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„Wir führen ein reines Online-Abo ein“

Am 2.November wagt die Marke Handelsblatt einen Neustart auf allen Kanälen. Print, Online und Mobile werden grundlegend überarbeitet und einander angeglichen. Bei der Tageszeitung kann man die Umstellung auf das Tabloid-Format durchaus als Revolution bezeichnen, aber auch der Online-Auftritt erhält Einiges an Neuerungen. So wird es etwa kostenpflichtige Inhalte geben. MEEDIA sprach auf der Dmexco mit Chefredakteur Sven Scheffler über den Relaunch und den neuen Verleger Dieter von Holtzbrinck.

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Wie geht es mit dem Umbau von Handelsblatt.com voran?
Wir werden am 2. November die Marke Handelsblatt nicht nur im Internet neu präsentieren, sondern auf allen Kanälen neu positionieren. Ein Dreiklang aus der Zeitung im Business-Format, dem relaunchten Online-Portal und unseren neuen mobilen Angeboten, inklusive einer iPhone-Applikation.

Welches sind die wichtigsten Neuheiten?
Drei Dinge möchte ich hervorheben. Erstens die noch deutlichere Fokussierung auf die für unsere Zielgruppe relevante Finanz- und Unternehmensberichterstattung. Das sind unsere Kernkompetenzen. Zweitens bieten wir dem User ein umfangreicheres Video-Angebot im Fullscreen 16:9-Format. Künftig gibt es bei uns die Tagesschau in 100 Sekunden zu sehen. Drittens ist die Einbettung unserer Community in die Seite zu nennen. Das bedeutet, dass an jeden Artikel Foren angehängt werden, in denen unsere Leser untereinander oder mit der Redaktion diskutieren können. Wichtig war uns aber auch, die Marke Handelsblatt crossmedial aufzustellen und die User bzw. Leser durch unsere Angebote in Print und gleichermaßen Online zu führen.

Wie wird das konkret aussehen?
Wir fordern zum Beispiel die Leser in der Tageszeitung auf über bestimmte Themen auf der Webseite zu diskutieren. Damit fördern wir die Integration der Handelsblatt-Leser in unsere Angebote – wir machen das Handelsblatt zum Nukleus für Diskussionen.

Wie können wir uns den Aufbau der neuen Homepage vorstellen?
Wir wollen den Nutzern eine bessere Orientierung bieten. Die Site hat eine ganz klare Hierarchie – Leser sehen sofort, was wichtig und aktuell ist. Dazu gehört ein prominent platzierter Aufmacher in Verbindung mit einem ganzen Bündel zusätzlicher Geschichten, die Hintergrund und Aktualität widerspiegeln Zusätzlich setzen wir verstärkt auf Meinung und Analyse, der wir ab 2. November ein eigenes Ressort widmen.

Sind in diesem Zusammenhang neue Blogs geplant?
Wir werden eine neue Blog-Plattform starten, die auf einer neuen Technik laufen wird. Dazu wird das Angebot auch inhaltlich erweitert, indem wir etwa ein Ökonomie-Blog etablieren wollen, für das mehrere Autoren schreiben werden. Dort soll unsere versammelte Konjunktur- und Ökonomie-Kompetenz zum Ausdruck kommen.

Wie ist die Entwicklungsphase abgelaufen?
Wir haben uns bei der Neugestaltung des Onlineauftritts zunächst die Frage gestellt: Was wünscht eigentlich der Nutzer? Dazu haben wir intensive Gespräche mit unseren Lesern und Nutzern geführt und natürlich auch Marktforschung betrieben.

Was kann man optisch erwarten?
Online werden wir zunächst einmal das Design anpassen. Bislang war es so, dass sich Print und Online in unterschiedliche Richtungen entwickelt hatten. Mit dem Relaunch werden wir die Angebote harmonisieren. Die „Corporate Colors“ der überarbeiteten Marke „Handelsblatt“ sind, Print wie Online, Orange und Schwarz.

