Wahl-Specials: „Spiegel“ schlägt „Focus“

Am Wahl-Wochenende lief die redaktionelle Produktion bei den Nachrichten-Magazinen auf Hochtouren. "Spiegel" und "Focus" hatten keine Chance, den regulären Titel mit aktuellen Inhalten zur Wahl auszuliefern. Deswegen entschied man sich in Hamburg wie in München zu Specials: Der "Spiegel" kam am Montag mit dem "Wahlsonderheft '09", der "Focus" brachte das "WahlSpezial 09". MEEDIA hat die beiden Polit-Specials verglichen und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: der "Spiegel" ist klarer Punktsieger im Wahlduell.

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Vorweg die Eckdaten: das Hamburger Sonderheft kommt auf 76 Seiten für 2,80 Euro und in gewohnter „Spiegel“-Optik, mit Hochglanz-Titel, inklusive Hausmitteilung daher. Die Cover-Zeile stellt nüchtern fest: „Deutschland, Gelb-Schwarz“. Die Münchner Sondernummer ist mit 48 Seiten schwachbrüstiger, was mit sogenanntem Volumenpapier haptisch teilweise wettgemacht wird. Dafür ist der Wahl-„Focus“ mit  der Titelzeile „Der Königin-Macher“ auch günstiger, er kostet 1,90 Euro.
Den Willen zur Aktualität dokumentiert der „Spiegel“ auf dem Umschlag: ein Foto von Guido Westerwelle, aufgenommen vom „Spiegel“-Fotografen nach den ersten Hochrechnungen. Topaktuell, aber leider etwas unscharf. Die Heftplaner hatte der Triumph der Liberalen offenbar überrascht – denn im Innenteil finden sich zwar umfangreiche Porträts der beiden Kanzlerkandidaten, nicht aber eines zu Westerwelle, dem Mann der Stunde. Dennoch macht das „Spiegel“-Extra einen reifen, kompetenten Eindruck. Die Mischung aus Zukunftsprognose, Reportage, Interviews und Rückblenden auf die (schwarz-gelbe) Vergangenheit ist ebenso stimmig wie das Layout mit doppelseitigen atmosphärischen Fotos vom Wahlabend und klarer Erzählstruktur.
Hier schwächelt das „Focus“-Extra. Das Doppelporträt Westerwelle / Merkel auf dem Cover wirkt wenig inspiriert, die ganze Anmutung des Titels erinnert eher an ADAC „Motorwelt“ oder rtv-Beilage. Chefredakteur Helmut Markwort beginnt sein Editorial („Stundenbuch“) zur Wahl mit dem lustigen Satz „Die Twitterer sind schuld…“ – das musste ja mal gesagt werden. Es folgt ein kleinteiliger Einstieg mit News-Schnipseln, bevor es um Sieger und Besiegte geht. Das Layout wirkt plakativ, aber nicht sehr harmonisch, die Textseiten kommen mit viel, vielleicht zu viel Weißraum daher. Trotz der bewährten „Focus“-Mischung mit Statistiken, Info-Kästen und Umfrageleisten bleibt das Auge nicht so richtig hängen. Wenig „Brennpunkt“, dafür viele Info-Häppchen.
Insgesamt vermittelt das „Spiegel“-Special den Eindruck von mehr Tiefgang und Inspiration, und auch der gesellschaftliche Aspekt und der Glamour-Faktor der Berliner Politik werden aufgearbeitet. Beim „Focus“ hat man offenbar mehr Wert auf die Facts & Figures und die rasche Einordnung gelegt.
FAZIT: Das „Spiegel“-Sonderheft wirkt durchgeplant und ausgewogen, der „Focus“ liefert eher die schnelle Nummer. Über die Verkäufe liegen keine Angaben vor. Ob am Ende die Münchner mit ihrem „Schnellschuss“ zum deutlich niedrigeren Copy-Preis richtig liegen oder die Hamburger mit dem „vollen Pfund“ zur Wahl, wird der Leser entscheiden. Und der hat bekanntlich immer recht.

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