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Google geht weiter auf Verlage zu

Google hat mit Fast Flip ein neues Tool zum Betrachten von Nachrichten-Websites gestartet. Dabei kann man Bildschirmfotos der verlinkten Seiten durchblättern. Das Besondere: Google will Verlage an den Werbeerlösen beteiligen, die bei Fast Flip gemacht werden. Rund 40 US-Verlage, darunter die der "New York Times" und "Wall Street Journal" sind bisher dabei. Wann das neue Google-Tool nach Europa kommt, ist unklar. Hiesige Verlage wie Burda und Springer dürften den neuen Google-Schmusekurs begrüßen.

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Der Suchmaschinen-Riese ist erkennbar bemüht, auf die anhaltende Kritik der Verlage einzugehen. Ein erster Schritt war das Bekenntnis, dass auch Bezahl-Inhalte im Netz ihre Berechtigung haben und der Entwurf eines universellen Bezahlsystems. Dass Google nun die Verlag in den USA an den Werbe-Erlösen von Fast Flip beteiligt, ist ein weiterer Tribut an die Verlage. Die Signale der Suchmaschine sind eindeutig: Google will nicht als Feind wahrgenommen werden. Immerhin hat die Suchmaschine nichts davon, wenn es den Inhalte-Produzenten schlecht geht. Im Gegenteil – wenn die Verlage prosperieren, sprudeln auch die Google-Gewinne stärker.

Googles neues Angebot Fast Flip lässt einen durch Websiten wie durch Print-Seiten blättern. Dabei kann der Nutzer wählen, ob wie man die Seiten sortiert haben möchte. Man kann durch die meistbesuchten, die neuesten oder die am besten bewerteten Seiten blättern. Man kann aber auch medienübergreifend durch Ressorts wie Politik oder Wirtschaft blättern oder die Inhalte nach Themen wie „Iran“, „Insurance“ oder „Jay-Z“ sortieren. Oder man steuert einzelne Medienangebote direkt an und blättert online durch die Website der „New York Times“, der „Washington Post“ oder auch durch Blogs wie „TechCrunch „. Klickt man auf die Miniaturen der Screenshots werden diese vergrößert und man kann sich wie in einer Bilder-Galerie durchklicken. In der großen Version wird dann auch Google-Werbung angezeigt.

Google hat angekündigt, dass Fast Flip auch für Mobiltelefone entwickelt werden soll. Außerdem soll es die Möglichkeit geben, die Technik auf anderen Websites einzubinden. Fast Flip verschafft einen guten Überblick und schaut gut aus. Allerdings zeigen die Screenshot naturgemäß oft nur Ausschnitte der verlinkten Website. Wenn man sich für ein Thema tatsächlich interessiert, muss man also nach wie vor drauf klicken und es öffnet sich die Original-Quelle, was sicher auch Sinn der Sache ist.

Ein bisschen Kritik an dem neuen Google-Vorstoß darf aber natürlich auch sein. So hält sich Google in bewährter Geheimniskrämermanier bedeckt, wieviel die Verlage nun von der Werbung bei Fast Flip abbekommen. Laut Google ist es immerhin die Mehrheit. Und: Man könnte Fast Flip auch als eine Art Ablenkungsmanöver sehen. Den absoluten Löwenanteil des Umsatzes macht Google mit den Erlösen der Suchmaschine selbst. Die Werbe-Einnahmen bei Fast Flip dürften im Vergleich dazu noch nicht einmal Peanuts sein.

Wann und ob deutsche Medien mit Fast Flip kooperieren, ist noch völlig unklar. Das Verhältnis deutscher Medienhäuser zu Google ist nach wie vor gespalten. Während Verlage wie Burda und Axel Springer die Suchmaschine scharf kritisieren, sind es die gleichen Verlage, die ihre Inhalte am eifrigsten für Suchmaschinen wie Google optimieren. Laut einer Untersuchung der Beratungsfirma The Reach Group, sind dabei ausgerechnet die scharfen Google-Kritiker Burda und Springer die erfolgreichsten Suchmaschinen-Optimierer hierzulande. Es geht halt wohl doch nur miteinander und nicht gegeneinander.

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