WAZ-Sparkurs: nach Redaktion nun Verlag

WAZ-Boss Bodo Hombach hat am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung in Essen die erste Phase des Sparkurses bei den NRW-Tageszeitungen abgeschlossen und gleichzeitig weitere Einsparungen angekündigt. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Schickler erarbeite man ein Konzept für den Verlag. Die Maßnahmen in den Redaktionen seien hingegen erfolgreich abgeschlossen. 287 Stellenkürzungen habe man in den vergangenen Monaten vorgenommen.

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Kein einziger der 287 Jobs sei allerdings eine betriebsbedingte Kündigung gewesen, stattdessen seien alle durch Altersteilzeit, Abfindungen, etc. zustande gekommen. Mehrfach lobte Hombach bei einem Pressegespräch im Anschluss an die Betriebsversammlung die Betriebsräte der vier NRW-Zeitungstitel, die zwar harte Betriebsräte seien, mit denen man aber vernünftig reden könne, um gute Lösungen zu schaffen. Der heutige Tag sei im Bezug auf die Sparmaßnahmen ein Tag des Aufbruchs, niemand müsse in den Redaktionen nun mehr um seinen Job fürchten.

Das Einsparungsziel von jährlich rund 30 Mio. Euro haben man nahezu erreicht, so Hombach. Allerdings habe das den Konzern auch rund 30 Mio. Euro gekostet. Dennoch sei er insgesamt nicht in die roten Zahlen gerutscht. Die vier NRW-Zeitungen befänden sich gemeinsam nun auch wieder in den schwarzen Zahlen, in der Einzelbetrachtung hätte die „Westfälische Rundschau“ allerdings noch Probleme, so Hombach. Auch Jörg Tuschhoff, Betriebsrat der „Westfälischen Rundschau“ lobte die Zusammenarbeit mit dem Mangement: Der „tiefste Einschnitt in der Geschichte der Redaktion“ sei harmonisch verlaufen. Allerdings würden sich nun einige der verbliebenen Journalisten über Mehrarbeit beklagen.

Künftig will die WAZ nun also die Sparmaßnahmen an den nicht-journalistischen Orten verschärfen. Dazu erarbeite man gemeinsam mit Schickler ein Konzept für die Verlagsabteilungen. Konkrete Zahlen nannte Hombach noch nicht, das sei zum jetzigen Zeitpunkt unseriös. Spekulationen in gewerkschaftsnahen Blogs nannte er wörtlich „diskriminierend, geschäftsschädigend und herabsetzend“. Wie auch in den Redaktionen setzt Hombach alles daran, die Stellenkürzungen sozialverträglich hinzubekommen. Versprechen oder garantieren will der WAZ-Geschäftsführer das allerdings nicht, um freiwillige Abgänge nicht zu gefährden. Am Dienstag der kommenden Woche sei eine weitere Betriebsversammlung geplant, bei der die Pläne vorgestellt würden.

In den Redaktionen wolle man ab sofort nur noch nachjustieren. Ort für Ort werde nun im Detail nachgeschaut, wie „praxistauglich die umgesetzten Schickler-Konzepte“ sind. Die Auflagen-Entwicklung der vier WAZ-Zeitungen sei unterdessen „ärgerlich, aber im Bezug auf die Branche durchschnittlich“, so Hombach. Die vor einigen Wochen in der Presse kolportierten dramatischen Rückgänge hätten Sondereffekte wie die Schließungen dreier Standorte nicht genügend beachtet. Wie dramatisch die Entwicklung tatsächlich ist, wird sich im Oktober zeigen, wenn die IVW-Auflagen für das dritte Quartal vorliegen. Um die Konzernführung näher mit den Redaktionen zu verzahnen, hat Hombach die Position eines Verlagsgeschäftsführers NRW geschaffen. Markus Beermann übernimmt diesen Posten.

Am Rande des Pressegesprächs äußerte sich Hombach zudem noch zu einigen anderen Geschäftsfeldern. So wolle man demnächst stark in die Mobilbranche einsteigen, zudem sei eine deutliche Steigerung der Anteile am Regionalsender NRW TV geplant. Das Internet-Angebot DerWesten solle noch stärker lokalisiert werden. Über einen Nachfolger für die scheidende WAZ-Internet-Frau Katharina Borchert befragt, sagte Hombach, man schaue intern und extern nach geeigneten Kandidaten, habe aber noch keine konkreten Gespräche geführt. Borchert arbeite ja noch bis zum 1. Februar aktiv auf ihrem Posten.

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