„Bild“ wegen Jackson-Berichten gerügt

Der Presserat hat "Bild" und Bild.de wegen der Berichte zum Tode Michael Jacksons gerügt. Die Berichterstattung sei "unangemessen sensationell" gewesen. Die Zeitung habe mit einem Foto Jacksons an einem Beatmungsgerät suggeriert, einem Menschen beim Sterben zusehen zu können. Dies sei ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Bild.de habe "ein grausam entstelltes, computergeneriertes Bild des Toten ohne Haare" gezeigt und darunter geschrieben: "So in etwa könnte Jackson bei der Obduktion ausgesehen haben."

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Auch dies hielt der Presserat für einen Verstoß gegen die Menschenwürde, zumal das Bild der entstellten Leiche rein fiktiv gewesen sei. Zwar bestehe ein öffentliches Interesse an der Berichterstattung über den Tod eines Popstars und den Umständen. Aber Details, zumal Spekulationen, über den Zustand der Leiche gehörten nicht in die Öffentlichkeit. Bild.de kassierte noch zwei weitere Rügen. Einmal eine öffentliche Rüge, weil das Online-Angebot Fotos einer Überwachungskamera gezeigt hat, auf denen zu sehen war, wie eine Mutter in den USA auf einem Schießstand erst ihren Sohn und dann sich selbst erschoss. Beide Personen waren auf den Bildern erkennbar, weswegen der Presserat ein Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte feststellte. Außerdem sei die Veröffentlichung unangemessen sensationell gewesen, weil sie nur dem Schock-Effekt gedient habe. Ebenfalls als unangemessen sensationell bewertet wurde die fiktive Darstellung eine brutalen Überfalls. Bild.de berichtete darüber, wie Neonazis einen jungen Mann zusammengeschlagen haben und ließen die Szene von einem Zeichner nachmalen.

„Das Neue Blatt“ wurde wegen eines Berichts über die angeblich schwer demenzkranke Schauspielerin Doris Day gerügt. Der Artikel sei ohne jede Recherche und Quellenangabe aus anderen Veröffentlichungen übernommen worden und sei eine reine Kolportage. Der Deutsche Presserat rügte hier einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht.

Persönlichkeitsrechte missachtet hat die „Schwäbische Zeitung“ aus Leutkirch. In einem Bericht über einen Streit innerhalb der Familie des Ortsvorstehers eines kleinen Ortes schrieb die Zeitung über die Schwester des Ortsvorstehers, diese sei von der Staatsanwaltschaft „als schuldunfähig anzusehen“, da sie „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an einer psychischen Erkrankung leide“. Diese Rüge wurde aber nicht-öffentlich ausgesprochen. Das bedeutet, die „Schwäbische Zeitung“ ist nicht angehalten, ihre Leser über die Rüge zu informieren.

Die TV-Beilage „Prisma“ wurde erneut wegen Schleichwerbung gerügt. Dort wurden drei Interviews mit Ärzten veröffentlicht, die ohne Veranlassung bestimmte Medikamente empfahlen. „Ohne erkennbaren Grund wurde aus einer Vielzahl ähnlicher Produkte ein bestimmtes Präparat herausgegriffen. Dadurch entsteht ein Werbeeffekt für den Hersteller, der in allen drei Fällen identisch ist. Dies ist nach Richtlinie 7.2 Schleichwerbung“, so der Presserat. „Prisma“ wurde schon öfter wegen Schleichwerbung vom Presserat gerügt.

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