Gibt es auch strukturelle Änderungen bei der Zusammenarbeit zwischen Print und Online?
Nein, die Zusammenarbeit zwischen der Online- und Print-Redaktion war schon immer sehr eng. Wir haben am News-Desk etwa 20 Redakteure, die sich nur mit Online beschäftigen. Wir stimmen uns mit der Print-Redaktion mehrmals täglich ab, vor allem was die Stoßrichtung und Einordnung unserer Berichterstattung betrifft. Was wir allerdings als Aufmacherthemen auf Handelsblatt.com veröffentlichen, entscheiden wir eigenständig.

Spielt Paid Content bei Ihnen künftig eine Rolle?
Nachrichten, Hintergrund, Kurse und etwa Marktberichte bleiben selbstverständlich kostenfrei. Aber, ja: Es wird künftig auch Inhalte auf Handelsblatt.com geben, die wir nur unseren Abonnenten zur Verfügung stellen. Dazu zählen die Abonnenten der Zeitung, wir werden aber auch ein reines Online-Abo einführen. Für exklusiven Zugriff auf Mehrwertdienste, etwa unser Archiv, verschiedene Newsletter und Alerts, werden wir künftig Geld verlangen. Das gilt auch für den exklusiven Analyse-Dienst Breakingviews, den in Deutschland das Handelsblatt exklusiv anbietet. Ebenso sind diverse Bezahlmodelle im mobilen Bereich geplant. Die iPhone-Anwendung wird allerdings kostenfrei angeboten. Ebenso wie die RIM-Applikation für Blackberry-Geräte, die wir kürzlich entwickelt haben.

Welche Rolle spielt der Verlegerwechsel bei der Verlagsgruppe Handelsblatt?
Unser neuer Verleger, Dieter von Holtzbrinck, ist mit einer eindeutigen Vorwärtsstrategie eingestiegen. Er ist wahrscheinlich der einzige Verleger in Deutschland, der sich in der Krise antizyklisch verhält – das was alle predigen, um der Krise zu begegnen, aber nur wenige umsetzen. Stattdessen versuchen sich viele so klein wie möglich zu machen, um nicht umzufallen. Das wiederum geht klar zu Lasten der Qualität.

Und auf Qualität wird bei Ihnen dabei nicht verzichtet?
Im Gegenteil, wir rüsten qualitativ auf.

Gibt es den von Verlegerseite konkrete Vorgaben was die Reichweitenentwicklung angeht?
Nein, wir sprechen nicht über konkrete Zahlen. Für uns ist wichtig, dass wir journalistisch weiter sauber und auf höchstem Niveau arbeiten. Wir sprechen die hochwertigste Zielgruppe in Deutschland an, das macht mehr aus als man in Zahlen ausdrücken kann.

Wie sieht journalistisch sauberes Arbeiten bei Ihnen aus?
Ich zitiere da gerne meinen Kollegen Bernd Ziesemer. Im Wirtschafts- und Finanzbereich gilt die alte Mafia-Regel: Diejenigen, die wissen, reden nicht. Und diejenigen, die reden, wissen nichts. Verlässliche Berichte über Finanzen erfordern Fachwissen und harte Recherche. Dafür muss man sich aber Reporter leisten, die Kontakte pflegen. Mit Agenturmaterial kommt man da nicht weiter. Und das ist gut für den Journalismus.

Und die Reichweitenentwicklung spielt tatsächlich keine Rolle?
Ach wissen Sie, das Wettrennen um Reichweite können wir als Wirtschaftsangebot doch gar nicht gewinnen. Alle Versuche, Spiegel Online nachzueifern, scheitern doch sowieso. Was wir brauchen ist eine Differenzierung der Medienangebote auch und gerade im Netz. Und diesen Weg gehen wir, unser Angebot ist ziemlich einmalig und wir sind eine der meistzitierten Online-Angebot Deutschlands. Wo uns das hinführt? Handelsblatt.com schwankt im Augenblick zwischen 40 und 50 Millionen PIs, wir haben rund eine Million Unique User – das ist, finde ich, sehr beachtlich.

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