseite für Trends (Gadgets und andere leichtere Themen) und eine mit den „Namen des Tages“ runden das neue „Handelsblatt“ ab. Interessant: Das Inhaltsverzeichnis findet sich künftig auf der letzten Seite. Gerade für Kiosk-Käufer ein interessantes Feature, bekommt man doch so schneller als bei anderen Zeitungen einen Blick auf die Themen der Zeitung.

Handelsblatt-Geschäftsführer Joachim Liebler rechnet im Übrigen damit, nur 75% der Anzeigenumfänge aus den besten Zeiten zurückgewinnen zu können. Um das Minus im Geschäft mit der Reklame auszugleichen, setzt er auf eine „Hochpreisstrategie“, sprich: mehr Umsätze im Vertriebsgeschäft und beim Thema Paid Content. Bernd Ziesemer stellte nebenbei klar, dass die berichtete Anzeigenpreis-Senkung eigentlich ja eine Erhöhung sei. Die Größe der Zeitung (und somit auch die Größe der 1/1-Anzeige) sinke schließlich um 50%, die Anzeigenpreise aber nur um 20%.

Blick auf das Layout der neuen „Handelsblatt“-Titelseite

Logischerweise weniger spektakulär fällt der Relaunch des Internet-Angebotes aus, der ohne den Relaunch der Zeitung wohl auch noch nicht stattgefunden hätte. Um aber auch die Online-Präsenz auf die neue „Handelsblatt“-Optik mit renoviertem Logo anzupassen, wird die Website am 2. November ebenfalls überarbeitet an den Start gehen. Auffällig ist dabei u.a., dass künftig auf das „.com“ im Logo verzichtet wird. Stattdessen schmückt das identische „Handelsblatt“-Zeitungslogo nun auch die Website. Deutlich klarer strukturiert ist nun der Topthemen-Bereich der Website. Eine Geschichte wird groß angeteasert, darunter finden sich 4 Kästen mit weiteren Hinweisen auf wichtige Geschichten, sowie 7 Schlagzeilen, insgesamt werden also 12 Topstories beworben, bevor die einzelnen Ressortkästen folgen. Bei diesen Kästen gibt es ein kleines neues Gimmick. So kann der Nutzer selbst entscheiden, ob er 5, 10 oder 15 Schlagzeilen aus den Ressorts Finanzen, Unternehmen, Politik, Technologie, Meinung und Magazin auf der Homepage angezeigt bekommen will. Umgesetzt wurde das Gimmick per Ajax-Technologie.

Das Ressort Meinung ist neu auf der Handelsblatt-Homepage. Neben Kommentaren und Blogeinträgen finden sich hier dank einer Kooperation mit breakingviews.com gegen Bezahlung auch englischsprachige Meinungsstücke. In der Randspalte fällt eine weitere Kooperation auf: Künftig wird die „Tagesschau in 100 Sekunden“ der ARD auf der Handelsblatt-Website zu sehen sein. Weitere Neuigkeiten: eine verbesserte Kommentarfunktion, größere Darstellung von Fotos und Videos und natürlich die überarbeitete, modernere Optik.

So sieht die Handelsblatt-Homepage ab 2. November aus

Zudem wurde erstmals die neue Handelsblatt-iPhone-App präsentiert. Sie wird ebenfalls am 2. November verfügbar sein und kein Geld kosten. Künftige Apps mit exklusiveren, spitzeren Inhalten und Services will man aber nicht mehr kostenlos anbieten. Die erste App bietet wie vergleichbare Programme von Focus Online und stern.de die aktuellen Inhalte der Website. Zudem gibt es eine komfortable Abfrage-Funktion für Börsenkurse. Interessant ist die Tatsache, dass das Handelsblatt erstmals einen eigenen Mobile-Redakteur haben wird, der sich ausschließlich um die mobilen Angebote für Blackberry, iPhone & Co. kümmern wird. Er passt die Inhalte an, kürzt also beispielsweise Headlines und gewichtet bei Bedarf anders als auf der Website.

Die Startseite der neuen Handelsblatt-iPhone-App

Auch wenn die Handelsblatt-Macher betonen, wie gut die neuen Produkte in der Marktforschung und bei der Werbekundschaft ankommen – einige schaflose Nächte werden sie vor dem 2. November sicher noch haben. Denn erst dann entscheidet sich, ob die wohl größten Renovierungen in der über 60-jährigen Geschichte der Zeitung von der Zielgruppe angenommen werden.

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