Stimmen zum Tod von Reinhard Mohn

Als "stiller Mann in Gütersloh" und "Anti-Medien-Mogul" wird der Samstag verstorbene Reinhard Mohn in den Nachrufen der Medien gewürdigt. Für den Verband Deutscher Zeitschriften-Verleger galt er "als Unternehmer, dem es nie nur um den nackten Erfolg ging; er verband sein unternehmerisches Wirken zeitlebens mit gesellschaftspolitischem Engagement". VDZ-Präsident Hubert Burda sieht in Mohn "einen der modernsten Unternehmer der Nachkriegszeit". Stimmen zum Tode von Reinhard Mohn.

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VDZ-Präsident Hubert Burda: „Reinhard Mohn war einer der modernsten Unternehmer der Nachkriegszeit. Wie wenige verknüpfte er unternehmerischen Erfolg mit sozialer Verantwortung und hatte großen Anteil am ideellen Wiederaufbau unserer Nachkriegsdemokratie. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet.“
Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski: „Wir, das Haus Bertelsmann, unser Land, aber auch unsere Freunde in Europa und Übersee haben eine überragende Unternehmer- und Stifterpersönlichkeit verloren. Reinhard Mohn hat deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben.“
Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung: „Mit ihm verliert Deutschland und die Welt eine herausragende Persönlichkeit, die Wirtschaft und Gesellschaft der Nachkriegszeit maßgeblich geprägt hat.“
Anne Seith, Spiegel Online: „Mohn war ein Mann alter Schule, in jeder Hinsicht. Noch bis ins hohe Alter fuhr er täglich ins Büro, um 13 Uhr saß er, wie alle Mitarbeiter, in der Kantine – und doch traute sich keiner so recht an den hageren, unnahbaren Mann mit den preußischen Tugenden. Kaffee ließ er sich in seiner Zeit als Vorstandschef morgens in eine große Tasse schütten, damit er nicht so oft aufgefüllt werden musste. Partys und Jetset waren ihm fremd, Mohn liebte Bergwanderungen und lange Spaziergänge. Die hohen Erwartungen, die er an sich selbst stellte, galten auch seinem Umfeld.“
Detlef Gürtler, Welt Online: „Im Wirtschaftswunder erfolgreiche Unternehmer gab es viele in Deutschland. Aber kaum einem von ihnen gelang es so gut wie Reinhard Mohn, die Wachstumsdynamik der Nachkriegszeit Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt zu konservieren. Dafür brauchte er einen weiteren Erfolgsfaktor, der es ihm ermöglichte, durch alle Strukturwandel und -brüche der Medienbranche hindurch an der Spitze zu bleiben: Gütersloh. Diese Niemandsstadt in den Weiten Ostwestfalens war so ziemlich der unwahrscheinlichste Ort, um ein weltweites Medien-Imperium zu lenken – und genau deshalb so erfolgreich.“
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Eine herausragende Persönlichkeit. Als Unternehmer bewies Reinhard Mohn nicht nur glänzendes Gespür für Marktchancen, sondern auch sozialpolitisches Engagement. Lange bevor „Corporate Identity“ zum Schlagwort wurde, praktizierte Mohn schon eine partnerschaftlich geprägte Unternehmenskultur mit ständigem Dialog zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung.“
„Manager Magazin“-Autor Klaus Boldt: „Wie kein zweiter Manager in Deutschland stellte er sich den Fragen nach der gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmers und entwickelte einen Wertekanon, strebte nach ethischen Prinzipien von allgemeiner Gültigkeit. Heute gehören sie zum Allgemeingut moderner Unternehmensführung.“
„New York Times“: „As Bertelsmann grew, Mr. Mohn allowed the managers of individual business units to run things as they saw fit, an approach that makes the company less a well-oiled machine than a loose alliance of affiliated businesses. He later said the experience of rigidly authoritarian Nazi Germany, and his own stint in the military, convinced him that the top-down approach had serious shortcomings.“
„Financial Times“, London: „One of Germany’s most important post-second world war industrial leaders. He turned Bertelsmann from a small family-owned German publisher into a global media group and held strong views on the organisation of companies, which he was not afraid of sharing publicly.“
„Der Standard“, Wien: „Reinhard Mohns Bewusstsein für soziale Verantwortung des Unternehmers – auch zur Motivation der Belegschaft – prägte Bertelsmann: Ab 1969 beteiligte er Mitarbeiter an Gewinnen, 1977 gründete er die gemeinnützige Bertelsmann-Stiftung, der mehr als 70 Prozent am Konzern gehören.“

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