Paid Content: Google will Verlagen helfen

Google geht in den USA einen Schritt auf die notleidenden Zeitungen zu und mischt sich in die Paid-Content-Debatte ein. In einem Diskussionspapier schlägt Google vor, eine universelle Bezahl-Plattform zu entwickeln, die sowohl Micropayment als auch Abo-Modelle abwickeln könnte. Das Ganze wäre eine Weiterentwicklung von Googles bestehendem Bezahlsystem Checkout. Aber Google wäre wohl nicht Google, wenn bei dem Vorstoß der größte Gewinner nicht schon von vornherein feststehen würde: Google.

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In dem Diskussionspapier, das Google an die Newspaper Association of America (NAA) geschickt hat, beschreibt der Such-Gigant die Probleme mit Paid-Content im Web. Das Hauptproblem seien die hohen Hürden für Micropayment, wie etwa Kreditkarten-Gebühren und das komplizierte Verfahren. Bislang verfolgt jeder Anbieter von Informationen im Internet eigene Bezahl-Lösungen, was zu einem undurchschaubaren Wirrwarr für die Nutzer führt. Generell zeigt sich Google in dem Papier aber erstaunlich offen für Bezahl-Inhalte im Web. Wörtlich heißt es: „Google glaubt, dass ein offenes Web allen Nutzern und Verlegern zu Gute kommt. Allerdings muss „offen“ nicht kostenlos bedeuten. Wir glauben, dass Inhalte im Internet von verschiedenen Geschäftsmodellen angetrieben werden können, eingeschlossen Inhalte, die nur über Abonnements zugänglich sind.“

Die Initiative zu Googles Diskussionspapier stammt von der NAA selbst. Der Zeitungsverlegerverband hatte Technologie-Unternehmen und Startups dazu aufgerufen, Vorschläge für Paid-Content-Modelle zu entwickeln. In dem Google-Papier wird nun eine Art „Vision eines Premium-Content Ökosystems“ entworfen, mit Abos, Syndication von Inhalten bei Dritt-Anbietern, Durchsuchbarkeit und der Möglichkeit kleine Summen für einzelne Stücke zu zahlen. Das Besondere an dem Google-Vorschlag ist in der Tat, dass hier gängige Abo-Modelle, Syndication und Micropayment kombiniert werden.

So könnte ein Nutzer sowohl ein Online-Abo eines einzelnen Mediums, z.B. einer Tageszeitung abschließen. Oder man könnte ein Abo für die zehn wichtigsten Wirtschafts-Seiten abschließen oder eines für ausgewählte Kultur-Seiten oder Anbieter von Auto-Nachrichten und und und. Der Kombinierbarkeit wären keine Grenzen gesetzt. Gleichzeitig könnten Inhalte-Anbieter ihre Artikel für andere Websites syndizieren und Nutzer könnten auch einzelne Artikel bei Bedarf kaufen. Alles innerhalb eines Bezahl-Systems. Google würde sich damit freilich zum universellen Kassenwart des Internet aufschwingen. Für manche sicher kein allzu beruhigender Gedanke.

Das Micropayment-Problem, dass sich das Abwickeln extrem kleiner Beträge nicht lohnt, will Google dadurch umgehen, dass innerhalb des Bezahlsystems, kleine Beträge gesammelt werden, bis eine signifikante Summe zusammenkommt, die dann komplett bezahlt wird. Das Alles klingt tatsächlich verlockend und sinnvoll. Es könnte aber gut sein, dass den Zeitungsverlagen und übrigen Inhalte-Anbietern sauer aufstößt, dass ausgerechnet Google daran wieder am meisten verdienen könnte. Als Geschäftsmodell für die Einrichtung solch einer universellen Bezahl-Umgebung schlägt Google vor, so zu verfahren wie bei Apples App-Store oder dem hauseigenen Android-Marktplatz für Handy-Applikationen. Hier behält der Zwischenhändler, in diesem Fall Google, eine Kommission von 30 Prozent ein. Will heißen: Google würde automatisch 30 Prozent aller anfallenden Paid-Content-Umsätze in die eigene Tasche wirtschaften und könnte mit einem solchen System auch gleich noch die ungeliebte Konkurrenz von PayPal ausschalten. Das Bezahlsystem aus dem Hause Ebay läuft derzeit nämlich weit erfolgreicher als Googles Checkout.

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