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Klambt plant „Vanity Fair“ für Frauen

In der "FAZ" verrät Klambt-Verleger Lars-Joachim Rose Details zum Konzept der neuen Frauenzeitschrift, die sein Verlag gerade entwickelt. Der Wochentitel soll im ersten Quartal 2010 mit einer Druckauflage von 500.000 Exemplaren an den Start gehen. Mit genauso hoher Auflage startete 2007 die deutsche Ausgabe der "Vanity Fair". Um die 200.000 Hefte will Rose zu einem Preis von über zwei Euro pro Stück verkaufen. Inhaltlich soll die neue Zeitschrift alle Genres der Frauenpresse vereinen.

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Als Vorbild wird in der Branche immer wieder der italienische Titel „Grazia“ genannt. Auf Anfrage von MEEDIA wird dies bei Klamb jedoch dementiert. Es gehe um ganz andere Konzepte sagte ein Verlagssprecher. Dabei wäre das italienische Blatt „Grazia“ gar kein schlechtes Vorbild. Das Heft erscheint ebenfalls wöchentlich, ist eher hochwertig aufgemacht und international erprobt. „Grazia“ erscheint außer in Italien auch in Australien, Großbritannien, Griechenland, Portugal, Holland und Bulgarien. In Großbritannien wird „Grazia“ übrigens als Lizenzprodukt von der Bauer Media Group verlegt. Das italienische Original stammt von Silvio Berlusconis Verlag Mondadori. In Italien verkauft das Magazin laut der englischsprachigen Wikipedia im Durchschnitt 218.000 Exemplare, in Großbritannien etwas über 220.000. Allerdings ist „Grazia“ in Italien und in England günstiger positioniert, als es Klambt nun mit seinem Titel vor hat. „Grazia“ kostet nach einer Preissenkung in Italien noch 1,50 Euro, in England 1,- Pfund.

Die neue Klambt-Zeitschrift, für die noch kein Name gefunden ist, soll alle Genres der Frauenpresse in sich vereinen. Der Frauen-Dreiklang Mode, Lifestyle und Beauty ist genauso dabei wie Nachrichten und, erstaunlich für eine Frauenzeitschrift, Zeitgeschichte. „Es ist für uns wichtig, unsere Eigenständigkeit zu beweisen“, sagte Verleger Rose der „FAZ“, darum sei die neue Zeitschrift ein Titel, wie es ihn vom Zuschnitt her bisher nicht am deutschen Markt gebe. Oder: nicht mehr. Denn das Konzept Lifestyle und weiche Themen mit nachrichtlichen Inhalten zu mischen, klingt verdächtig nach „Vanity Fair“, die als wöchentliche Ausgabe in Deutschland spektakulär gescheitert ist. Nur mal zum Vergleich: Als Condé Nast 2007 mit „Vanity Fair“ hierzulande gestartet ist, lag die Druckauflage ebenfalls bei 500.000 Exemplaren. Condé Nast gab damals als Verkaufsziel eher bescheidene 120.000 Exemplare an, und das bei einem Einführungs-Kampfpreis von 1,- Euro. Die deutsche „Vanity Fair“ konnte nur mit großen Marketing-Mühen, Kampfpreisen und Beilagen auf eine Auflage von um die 200.000 gepusht werden. Das zeigt, wie ambitioniert die Aufgabe ist, die sich Klambt vorgenommen hat.

Rückenwind für so viel Selbstbewusstsein erhält der Verlag von einem hervorragend verlaufenen Geschäftsjahr 2008. Es sei das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte gewesen, sagte Verleger Rose. Und der Verkauf von 50 Prozent an der Klatsch-Zeitschrift „In“ an Gruner + Jahr habe für diese Bewertung noch nicht einmal eine Rolle gespielt. Beruhigend dürfte zudem sein, dass die lästige Klage des schwedischen Königshauses wegen früherer, erfundener Geschichten in einigen Klambt-Yellows mittlerweile vom Tisch ist. Das Oberlandesgericht Hamburg verdonnerte den Verlag zwar zu einer üppigen Schadensersatzsumme von 400.000 Euro, der zeitweise befürchtete Millionen-Schaden blieb aber aus.

Entwickelt wird die neue Zeitschrift des Hauses unter den Fittichen von Klaus Dahm, der sich zumindest operativ als „OK!“-Chefredakteur schon vor einiger Zeit zurückgezogen hat und sich komplett dem neuen Titel unter dem Codenamen „Alias“ widmet. Ob Dahm selbst beim Start auch als Chefredakteur grüßen wird oder eine neue Kraft für die Spitze gefunden wird, ist derzeit noch unklar. Die sehr ehrgeizigen Ziele mit dem neuen Titel will Verleger Rose als Signal an die kriselnde Branche verstanden wissen. Auf jeden Fall wird Klambt der Medienzunft einen heißen Zeitschriften-Frühling bescheren. Und das ist beim ganzen Krisengerede der vergangenen Wochen und Monate ja auch schon Mal etwas wert.

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