Online-Werbung überrundet TV

Die Ausgaben für Online-Werbung haben in Großbritannien erstmals die Umsätze für TV-Werbung überholt. Rund 24 Prozent der Ausgaben sind im ersten Halbjahr 2009 ins Web geflossen, nur noch 22 Prozent entfallen laut Internet Advertising Bureau (IAB) und PricewaterhouseCoopers auf das Fernsehen. Das Vereinigte Königreich ist damit die erste große Volkswirtschaft, in der Online-Werbung den größten Anteil erreicht. Obwohl auch in Deutschland der Online-Markt stark wächst, liegt hier Fernsehen und Print noch klar vorne.

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Insgesamt wuchs das Internet-Anzeigenvolumen im Vereinigten Königreich im ersten Halbjahr 2009 um 4,6 Prozent auf umgerechnet 1,92 Milliarden Euro. Rund 60 Prozent entfielen auf den Suchmaschinenmarkt, der um 6,8 Prozent zulegte.

Den Durchbruch zum wichtigsten Anzeigenmarktplatz vor dem Medium Fernsehen prognostizierte das IAB dem Internet eigentlich erst für Ende 2009. Die schnellere Entwicklung führen die Marktforscher auf die allgemeine Anzeigenkrise zurück – während Online-Werbung nur unter einem verringertem Wachstum litt, fielen die Umsätze der anderen Medien außerordentlich stark.

Der britische TV-Marketingverband Thinkbox äußerte Kritik an den IAB-Zahlen. Es sei „interessant aber sinnlos“, die in den diversen Kanälen des Internet erwirtschafteten Werbeumsätze in einer großen Zahl zusammenzufassen, sagte der Marketing Director von Thinkbox, Lindsey Clay. Er fordert, dass die Sparten – etwa Suchmaschinen-Marketing, Kleinanzeigen und Bannerwerbung – künftig separat gelistet werden sollten.

Auch in Deutschland wächst der Markt für Online-Werbung deutlich. Nielsen Research ermittelte für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres einen Zuwachs von 9,5 Prozent auf 734 Millionen Euro. Damit liegt das Internet aber noch klar hinter Fernsehen, das im selben Zeitraum 4,3 Milliarden Euro mit Werbung umsetzte. Tageszeitungen kamen auf 2,6 Milliarden Euro, Publikumszeitschriften auf rund 1,7 Milliarden Euro.

Dass die Gewichtung in England sich so stark von der deutschen unterscheidet, liegt an den besonderen Bedingungen. Experten von AdAge merken an, dass der TV-Markt dort stark reguliert und die mächtige BBC werbefrei ist.

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