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Medienecho auf TV-Duell: „Yes, we gähn“

Mit Spannung war das einzige TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl erwartet und von den Sendern zum "Straßenfeger" stilisiert worden. Doch das konturenarme Streitgespräch zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier enttäuschte Zuschauer wie Medienleute gleichermaßen. "Duell mit Schreckschuss-Pistolen" titelt Focus Online, die "Süddeutsche" spricht vom "Remis der Rollenspieler", und "Bild" kanzelt die Polit-Show gewohnt knapp ab: "Yes, we gähn!"

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„FAZ“: „Wenn wir ein Duell gesehen haben, dann eines zwischen Politikern und Fernsehjournalisten, zwischen einer neuen Bescheidenheit und einer neuen Eitelkeit. Wenn es dabei etwas zu lernen gab, dann nur wieder dies: Fernsehduelle sind der Politik und der politischen Meinungsbildung vollkommen unangemessen.“

Spiegel Online: „Kanzler wird Frank-Walter Steinmeier vermutlich auch nach seinem Punktsieg nicht. Aber seine Chancen, das Außenministerium gegen die gelbe Gefahr zu verteidigen, sind zumindest gestiegen. Entscheidend wird sein, ob er seine Partei und die abgetauchte Anhängerschaft in Gang setzen kann. Wie erste Umfragen zeigen, ist das zumindest nicht misslungen.“

Stern.de: „Angela Merkel und Steinmeier hatten bei ihrem TV-Duell auf persönliche Attacken verzichtet. Zeitweise machte die Sendung den Eindruck von ‚Ehen vor Gericht.’“

Sueddeutsche.de: „Remis der Rollenspieler: Beide verfolgten den Großteil der Diskussion mit heruntergezogenen Mundwinkeln. Im Land des Lächelns war an diesem Abend keiner zuhause. Es wirkte so, als ob beide ein wenig Angst vor den Aufgaben der Zukunft haben – und vor der nicht gerade kleinen Wahrscheinlichkeit, es weiter miteinander versuchen zu müssen.“

Focus Online: „Ein Duell mit Schreckschuss-Pistolen: Im schwarz-roten Partnerlook traten Steinmeier und Merkel zum Duell an – und verteidigten gemeinsam ihre Politik gegen eine große Koalition der Fragensteller. … Mehr hart als fair fand offenbar Merkel die Fragen von Frank Plasberg, der seine Respektlosigkeit gegenüber den Mächtigen damit demonstrierte, dass er seine Krawatte in der Garderobe ließ.“

„Bild“: „Nach 90 Minuten war klar: Großen Rückenwind aus dem Duell dürfe weder Kanzlerin Angela Merkel noch SPD-Herausforderer und Vize-Kanzler Frank Walter Steinmeier erwarten. Nicht viel Neues gab es, unentschieden ging es aus – und vor allem: torlos. Yes, we gähn!“

Zeit Online: „Steinmeier attackiert, Merkel pariert. Das TV-Duell kennt zwei Sieger und zwei Verlierer. Spannend war es trotzdem nicht.“

Welt Online: „Zahme TV-Debatte: Merkel und Steinmeier – wenig Duell, viel Duett.“

„Der Freitag“: „Duett statt Duell: Es war langweilig. Man konnte das vorher ahnen. Und nach ein paar Minuten wusste man es. Es ist keine Bewegung in diesen Wahlkampf gekommen, der ja gar keiner ist, der diesen Namen nicht verdient. Diese ist vermutlich die erste Bundestagswahl, die kampflos entschieden wird.“

„Hamburger Abendblatt“: „Zum Schluss sagt Merkel den entscheidenden Satz: Ihr gehe es mehr um das Verbindende als um das Trennende. Eine schönere Liebeserklärung hätte sie Steinmeier, der Mitte und überhaupt allen Sacharbeitern nicht machen können … Visionen stören da nur.“

„Berliner Morgenpost“: „Ein Duell wie ein Diesel: Zäh und holprig ging es los, erst mit der Zeit kam Fahrt ins Gespräch. Zum spannenden Zweikampf wurde das Fernsehereignis des Jahres dennoch nicht. Die 90 Minuten gerieten eher zu einem betulichen Vier-gegen-Zwei-Kampf: Moderatoren gegen Politiker. Positionen verschwammen, nur selten wurden für den Wähler klare Alternativen herausgearbeitet. Die Kanzlerin und ihr Vize spielten eher eine Koalitionsrunde nach als einen anspruchsvollen politischen Streit. So muss es sein, wenn Igel kuscheln.“

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