ARD & ZDF: Wo sind die Gebühren hin?

ARD und ZDF nehmen pro Jahr zwischen sieben und acht Milliarden Euro an Rundfunkgebühren ein. Da dies öffentliche Gelder sind und die Sender auch einen öffentlichen Auftrag haben, sollte man meinen, dass mit den Gebühren-Milliarden sorgfältig gehaushaltet wird. Leider ist oft das Gegenteil der Fall. Teure Pöstchen-Schieberei, Parallel-Produktionen, Top-Spielfilme, die spätnachts versendet werden - all dies ist bei ARD und ZDF an der Tagesordnung. Zusätzlich kostet das föderale System viel Geld.

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Es könnte so einfach sein: Eine große öffentlich-rechtliche Sendeanstalt mit einigen Ablegern – fertig. Es gäbe den Hauptsender, dritte Programme für das Regionale und Lokale, einen Nachrichtensender, einen Kulturkanal und vielleicht noch einen Kindersender. Öffentlich-rechtliches Qualitätsfernsehen würde sich in einer derart verschlankten Struktur weitaus billiger finanzieren lassen als heute. Nun muss man den ARD-Sendern und dem ZDF fairerweise zu Gute halten, dass es so einfach selbstverständlich nicht ist. Durch das föderale System der Bundesrepublik mit den Landesregierungen, wird sich die teure Sendervielfalt nicht auflösen lassen. Allerdings fördern die Jahr für Jahr sprudelnden Gebühren-Milliarden offenbar eine Kultur, in der Wirtschaftlichkeit nicht immer oberste Maxime ist.

Beispiel: Parallel-Produktionen. Da hat die ARD die TV-Übertragungsrechte der Fußball-Bundesligaspiele am Sonntag für teures Geld zusätzlich gekauft. Nur um dann festzustellen, dass man im Ersten eigentlich gar keinen Sendeplatz dafür hat. Nach dem Sonntags-„Tatort“ kommt ja „Anne Will“. Also wurde der teure Fußball in die Dritten Programme geschoben. Statt aber gemeinsam eine Sendung zu produzieren, werden fünf eigenständige Fußballmagazine mit eigenen Studios, eigenen Moderatoren und eigenem Stab produziert. Der NDR zeigt 60 Minuten Sport am Sonntagabend, der SWR 55 Minuten, der RBB 45, der WDR 30 und der Hessische Rundfunk 15 Minuten. Der Saarländische Rundfunk und der MDR berichten nur in den Nachrichten über die Bundesliga-Spiele. Das Paradoxe: Alle Sonntags-Sportsendungen haben dasselbe Bildmaterial der Sonntagsspiele zur Verfügung. Das führt dazu, dass in allen Sendungen mehr oder weniger die gleichen Beiträge und Bilder laufen, nur jeweils aus einer anderen Kulisse heraus von anderen Moderatoren präsentiert. Regionaler Bezug: Fehlanzeige. Anderes Beispiel: Bei der Hochzeit des britischen Prinzen Charles mit seiner Camilla Parker Bowles sendeten ARD und ZDF parallel live von 13 bis 17 Uhr. Beide mit eigenen Teams, eigenen Experten und Moderatoren.

Beispiel: Spielfilme. ARD und ZDF kaufen für gutes Geld hochwertige Spielfilme ein und versenden sie regelmäßig auf Sendeplätzen spätnachts, vorzugsweise an Wochentagen. Sogar hochklassige Ware wie die Komödie „Couchgeflüster“ oder der Tom-Hanks -Streifen „Terminal“, bei den Privaten absolutes Primetime-Material, feierten ihre TV-Premiere bei der ARD donnerstagnachts um 22.45 Uhr. Die ARD schoss den Vogel ab und versendete die quotenträchtigen Dinosaurier-Filme „Jurassic Park“ Teil eins und zwei im September vergangenes Jahr an einem Dienstag hintereinander um 0.20 Uhr und 2.20 Uhr. Begründung: Die Ausstrahlungsrechte wären sonst verfallen.

Beispiel: Misswirtschaft. Das seltsame Finanzgebaren des MDR kam 1999 ans Licht, als bekannt wurde, dass der Sender Millionen an Gebührengeldern bei hoch-riskanten Spekulationen mit dem ecuadorianischen Sucre verzockt hatte. Gelernt wurde daraus offenbar nichts. Auch aktuell kam der MDR wieder wegen verlustreichen Aktien-Spekulationen in die Schlagzeilen. Ebenfalls mit einem MDR-Ticket reist der ehemalige ARD-Programmdirektor Günter Struve durch die Welt. Nachdem er seinen Top-Job niederlegte, durfte er das ARD-Verbindungsbüro in Los Angeles übernehmen und dort das US-Programm beobachten. Für den Deal musste Struve viel Kritik einstecken, angeblich leben auch seine Tochter und sein Enkelkind in Kalifornien. Die Sehnsucht nach der Heimat wird auch nicht zu groß, denn zu Moderationen der MDR-Talkshow „Riverboat“ wird Struve selbstredend auf Gebührenzahler-Kosten eingeflogen. Ein üppiges Altersteilzeit-Programm auf Kosten der Gebührenzahler.

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