„In der Krise etwas Neues wagen“

Thomas Knüwer ist in der Medien- und Web-Szene bekannt als "Handelsblatt"-Redakteur und Blogger (Indiskretion Ehrensache). Außerdem gehört er zu den 17 Unterzeichnern des Internet-Manifests. Nun hängt Knüwer seinen sicheren Redakteurs-Job an den Nagel und macht sich als Berater selbstständig. Mittwoch ist sein letzter Arbeitstag beim "Handelsblatt", seine Beratungsfirma hat er auf den eigenwilligen Namen KpunktNull getauft. Bei MEEDIA spricht der 40-Jährige über den Schritt in die Selbstständigkeit.

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Sie verlassen das „Handelsblatt“ um was zu tun?

Ich werde eine Beratung gründen, die Unternehmen aller Branchen helfen soll, sich in den Bereichen Web2.0 und Social Media zurechtzufinden.

Gibt es nicht schon genug Berater?

Berater ist ja nicht gleich Berater. Über das Jahr hinweg kamen immer wieder Anfragen, ob ich nicht jemanden kennen würde, der beraten kann. Irgendwann habe ich gesagt: „Ja, mich.“ Das zeigt, dass derzeit ein echtes Aufwachen der Unternehmen stattfindet. Viele Unternehmen sehen, dass da etwas vor sich geht mit dem Internet aber sie stehen wie der Ochs vorm Berge und suchen nach Menschen, die ihnen Orientierung bieten können. Und man muss auch ganz klar sagen, dass es in diesem Feld leider jede Menge unseriöse Berater gibt. Und es gibt eine Reihe, die extrem unkreativ arbeiten. Der Bedarf ist also da.

Gab es einen konkreten Auslöser für den Schritt in die Selbstständigkeit?

Vielleicht, dass ich vor kurzem 40 geworden bin. Ich bin nun seit 14 Jahren beim „Handelsblatt“, bin da eigentlich auch gerne. Aber in meinem Alter ist das fast die letzte Chance, irgendetwas anderes zu machen. Für Journalisten bleibt ansonsten nur PR.

Hat man sie im Kollegenkreis nicht für wahnsinnig erklärt, den sicheren Redakteursjob für die Selbstständigkeit an den Nagel zu hängen?

Für verrückt erklärt haben einige wahrscheinlich schon vorher. Im Ernst: Die meisten finden, dass ich eine gewisse Kompetenz mitbringe und der richtige Typ bin, um selbstständig etwas zu machen.

Wen wollen Sie beraten?

Alle Unternehmen und alle Branchen, ich mache keine Einschränkungen, etwa auf die Medienbranche. Es gibt auch bereits zwei Startkunden.

Können Sie verraten, wer das ist?

Leider nein, das ist nicht mit den Kunden abgesprochen. Künftig will ich eine größtmögliche Transparenz schaffen, ähnlich wie das auch Jeff Jarvis tut.

Bleiben irgendwelche Verbindungen zur Verlagsgruppe Handelsblatt?

Persönliche und private Verbindungen bleiben natürlich. Aber konkrete Projekte für das „Handelsblatt“ gibt es derzeit nicht. Man hat mir signalisiert, dass man sich freuen würde, wenn ich ab und zu mal wieder einen Artikel schreibe. Aber etwas Regelmäßiges ist nicht geplant.

Was wissen Sie besser als die Unternehmen, die sie beraten wollen?

„Besser wissen“ klingt ja auch gleich nach „besserwisserisch“, darum geht es aber gar nicht. Ich kann gut verstehen, dass viele, die sich nicht so intensiv mit dem Internet befassen, Schwierigkeiten haben den Einstieg zu finden. Ich denke, da habe ich die Fähigkeit, Menschen Zusammenhänge in einfachen Worten nahe zu bringen. Ich behaupte einfach mal, dass ich auch ein gutes Gespür für Trends habe. Ich war zum Beispiel der erste Print-Journalist in Deutschland, der über Twitter geschrieben hat. Und meine Vorhersage, dass der Touchscreen das Ende der Computer-Maus eingeleitet hat glauben zwar viele noch nicht, das wird aber so kommen.

Warum gründen Sie selbst kein Internet-Unternehmen?

Ich habe in den vergangenen Jahren gemerkt, dass ich gut darin bin, Ideen für Internet-Unternehmen zu beurteilen. Ich bin aber fürchterlich schlecht darin, selbst eine Geschäftsidee zu finden.

Wie geht es weiter mit dem Internet-Manifest, das sie auch mit unterzeichnet haben?

Wir sind als Gruppe in Kontakt und wollen den ersten Sturm abwarten. Das Manifest hat erheblichen Wirbel ausgelöst, vor allem die internationale Resonanz war gigantisch. Vielleicht überarbeiten wir es. Die Diskussion wird natürlich weitergeführt.

Haben die anstehenden Umstrukturierungen beim „Handelsblatt“ etwas mit der Entscheidung für die Selbstständigkeit zu tun?

Die redaktionellen Umstrukturierung und der Relaunch des gedruckten Produktes halte ich für den richtigen Weg. Alles, was ich bisher davon gesehen habe, finde ich klasse. Aber ich habe auch das Gefühl, dass so eine Krise ein guter Zeitpunkt ist, etwas Neues zu versuchen.

Werden Sie weiter bloggen?

Ja, ich werde Indiskretion Ehrensache ohne das „Handelsblatt“ weitermachen und auch mein privates Weblog Go to Rio weiter betreiben. Die Indiskretion wird dann auch auf eine neue technische Plattform gestellt, was sich viele Leser bereits länger wünschen.

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