Finanzkrise: 1 Jahr nach Lehman

Ein Jahr ist es her, seit über Nacht das Unvorstellbare passierte: In den frühen Morgenstunden des 15. September musste die viertgrößte Investmentbank der USA ihre Pleite anmelden – Lehman Brothers war insolvent. Was folgte, war ein Tsunami an den Aktienmärkten, der in den folgenden Wochen eine globale Finanzmarktkrise ungeahnten Ausmaßes auslöste. Ein Jahr danach ächzt die Wirtschaft weiter unter ihren Folgen. MEEDIA-Autor Nils Jacobsen blickt auf die denkwürdigen Ereignisse im letzten September zurück.

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Ein Jahr ist es her, als über Nacht plötzlich das Unvorstellbare passierte: In den frühen Morgenstunden des 15. September musste die viertgrößte Investmentbank der USA ihre Pleite anmelden – Lehman Brothers war insolvent. Was folgte, war ein Tsunami an den Aktienmärkten, der in den folgenden Wochen zur Finanzmarktkrise ungeahnten Ausmaßes anwuchs. Ein Jahr danach ächzt die Wirtschaft weiter unter ihren Folgen. MEEDIA-Autor Nils Jacobsen blickt auf die denkwürdigen Ereignisse im letzten September zurück.
Als Wirtschaftsjournalist ist man vom Abgrund nie weit entfernt. Überlegen Sie mal: Welche Schlagzeilen schaffen es auf die Titelseiten der großen Wirtschaftsmagazine und -zeitungen, und welche Aufmacher dominieren die großen Finanzportale? Es sind Teaser, die von Krise, Scheitern und Pleiten künden.

Viele Krisen habe ich in den vergangenen zehn Jahren besichtigt – und manches Mal entsprechend kommentiert. Da war natürlich der Wahnsinn am Neuen Markt, der nach der Millenniumshausse sehr böse, aber doch halbwegs vorhersehbar endete. Da war der Schicksalsschlag des 11. September, den ich fassungslos bei CNN verfolgte, als ich den Vorbericht zum Handelsstart an der Wall Street verfassen wollte.
Da waren die unglaublichen Verwerfungen vor dem zweiten Irak-Krieg im März 2003, als der Dax bis auf sage und schreibe 2188 Zähler durchgereicht wurde. Und dann waren da die ersten Zuckungen der aufkommenden Immobilienkrise im Sommer 2007, die mit Schnelltendern und anderen staatlichen Injektionen erst bekämpft und dann scheinbar gebannt schien.
„Too big to fail“? Wall Street-Weisheit gilt nicht bei Lehman

Und dann kam Lehman – und zwar buchstäblich über Nacht. Vollkommen, aber auch wirklich vollkommen aus heiterem Himmel. „Too big to fail“, das war die gängige Einschätzung für die viertgrößte Investmentbank der Welt – aus politischem Kalkül in Wahlkampfzeiten, aber auch aus persönlicher Feindschaft zwischen dem ehemaligen Goldman Sachs-CEO Hank Paulson, seinerzeit Finanzminister, und Lehman-CEO Richard Fuld scheiterte die Rettung, die das Debakel hätte verhindern können.

Es folgte am Montag, dem 15. September, als die Finanzwelt nach der Lehman-Pleite in einer Kettenreaktion zu kollabieren drohte. Die offenen Verbindlichkeiten von Lehman in Höhe von mehr als 600 Milliarden Dollar drohen die eng verzahnten Kapitalmärkte rund um den Erdball in die Tiefe zu reißen. Mit Fug und Recht kann man behaupten: Was sich in den folgenden Wochen abspielte, sollte die schwerste Krise unserer Generation werden, unter deren Folgen wir heute und in den kommenden Jahren noch sehr schwer zu tragen haben werden – ganz gleich ob in der Medienbranche oder Konjunktur im Allgemeinen.
6 Monate nach Lehman stand die Welt am Abgrund, 12 Monate später regiert die Hoffnung
„Als der Börsenkrach kam, waren nicht alle Märkte gleich geschaffen“, lautet ein altes Börsianersprichwort. Das stimmt – und es stimmt nicht. Als das Unfassbare vor einem Jahr seinen Lauf nahm, kannten die Aktienmärkte um die Welt nur eine Richtung – steil und schnurstracks nach unten. Es war der Crash einer ganzen Generation, und er sollte alles nach unten ziehen – Medien-, Internet- und Technologietitel genauso wie Branchen der Alten Wirtschaft wie natürlich den Banken- oder Automobilsektor.
Im „nuklearen Winter 2008/09“, wie ihn Gawker-Gründer Nick Denton prophezeite, wurde nicht nur die Rezession besiegelt – die Weltwirtschaftskrise wuchs zur regelrechten „Weltkrise“, wie es der „Spiegel“ im Frühjahr auf seine Cover brachte. Das war jedoch auch schon der Höhepunkt. Die deutsche Wirtschaft gab im ersten Quartal um unfassbare 6 Prozent nach, der Dax brach auf enorme 3588 Zähler ein. Das war Stand Anfang März, ein halbes Jahr nach Lehman.

Wieder ein halbes Jahr später sieht die Welt komplett anders. Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, der Dax hat erstaunliche 2000 Punkte zugelegt. Auch Dow Jones und die Technologiebörse Nasdaq haben sich deutlich von ihren Tiefs erholt. Doch die Flut hebt nicht alle Boote: Ein Jahr nach dem Tsunami der Lehman-Pleite gibt es einige, sehr wenige Gewinner, doch vor allem viele angeschlagene einstige Börsenstars. In den nächsten zwei Tagen blicke ich für Sie auf die Entwicklungen der Medien- und Internet-Branche – ein Jahr nach Lehman.

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