„Unsere Prämisse: keine Verlagsanbindung“

In der Nacht zum Mittwoch startet ein ambitioniertes deutsches Web-Portal: The European. Das von Alexander Görlach und Lukasz Gadowski entwickelte "Debatten-Programm" soll sich als Magazin und Marke im Web etablieren und richtet sich an Entscheider und Multiplikatoren – ohne ein "intellektualisiertes Lehrprogramm" zu sein. Bis Ende des Jahres refinanziert sich die Seite mit Werbung, danach wird zusätzlich eine Premium-Mitgliedschaft eingeführt. Kostenpunkt: Zwischen 10 und 15 Euro pro Monat.

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Was ist neu an The European?Bei uns ist nicht die Nachricht entscheidend, sondern das, was diese Nachricht bedeutet. Wir greifen die gesellschaftlichen Diskurse auf und entwickeln sie weiter. Bei The European kommen die Stimmen zu Wort, die wirklich von Bedeutung sind. Dabei sind wir kein intellektualisiertes Lehrprogramm, sondern unsere Inhalte finden in einem als Magazin-Format unter dem Dach einer neuen Marke im Netz statt. Das ist das Innovative an The European, was es so noch nicht im deutschen Markt gibt
Bei Ihnen wird es also nur Meinung geben?
Ich glaube, dass der Journalismus im Netz ein pointierter Meinungsjournalismus sein muss. Orientierung und Deutung sind entscheidend. Das wird The European bieten.
Im Vorfeld des Launchs sagten Sie, die Attitüde von The European sei optimistisch, abendländisch und leger. Wie ist das zu verstehen?
Diese Begriffe beschreiben unsere Haltung. Wir sind diskursiv, streitbar, analytisch und reflexiv. Wir sind in so fern abendländisch, als dass wir mit dieser Haltung in der europäischen Tradition des Diskurses stehen. Die Art und Weise, durch argumentativen Austausch zu Ergebnissen zu kommen, stellt ein kontinentales Alleinstellungsmerkmal durch alle Epochen dar, dem wir uns verpflichtet fühlen. Optimistisch sind wir, weil wir glauben, dass es für viele unserer Fragestellungen Lösungen gibt. Und leger meint, dass wir Haltung entspannt sind. Wir bieten den Lesern ein Lean-Back-Produkt. Wir wollen nicht bemüht intellektuell, sondern intelligent und smart sein.
Neben Ihnen ist Lukasz Gadowski Gesellschafter der The European Magazine Publishing GmbH. Welche Investoren haben Sie für die Finanzierung des Portals gewonnen?
Bei unseren Investoren handelt es sich ausschließlich um Privatleute aus unseren – also Gadowskis und meinen – Netzwerken. Die Namen dieser Investoren bleiben vertraulich. Wir werden uns an keinen Verlag anbinden. Das ist unsere Prämisse, der bleiben wir treu. 

Wie ist die Vermarktung angelaufen?
Die ist hervorragend angelaufen. Im ersten Monat haben wir unseren Businessplan um den Faktor drei übertroffen.
Trotz der spitzen Zielgruppe der Entscheider?
Wir richten uns vor allem an die Entscheider und Multiplikatoren. Wir wollen dabei aber nicht nur die wissenschaftliche Elite mit The European ansprechen. Unser Angebot ist ebenso für Studierende und Ruheständler von Interesse, sofern sie sich für die Diskurse der Gesellschaft interessieren.
Als Ziel bis Ende 2010 wollen Sie 50.000 Unique Visitors erreicht haben. Ist diese reichweite nicht ein wenig zu gering, um sich mit Werbung zu finanzieren?
Wir sprechen mit anspruchsvollen Marken, denen wir ein entsprechend hochwertiges journalistisches Werbeumfeld und eine attraktive Zielgruppe bieten. Insofern ist die Trefferquote für die Botschaften, die werbetreibende Firmen setzen wollen, deutlich höher, als bei konventionellen Nachrichtenportalen.
Werbung auf The European kostet also entsprechend mehr?
Ja und nein. Als Einsteiger können wir nicht die Preise verlangen, die etwa ein Marktführer verlangen kann. Aber wir entwickeln attraktive Werbeformen, die wir in der nächsten Zeit einführen und unseren Werbepartnern anbieten werden. Die Preise werden dann sukzessive mit dem Ausbau unseres Bekanntheitsgrads steigen. Demnach ist unsere Einschätzung, mit unserem hochwertigen Umfeld und unserer speziellen Zielgruppe, bis Sommer 2010 den Break Even zu schaffen, durchaus realistisch.
Welche Werbekunden können Sie da nennen?
Wir haben zum Start VW und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gewinnen können.
Sie haben aber angekündigt, gegen Ende dieses Jahres ein Subscriber-Modell einzuführen.
Richtig. Wir werden den The European Club ins Leben rufen. Dabei handelt es sich um eine besondere Mitgliedschaft, die in erster Linie einen Mehrwert in der Offline-Welt bieten wird. Anvisiert sind diverse Veranstaltungen wie Diskussionsrunden und Hintergrundgespräche mit Entscheidern. Selbstverständlich wird es auch technische Features auf der Website geben wie neue Sortierungsmöglichkeiten oder eine personalisierte Homepage, die nur mit dieser Mitgliedschaft bezogen werden können.
Wie teuer wird der Eintritt in den The European Club?
Die Mitgliedschaft wird zwischen 10 und 15 Euro pro Monat kosten. Dafür kriegt der Subscriber aber auch etwas geboten – exklusive Mehrwerte, die zu unserer Marke passen.
Rechnet sich das dann? Immerhin ist Ihre angepeilte Besucherzahl nicht besonders hoch.
Deswegen werden legen wir auch zunächst den Fokus auf unser Kernprodukt, The European, und bringen in Erfahrung, was unsere Nutzer interessiert und was sie wollen. Bis Ende des Jahres werden wir uns dann ein Bild darüber gemacht haben und das Subscriber-Modell mit gezielten Angeboten entwickeln.

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