Die Entdeckung von Bohlen als Künstler

Oliver Pocher rührt eifrig die PR-Trommel für seine neue Show, aber der Geist von Harald Schmidt spukt immer dazwischen. Nach den Sparrunden in den Redaktionen sind jetzt die Verwaltungen dran. G+J, WAZ und Bertelsmann haben massive Kürzungen bei Verwaltung und Vermarktung angekündigt. Paid Content ist weiter in aller Munde, die Taten lassen aber auf sich warten. Und Dieter Bohlen muss für seine Sprüche bei "DSDS" in die Künstlersozialkasse einzahlen. Die MEEDIA-Woche: Kommerz und Kunst, Hand in Hand.

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Kurz vor der Premiere seiner neuen Late-Night-Show rührt Oliver Pocher ein wenig unglücklich die PR-Trommel. Egal was er macht (Pressekonferenz) oder was er sagt (im großen „FAZ“-Interview) – immer ist sein Ex-Partner Harald Schmidt präsent. Schmidt hat seinerseits auf subtil fiese Weise die Diskussion umPocher angeheizt, indem er in seiner Sendung Brause aus dem Bauchnabel von Pochers Ex-Freundin, dem Model Monica Ivancan, leckte. Eine Anspielung auf eine entsprechende Szene in Günther Grass‘ „Die Blechtrommel“. Auf die bizarre Szene von der „FAZ“ angesprochen, sagte Pocher erstaunlich schmallippig: „Die Interpretation überlasse ich anderen. Ich habe die Sendung leider nie gesehen.“ Anschließend diagnostiziert er: „Der Mythos Harald Schmidt zerbröselt aber auch langsam.“ Und in seiner Pressekonferenz verkündete er, dass er Schmidt auch nicht einladen würde, er wolle sich ja die Quote nicht versauen. Dabei hatte Schmidt auf seiner Pressekonferenz schon zu Protokoll gegeben, dass er gar nicht zu Pochers Show kommen würde. Schmidt hat vielleicht die schlechteren Quoten, aber das bessere Timing, was Absagen betrifft.

Nach den ganzen Sparrunden in Redaktionen sind jetzt offenbar die Apparate dran. Gruner + Jahr, Bertelsmann und WAZ Gruppe schockten in dieser Woche mit Abbauplänen in Verwaltung und Vermarktung. Bei G+J sollen 85 von knapp 300 Vermarktungs-Jobs gestrichen werden, beim Mutterhaus Bertelsmann werden 130 von 700 Stellen in der Zentrale in Gütersloh gekappt und bei der WAZ will man ebenfalls in den Verlagsabteilungen sparen und Stellen streichen. Bemerkenswert, dass in einigen Häusern eine Sparrunde die nächste jagt, während woanders eher still ist.

Paid Content ist weiter in aller Munde aber noch nicht in der Realität angekommen. Die „New York Times“ hat immer noch kein konkretes Bezahl-Modell vorgelegt. Wie es heißt, zögert der Herausgeber Arthur Sulzberger mit der folgenreichen Entscheidung. Und auch Paid-Content-Papst Rupert Murdoch ist in der Wirklichkeit nicht ganz so forsch wie in seinen Ankündigungen. So soll das erste Paid-Content-Modell der News Corp beim „Sydney Morning Herald“ in Australien erprobt werden und nicht etwa bei Renommier-Titeln wie der englischen „Times“. In Deutschland richten sich alle Augen auf Axel Springer. Der Verlag will noch im Herbst kostenpflichtige Apps für das iPhone anbieten. Der Herbst hat längst begonnen. Die Preisfrage ist immer noch nicht geklärt. Es bleibt spannend.

Ist Dieter Bohlen ein Künstler? Aber ja! Sagt das Bundessozialgericht in Kassel. Und deshalb müssen er und seine Jury-Kollegen bei „Deutschland sucht den Superstar“ in die Künstlersozialkasse einzahlen. Insgesamt 173.000 Euro für die ersten beiden Staffeln. RTL hatte versucht, Bohlen und Co. als „Experten“ durchgehen zu lassen. Hat nicht geklappt. Ganz schön paradox. Während manch armes Zeilen-Würstchen wahre Stunts vollführen muss, um in die Künstlersozialkasse rein(!)zukommen, wollen Großkopferte wie Bohlen natürlich lieber draußen bleiben. Klar, der eine (das Zeilen-Würstchen) kostet Geld, der andere (Bohlen) bringt Geld. Interessant dabei auch, dass im Zuge des Prozesses das Jury-Honorar bei „DSDS “ offengelegt wurde So bekamen die Jurymitglieder pro Staffel zwischen 60.000 und 1,2 Mio. Euro. So leistet das Bundessozialgericht auch gleich noch einen Beitrag zur Gehaltstransparenz in der Unterhaltungsindustrie.

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