Hat Doris Heinze auch noch abgeschrieben?

Wer wissen will, wie gut oder schlecht die Bücher vom NDR-Drehbuch-Phantom Doris Heinze wirklich waren, sollte heute Abend um 20.15 Uhr die ARD einschalten. Dort läuft der Fernsehfilm "Die Freundin der Tochter". Die Story des Streifens ist schnell erzählt: verheirateter Mann verliebt sich in jüngere Frau. Die freundet sich mit der betrogenen Gattin an. Am Ende bleibt alles beim Alten. In der "SZ" beschreibt Joseph von Westphalen, wie er Doris Heinze vor Jahren ein Drehbuch mit fast gleichem Plot vorlegte.

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Von Westphalen schreibt in der „Süddeutschen“: „Ob sich Doris Heinze beim Schreiben ihres Drehbuchs an meines erinnert hat? Eher nicht. Warum sollte sie nicht von selbst auf diese doch eigentlich naheliegende weibliche List gekommen sein?“ Gekannt hat sie es jedenfalls. Von Westphalen beschreibt Treffen mit Doris Heinze, bei denen sie Verbesserungsvorschläge gemacht hätte und man sich „amüsant“ über das Buch unterhalten habe.

Gespielt wird das Ehepaar in Liebes-Irrungen und Beziehungs-Wirrungen in der ARD von Edgar Selge und Katrin Sass. Joseph von Westphalen hat sein Drehbuch bereits Mitte der 90er Jahre im Auftrag der Produktionsfirma Neue Deutsche Filmgesellschaft verfasst. Die Handlung: Ein verheirateter Mann verliebt sich in eine jüngere Frau. Die betrogene Gattin rächt sich auf subtile Weise, indem sie sich mit der jüngeren anfreundet. Vorgesehen für die männliche Hauptrolle: Edgar Selge. Nur: Damals wollte kein Sender das Buch verfilmen, weil es in der Version von Westphalens zu keinem moralisch unbedenklichen Happy-End inklusive Rückkehr zum angestammten Eheweib kommt. Aus Frust verarbeitete der Schriftsteller sein Drehbuch mitsamt Beziehungs-Kuddelmuddel 2002 zum Roman „Liebessalat“.

Von Westphalens Drehbuch sollte nur verfilmt werden, wenn der Ehemann am Schluss geläutert zu seiner Frau zurückkehrt. Für die Primetime muss ein bisschen Moral schon sein. Dann, so belehrte man ihn, gebe es einen Deal. Aber das wollte der Schriftsteller nicht: „Das aber wäre keine intelligente Komödie mehr, sondern Dutzendware.“ Doris Heinze alias Marie Funder-Donoghue hatte weniger dramaturgische Skrupel. Sie machte den Deal, wie man mittlerweile weiß, mit sich selbst. Zu besichtigen ist die „Dutzendware“ heute Abend um 20.15 Uhr in der ARD. Warum sollte die ARD den Film, der zuerst auf Arte lief, auch nicht zeigen – sie hat ja voll dafür bezahlt. Auch fürs Drehbuch.

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