IT-Sektor vor Übernahmewelle

Während sich die Gerüchte über eine Übernahme des deutschen Web 2.0-Aushängeschilds Xing weiter hartnäckig halten, sind Manager vieler großen Technologiekonzerne aus den USA schon weiter. Kaum eine Woche beginnt inzwischen mehr ohne den "Merger Monday", an dem wieder eine Groß-Akquisition verkündet wird. Erst schlug Dell zu, dann legte Cisco nach, während Comcast offenbar für NBC bieten will. Marktexperten sehen bereits eine neue Welle an Großübernahmen im IT-, Internet- und Mediensektor anrollen.

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Während sich die Gerüchte über eine Übernahme des deutschen Web 2.0-Aushängeschilds Xing weiter hartnäckig halten, sind Manager vieler großen Technologiekonzerne aus den USA schon weiter. Kaum eine Woche beginnt inzwischen mehr ohne den „Merger Monday“, an dem wieder eine Groß-Akquisition verkündet wird. Erst schlug Dell zu, dann legte Cisco nach, während Comcast offenbar für NBC bieten will. Marktexperten sehen bereits eine neue Welle an Großübernahmen im IT-, Internet- und Mediensektor anrollen.

Was für ein Unterschied ein Jahr machen kann: Exakt 365 Tage ist es her, als der Himmel über der Börse zusammenbrach: Schwerer als zwischen dem 5. und 9. Oktober 2008 waren die Verluste an den Aktienmärkten nie ausgefallen, nicht mal im Weltwirtschaftskrisenjahr 1929. Mehr als 20 Prozent verlor der Dax in dieser Handelswoche vor einem Jahr – im Rückspiegel erscheint das fast schon wieder wie ein Absturz einer vergangener Ära.

Denn schneller als gedacht sollten sich zumindest die Aktienmärkte erholen. Seit nunmehr sieben Monaten läuft der Aufschwung – und er läuft mal wieder weiter als viele dachten. Dass die Erholung tatsächlich für bare Münze zu nehmen ist, beweisen einige Groß-Übernahmen der vergangenen Woche in den USA, die sich vor allem im Technologiesektor abspielten.
Skype, Adobe: Milliardenschwere Transaktionen im Wochentakt

Den Auftakt zur Wiederbelebung des Marktes für Fusionen und Übernahmen (M&A) machte eBay mit dem Verkauf der Internettelefonie-Tochter Skype an ein Investorenkonsortium um den früheren Netscape-Gründer Marc Andreessen, das 1,9 Milliarden Dollar für 65 Prozent der Anteile zu zahlen bereit war.

Zwei Wochen später war der Desktop-Publisher Adobe bereit, den Internetanalyse-Spezialisten Omniture mittels Aktien-Tausch und Barzahlungen im Wert von etwa 1,8 Milliarden Dollar zu übernehmen – für einen Aufschlag von 24 Prozent zum letztgehandelten Schlusskurs.
Dell und Cisco ziehen nach – NBC vor Verkauf?

Nur eine Woche später war wieder „Merger Monday“ an der Wall Street – und die Einsätze hatten sich bereits mehr als verdoppelt: Dell, der zweitgrößte Computerhersteller der Welt, war bereit, für den texanischen IT-Dienstleister Perot Systems stolze 3,9 Milliarden Dollar zu überweisen, was einem bemerkenswerten Premium-Aufschlag von 67,5 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag darstellte.

Wenige Tage später legte der weltgrößte Netzwerkkonzern Cisco nach und tat das, womit er zur heutigen Größe gekommen war – er kündigte eine weitere Milliarden-Übernahme an. Rund drei Milliarden Dollar bot der Dow Jones-Konzern Ende vergangener Woche für den norwegischen Anbieter von Videokonferenzsystemen Tandberg. Und auch die drittgrößte Sendergruppe der USA, NBC Universal, ist Gerüchten zufolge reif für die Übernahme: Kabelnetzbetreiber Comcast sei bereit, für die mehrheitliche Übernahme Milliarden zu zahlen, war Ende vergangener Woche den Gerüchten zu entnehmen.

Brocade nächster Übernahmekandidat – rollt eine regelrechte Übernahmewelle an?

Entsprechend ist dann auch an der Wall Street ein regelrechtes Akquisitions-Fieber ausgebrochen. Wer kommt als Nächster dran – und wer bietet wie viel? Die Übernahme-Fantasie reicht inzwischen gar so weit, dass sich etablierte Unternehmen öffentlich zum Verkauf stellen, wie am Montag der Netzwerk-Spezialist. Man habe eine Bank mit der Transaktion beauftragt, ließ Brocade mitteilen – die Aktie stieg daraufhin um fast 20 Prozent.

So sieht ein lupenreiner Bullenmarkt aus. Käufer schlagen mit zweistelligen Aufschlägen im Wochentakt zu, um nicht zu spät zu kommen: „Der Technologiesektor könnte in den nächsten fünf Jahren vor enormer Übernahmeaktivität stehen“, glaubt etwa der Vermögensverwalter Tim Melvin, der auf eine Berufserfahrung von 20 Jahren als Aktienhändler zurückblicken kann. „Gerade, wenn die Kurse noch mal zurück kommen, dürfte das eine regelrechte Übernahmewelle auslösen“, so Melvin. Der nächster Merger Monday kann kommen!

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