G+J und Springer: Vertriebs-Ehe oder -Ente?

Nach den Meldungen über eine sich anbahnende Vertriebs-Allianz zwischen Burda und der WAZ-Gruppe (MEEDIA berichtete) gehen die Spekulationen über weitere strategische Bündnisse zwischen Verlagen weiter. Der "Kontakter" bringt eine neue Variante ins Gespräch: die Verzahnung zwischen den Vertriebs-Einheiten von Springer und Gruner + Jahr. Der Branchendienst beruft sich auf "Firmenkreise". Für einen solchen Schritt gibt es Argumente, aber auch dagegen. Und offenbar spricht man auch (noch) nicht miteinander.

Anzeige

Laut „Kontakter“ wäre einer der Vorteile, dass diese Konstruktion kartellrechtlich geschmeidiger sei als ein Zusammengehen mit anderen Partnern. Denn Gruner als Zeitschriftenhaus und Springer als Zeitungsverlag verfolgen am Markt unterschiedliche Interessen, was mögliche Bedenken der Kartellwächter ausräumen könnte. Allerdings seien beide Häuser daran interessiert, die Kontrolle über den Vertrieb ihrer Titel auch nach einer Fusion zu behalten. Schon daran könnte der Vertriebs-Pakt scheitern. Und auch die grundsätzlichen Vertriebsinteressen scheinen überaus verschieden: Springer setzt auf (Vertriebs-)Masse („Schnelldreher“), Gruner eher auf (die höhere Preis-)Klasse.
Relativiert wird die Meldung auch dadurch, dass – zumindest nach MEEDIA-Informationen – derzeit gar keine Gespräche zwischen Gruner und Springer in der Vertriebsfrage geführt werden. Bei Springer will man solche Marktgerüchte grundsätzlich nicht kommentieren. Kurt Otto, Leiter Marktkommunikation beim Deutschen Presse Vertrieb, erklärt dazu lapidar: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu den Spekulationen über vermeinlichte Kooperations-Sondierungen des dpv im Vertriebsmarkt grundsätzlich nicht äußern.“
Andererseits werden sich alle Beteiligten hüten, zum jetzigen Zeitpunkt irgendeine Option grundsätzlich auszuschließen. Denn alle sind an Optimierung interessiert, besonders Gruner + Jahr. Das Medienhaus leistet sich eine Vertriebstochter, die in der Branche als „Premium-Dienstleister allererster Güte“ (so ein Insider) gilt – allerdings auch, was den Kostenapparat angeht. Vor dem Hintergrund des von Vorstandschef Bernd Buchholz ausgegebenen Sparziels von 200 Millionen Euro im laufenden Jahr wäre die drastische Verringerung der Kosten im Vertrieb durchaus ein Befreiungsschlag. Unternehmensnahe Kreise gehen davon aus, dass dabei eine dreistellige Zahl von Arbeitspätzen wegfallen könnte.
Nachdem die ersten Monate des Jahres eher von Alleingängen im Vertriebsbereich (Bauer) geprägt waren, scheint nun die „Kooperitis“ zu grassieren. Treibende Kraft hinter dem Vorstoß von WAZ und Burda ist Philipp Welte. Der Burda-Vorstand müht sich seit Jahresbeginn um die grundlegende Sanierung der Strukturen („Change“-Programm). Er hatte die Zusammenlegung von Vertriebseinheiten offenbar schon seit geraumer Zeit präferiert und in Michael Imhoff vom Modernen Zeitschriften Vertrieb (MZV), dem größten unabhängigen Player auf dem deutschen Markt, einen durchsetzungsstarken Mitstreiter gewonnen. Als MZV-Geschäftsführer soll Imhoff, obwohl schon 66 Jahre alt, nach Willen der Mehrheitsgesellschafter von der WAZ die Führung des MZV noch einige Jahre innehaben. In dieser Zeit könnte das vertriebliche Zusammenspiel von Burda, WAZ und MZV umgesetzt und optimiert werden.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige