Bauer führt „Premium Yellows“ ein

Bauer grenzt sich ab: Im Wettbewerb gegen die Flut der gelben Billig-Konkurrenz am Kiosk haben die Hamburger jetzt das Label der „Premium Yellows" eingeführt. Unter dieser Marke sind die "Neue Post", "Das Neue Blatt" und "Das Neue" zusammengefasst. "Die wirtschaftliche Bedeutung dieser drei Titel für die Bauer Media Group ist nicht zu unterschätzen", sagt Verlagsgeschäftsführer Ingo Klinge gegenüber MEEDIA. Unterstützend beschwören die Hamburger die „Wahrhaftigkeit in der Berichterstattung".

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Mit seiner Premium-Intiative will Klinge das Yellow-Segment – zumindest für Bauer – aus der Schmuddelecke herausholen. „Es ist doch so: Was unsere Redaktionen jede Woche produzieren ist nichts, wofür wir uns schämen müssen. Das ist ernsthafter und gut gemachter Journalismus.“ Eine Aussage, die nicht jeder Rivale so treffen könnte. „Unsere Hefte kosten 1,50 Euro. Viele Konkurrenten nehmen nur 70 Cent oder gar unter 60 Cent.“ Klinge ist sich sicher, dass man für diesen Preis keine seriöse Redeaktion beschäftigen kann. „Wir arbeiten noch immer nach dem Prinzip, dass jedes Heft eine eigene Redaktion und eine eigene Chefredaktion hat.“
 
Das neue Label „Premium Yellow“ prangt nun als Logo in jedem Impressum der drei Magazine. Bereits vor wenigen Wochen startet „Das Neue Blatt“ und „Das Neue“ eine eigene Qualitätsoffensive, indem die Hefte um acht redaktionelle Seiten erweitert wurden. Die drei Hefte erreichen pro Woche fast 5 Millionen Leserinnen und werden rund 1,5 Millionen Mal verkauft.
Neben dem Premium-Angriff gibt Klinge aber auch bei Neueinführungen Gas. „Mit unseren neuen Heft ‚Meine Stars Hautnah‘ haben wir gleich von der ersten Ausgaben fast 100.000 Exemplare verkauft und sind aus den Stand Markführer bei den Volksmusik- und Schlager-Illustrierten.“ Deshalb will Klinge auch noch im September eine neue Serie von „Star Magazinen“ launchen. „Diese Zeitschriften, beschäftigen sich monothematisch mit nur einem Künstler.“
 
Das wird dem Verlagsmanager immerhin garantieren, von Klagen verschont zu bleiben. Unterlassungserklärungen und ähnliches gehören zum Tagesgeschäft eines Yellow-Verlegers. Doch es gibt einiges, dass dabei selbst Klinge nervt: „Ein großes Problem sind oft einige sogenannte Promi-Anwälte, die zunehmend mit weitgehenden Vollmachten – und nach unserer Wahrnehmung nicht immer nach ausreichender Rücksprache mit ihren Mandanten – Unterlassungserklärungen fordern.“ Weiter sagt Klinge: „Es gibt aber auch viele Manager, die nicht verstehen, dass wir ihre Mandaten nicht in die Pfanne hauen wollen, sondern das auch wir für die Stars wichtig sind.“

Gegen Helene Fischer konnte Bauer gerade eine Einstweilige Verfügung erlassen. Die Sängerin hatte am 1. Juli 2009 über ihre Anwälte verbreitet, dass sie ein Interview, dass im „Neuem Blatt“ erschien, niemals dem Magazin gegebn hatte. Nach einer mündlicher Verhandlung stand fest: Ihre Aussage war offenbar unzutreffend.
 
Teil des neuen Premium-Konzeptes ist auch, dass sich die Redaktionen ganz klar einem „Code of Conduct“ für den Umgang mit Prominenten und Stars auferlegt haben. Klinge versichert. „Wahrhaftigkeit in der Berichterstattung ist in unseren Redaktionen das wichtigste Leitbild.“
Mit Blick auf die Vergangenheit der Yellows kommt dies einem Paradigmenwechsel gleich. Stand früher der Unterhaltungsfaktor der Leser durch überraschende, teils sensationelle, meist aber mehr oder weniger erfundene News im Vordergrund, so soll die Leserin nun in einem der Realität stärker verpflichteten Nachrichten-Korridor bedient werden. Man darf gespannt sein, wie der Markt den Premium-Klatsch annimmt.

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