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Print – Totgesagte leben länger

In vier Folgen hat MEEDIA "die stillen Auflagen-Stars" vorgestellt. Zeitschriften abseits des Mainstreams, die einen hohen Anteil an Einzelverkäufen haben, einen steigenden Auflagentrend vorweisen können und zudem profitabel sind. Haben diese unterschiedlichen Titel wie "Psychologie heute", "Schöne Woche", "Fisch & Fang" und "Welt der Wunder" etwas gemeinsam? Ja, sie alle sind in erster Linie vertriebsorientiert und suchen die Nähe zum Leser. Vielleicht ein Erfolgsrezept.

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In vier Folgen hat MEEDIA „die stillen Auflagen-Stars“ vorgestellt. Zeitschriften abseits des Mainstreams, die einen hohen Anteil an Einzelverkäufen haben, einen steigenden Auflagentrend vorweisen können und zudem profitabel sind. Haben diese unterschiedlichen Titel wie „Psychologie heute“, „Schöne Woche“, „Fisch & Fang“ und „Welt der Wunder“ etwas gemeinsam? Ja, sie alle sind in erster Linie vertriebsorientiert und suchen die Nähe zum Leser. Vielleicht ein Erfolgsrezept.

Alle Magazine, „Psychologie heute„, „Schöne Woche„, „Fisch & Fang“ und „Welt der Wunder“ haben einen sehr hohen Anteil am Einzelverkauf in ihrer Auflagenstruktur. Außer „Schöne Woche “ zeichnen sich zudem alle durch einen eher hohen Heftpreis aus und sie bedienen ein spezielles Interessensgebiet. Vor allen aber: Alle Magazine stellen den Leser in den Mittelpunkt, nicht den Anzeigenkunden.

Daraus folgernd habe ich mal einige Thesen für den Erfolg von Print in Zeiten der Krise herausgearbeitet.

1. Special Interest zieht Leser und Käufer an

Der Chefredakteur von „Fisch & Fang“ hat es am deutlichsten gesagt: Seine spezielle Zielgruppe, in diesem Fall Angler, lechzt geradezu nach Informationen. Wenn ein Print-Magazin heute Erfolg haben will, muss es sich eine Nische suchen, eine abgegrenzte Zielgruppe. Die breite Masse wird bereits gut von großen Magazinen, Online-Angeboten und TV-Sendern bedient. Da ist nix mehr zu holen. Man müsste vielmehr schauen, welche Zielgruppen noch nicht oder zu wenig oder zu schlecht mit Infos versorgt werden. Und dann für diese Leute und mit diesen Leuten eine Zeitschrift konzipieren.

2. Geld mit Lesern verdienen, nicht nur mit Anzeigenkunden

Wer sich für ein Thema interessiert, ist auch bereit für eine gut gemachte Zeitschrift zu diesem Thema gutes Geld hinzulegen. „Psychologie heute“ kostet 5,90 Euro, „Fisch & Fang“ 4,20 Euro, „Welt der Wunder“ 3,50 Euro. Alle diese Titel sind vertriebsorientiert, wie es so schön heißt. Je mehr sie ihre Leser begeistern, desto mehr Geld wird verdient.

3. Special-Interest ist Google-Power für Print

Okay, das ist jetzt eine etwas steile These und ein gewagter Vergleich. Aber ein bisschen was ist dran: Die Macht von Google-Anzeigen liegt darin, dass das System online passende Anzeigen zu den Interessen der Nutzer einblendet. Weil Google die Anzeigen mit den Suchabfragen abgleicht. Wenn Google Print-Anzeigen platzieren könnte, wo würde es wohl eine Anzeige für eine Angelrute oder einen Psycho-Ratgeber hinstellen? Wahrscheinlich zu „Fisch & Fang“ die Angelrute und zu „Psychologie heute“ den Psycho-Ratgeber. Special-Interest -Magazine haben so etwas wie eingebauten Google-Saft für Anzeigenkunden. Und je mehr Leser sich für ein Magazin begeistern, desto mehr potenzielle Kunden kann man mit einer Anzeige erreichen.

4. Fundierte Infos und gute Unterhaltung – beides geht

Manche Magazine punkten mit spezialisiertem Fachwissen („Fisch & Fang“, Psychologie heute“, andere mit gut gemachter Unterhaltung („Schöne Woche“), dritte mit einem Mix aus beidem („Welt der Wunder“). Wichtig ist: Sie nehmen ihre Leser ernst und betrachten sie nicht nur als Vehikel zum Anzeigenverkauf. Öde Produktstrecken waren in keinem der vorgestellten Magazine zu finden.

5. Ein guter Vertrieb ist eine gute Krisen-Versicherung

Wenn ein Heft von seinen Lesern geliebt wird, kann es im Prinzip keine Krise geben. Kein Angler wird sich die vier bis fünf Euro für seine Hobbyzeitschrift sparen und auch kein Segelflieger, Kanufahrer oder Mountainbiker. Wenn ein Heft auf der Nähe zum Leser aufbaut, und den Verkauf der Zeitschrift ins Zentrum des Geschäftsmodells stellt, dann gibt es auch keine bösen Überraschungen, wenn Großkonzerne ihre Marketing-Budgets zusammenstreichen.

Die handvoll vorgestellte Zeitschriften sind nun sicher keine repräsentative Untersuchung, es geht hier eher um ein Bauchgefühl, dass Erfolg und Qualität in manchen Nischen gediehen können, wo man es vielleicht nicht auf den ersten Blick erwartet. Und dass Print keinesfalls tot ist. Im Gegenteil: In Zukunft wird es vermutlich neben ein paar großen mehr kleinere und bessere Zeitschriften geben, die aber mehr kosten. Das wären nicht die schlechtesten Zukunftsaussichten für eine totgesagte Gattung.

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