Bewährung für Ex-MDR-Sportchef Mohren

Mehr als eine Stunde lang sprach der ehemalige MDR-Sportchef Wilfried Mohren. Unter Tränen gestand er vor dem Landgericht Leipzig, unrechtmäßig Gelder von Sportverbänden und Unternehmen angenommen zu haben. Dabei seien 331.000 Euro geflossen. Der 51-Jährige erklärte, "zu nah am Gegenstand der Berichterstattung" gewesen zu sein und entschuldigte sich für sein "unrichtiges Verhalten". Am Dienstag verurteilte das Gericht Mohren zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

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Damit findet der Skandal ein vergleichsweise glimpfliches Ende für den ehemaligen MDR-Sportchef. Die Kammer honorierte das „glaubhafte Geständnis“. Dem MDR gegenüber hatte Mohren sich bereits im Vorfeld verpflichtet, 380.718,30 Euro zu zahlen. Zum Vergleich: Jürgen Emig, ehemals Sportchef des Hessischen Rundfunks, ist für ein ähnliches Vergehen im vergangenen Jahr zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. In diesem Fall ging es um einen Schaden von 285.000 Euro.
Mohren gab zu, auf eigene Rechnung öffentlich-rechtliche Sendezeit an Sportverbände wie die Stiftung Deutsche Sporthilfe und Unternehmen wie die Firma Techem verkauft zu haben. Damit habe er seine Privatkasse um knapp 331.000 Euro aufgefüllt. Im Gegenzug für die Zahlungen hatte er für Unternehmen und die Stiftung Deutsche Sporthilfe werbewirksame Auftritte im MDR-Fernsehen arrangiert. Das Geld floss zur Verschleierung an die Veranstaltungsfirma von Mohrens Frau Christiane, die ebenfalls unter Anklage steht, sowie zwei mutmaßliche Mittäter.
Der MDR habe ihm Nebentätigkeiten generell erlaubt, so Mohren. Daher habe er zunächst kein schlechtes Gewissen wegen seiner Verträge mit Unternehmen und Organisationen gehabt. Bei diesen Vereinbarungen habe er Dienstliches und Privates nicht getrennt und sei „unsensibel“ gewesen. „So eine Verbindung hat ein Geschmäckle nach außen“, erklärte der Ex-Sportchef in seiner emotional vorgetragenen Erklärung.
Mohren begründete sein Verhalten damit, für die Sponsoringverträge, die er für den MDR ausgehandelt hatte, nicht die erwartete finanzielle Anerkennung bekommen zu haben. Der Sponsor habe ihm daraufhin seinen Anteil direkt zukommen lassen. Zudem sei er für regionale Fußballvereine auf Sponsorenakquise gegangen und habe dabei ungewollt „ein Eigentor geschossen“, so Mohren. Der Angeklagt schloss sein Geständnis mit den Worten: „Was passiert ist, ist furchtbar.“
Nach MEEDIA-Informationen ist es unwahrscheinlich, dass die Staatsanwaltschaft, die drei Jahre Haft gefordert hatte, in Berufung geht. Damit dürfte Mohren eine Haftstrafe erspart bleiben.

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