„Wetten dass..?“ – wenig Hunziker, viel Ekel

Die "Wetten dass..?"-Premiere nach der Sommerpause mit leicht verändertem Konzept und Michelle Hunziker als Co-Moderatorin war eine Show mit Längen. Und das lag nicht allein an den 45 Minuten, die Thomas Gottschalk fast wie in alten Zeiten überzogen hat. Zu viele Wetten, zu viele Couch-Gäste, zu viel Werbung, zu viele Körperflüssigkeiten und zu wenig Hunziker. Hätte man die Sendung auf die Hälfte zusammengekürzt, wäre womöglich knackige Unterhaltung daraus geworden.

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Aber zunächst: die Hunziker. Die mit viel Presserummel angekündigte schöne Co-Moderatorin aus der Schweiz hatte in der Sendung nur die Rolle einer Art Dauer-Außen-Reporterin. Sie durfte kurz mit den Wett-Kandidaten schäkern, ihr Honigkuchen-Strahlen zeigen und attraktiv mit den Augen rollen. Als Gast in früheren Sendungen hatte Michelle Hunziker mehr Gelegenheit, ihren Charme spielen zu lassen. Zwischenzeitlich hatte man sogar fast vergessen, dass sie noch da war.

Zu den Wetten werden jetzt kurze Text-Einblendungen gezeigt, die zusammenfassen worum es geht, und Wett-Kandidaten können ihre Bewerbungs-Videos nun auch via YouTube einreichen. „Wetten dass..?“ gibt sich zwonullig und hat nun auch einen eigenen YouTube-Kanal. Das war’s dann aber auch schon an Neuerungen. „Wetten dass..?“ wirkte nach der Sommerpause weniger frisch als erhofft. Gottschalk betonte mehrfach, dass er die Wetten nun erst während der Sendung kennelernt, trotzdem stellte er sie lang und breit vor. Die erhoffte Spontaneität blieb aus.

Dafür stieg der Ekelfaktor beträchtlich. Ein Schnauzbart schnupperte an durchschwitzten Gummistiefeln, um die Trägerinnen zu erkennen („Die hat Schweiß. Das ist die Iris.“). Ein weiblicher Tokio-Hotel-Fan im Publikum zeigte der Kamera ihre Fan-Tätowierung am Popo, ein junger Mann beförderte Briefmarken mit seinen Speichelfäden. Eine seltsame Häufung an Körperteilen und -flüssigkeiten.

Und auch geworben wurde wieder, bis der Arzt kommt. Egal ob Wickie-Film, der neue Vroni-Ferres-Streifen, der ZDF-„Seewolf“, die neuen Alben von Tokio Hotel, Whitney Houston und Nelly Furtado, eine Dinosaurier-Show (mit durchaus beeindruckenden Dino-Puppen), Kulmbacher Bier, Teldafax, SWR3 oder Audi. Die Marken- und Produktparade nahm kein Ende. Lohn für die viele Werbung waren zahlreiche zugkräftige Namen auf dem Sofa. Bully Herbig mit seinem 11-jährigen Wickie-Darsteller, Vroni Ferres mit Marga Spiegel, Whitney Houston, Tokio Hotel und Polit-Star Karl Theodor zu Guttenberg mit Frau. Zu Guttenberg und Gottschalk duzen sich übrigens – man stammt aus demselben Wahlkreis.

Und dann war da noch Oliver Pocher, der eine eher traurige Figur abgab. Über seine mauen Stand-up-Witzchen mochte kaum jemand in der großen Halle lachen. Ganz schön peinlich. Und dann fragte Gottschalk ihn schon wieder nach Harald Schmidt. Pocher war sichtlich genervt.

Die Quoten für die Sendung dürften wegen des Hunziker-Effekts nicht schlecht gewesen sein. Die Show bot auch einiges an Promis und Schauwerten. Aber „Wetten dass..?“ bleibt eben „Wetten dass..?“ mit seinen Stärken und seinen Schwächen. Dass die Show sich wirklich neu erfindet, braucht man wohl nicht mehr zu hoffen. Oder zu fürchten.

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