Medienberichterstattung US-Style – hart und heftig

In diesen Tagen ist es eher selten, dass gute Nachrichten aus den Medienhäusern dringen. Schwierige Sache, wenn einstmals erfolgsverwöhnte Manager nur noch übers Sparen, Streichen und Abbauen reden und entscheiden müssen. Da wird auch gerne mal das eine oder andere Wort auf die berühmte Goldwaage gelegt. Man wird ein bisschen dünnhäutig. Ich glaube von Günther […]

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In diesen Tagen ist es eher selten, dass gute Nachrichten aus den Medienhäusern dringen. Schwierige Sache, wenn einstmals erfolgsverwöhnte Manager nur noch übers Sparen, Streichen und Abbauen reden und entscheiden müssen. Da wird auch gerne mal das eine oder andere Wort auf die berühmte Goldwaage gelegt. Man wird ein bisschen dünnhäutig. Ich glaube von Günther Kress, dem Gründer des „kress report“ stammt der Ausspruch, dass Medienberichterstattung ein ständiges „tiptoeing through the tulips “ sei. Sinngemäß übersetzt: Man soll sich mit Zehenspitzen durchs Tulpenfeld bewegen. Nur nicht zu deutlich werden in Formulierung und Kritik, man könnte dabei die zartenKommunikations-Pflänzchen umknicken und niedertrampeln, die man später noch mal braucht. Sei es als Informant oder Anzeigenkunde. Es ist eben doch eine kleine Branche und man begegnet sich immer zweimal. Meistens sogar öfter.

Dies mag zumindest teilweise erklären, warum Medienjournalismus hierzulande oft so ein bisschen blutarm und lasch daherkommt.

Ganz anders in den USA. Da gibt es mit Gawker.com ein Medienblog, das hierzulande schon längst kaputtgeklagt wäre. Gawker.com berichtet mit beißender Schärfe und ohne Rücksicht auf Empfindlichkeiten über den Niedergang der US-Print-Industrie. Eines der liebsten Opfer: Der Condé Nast Verlag. Das Haus hat mit herben Anzeigenrückgängen und vielen strukturellen Problemen zu kämpfen. Und die Jungs von Gawker.com stehen daneben und machen sich noch darüber lustig.

So rief Gawker.com vor einigen Tagen den Wettbewerb ins Leben „Which Condé Nast Titles will die?“ Die Leser, und besonders Angestellte von Condé Nast, wurden aufgefordert, in den Kommentaren ihre Meinung darüber abzugeben, welche Zeitschriften des Hauses als nächstes eingestellt werden. Kurz nach dem „Contest“ gab Condé Nast USA bekannt, dass die vier Magazine „Gourmet“, „Modern Bride“, „Elegant Bride“ und „Cookie“ eingestampft werden. Die Leute bei Gawker hatten ganz offenbar den richtigen Riecher. In Deutschland wäre so eine flapsige Herangehensweise undenkbar. Man erinnere sich an den Aufschrei in der Branche, als vermeintliche „Todeslisten“ herumgereicht wurden, nachdem beiGruner + Jahr nebulöse Strukturanpassungen verkündet hatte.

Die Respektlosigkeit á la Gawker feiert nun fröhliche Urständ angesichts der peinlichen Selbst-Enthüllung von David Lettermans Sex-Eskapaden. Was macht Gawker.com? Die machen eine Umfrage „Who’s Your Favorite Media Pussyhound?“ Mit Bildergalerie! In Deutschland aus den verschiedensten Gründen undenkbar!

Jetzt ist das, was Gawker.com macht natürlich nicht repräsentativ für die gesamte US-Branchenpresse. Da gibt es auch seriöse Publikationen, wie „AdAge“. Und auch in Deutschland gibt es Medienblogs wie das Bildblog, die deutlich weniger Blätter vor den Mund nehmen als etablierte Branchendienste. Aber insgesamt scheint der Umgang der Medienbranche mit der Medienberichterstattung in den USA doch etwas weniger verkrampft als manchmal hierzulande.

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