„Mit Humor hat das nichts zu tun“

Der Carlsen-Verlag veröffentlicht zum 30sten Geburtstag der "Titanic" ein realsatirisches Buch über das Frankfurter Satire-Magazin. Die Werbung dafür wollte Carlsen auf der Rückseite der Jubiläums-Ausgabe der "Titanic" veröffentlichen, die Anzeige war bereits geschaltet. Doch nun hat deren Redaktion im letzten Moment einen Rückzieher gemacht und die Anzeige abgelehnt – Begründung: "Akute Verwechslungsgefahr". Gegenüber MEEDIA sagte "Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer, die Entscheidung sei einmütig gefallen.

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Haben Sie Ihren Humor verloren?
Mit Humor hat das in meinen Augen überhaupt nichts zu tun. Das ist eine Anzeige für ein Produkt, das der Großverlag Carlsen herausgebracht hat. Es wurde von zwei dezidierten Nicht-Autoren, Mitarbeitern des Carlsen-Verlags, verfasst, hat mit uns nichts zu tun und wir haben das nicht beworben.

Begründet haben Sie die Ablehnung mit Verwechslungsgefahr…
Das ist richtig. Dieses Buch trägt den Namen eines unserer langjährigen Mitarbeiter, Hans Mentz, seit der ersten Ausgabe im November 1979 betreut er die Humor-Kritik. Im Carlsen-Verlag fand man es offenbar amüsant, diesen Namen für eines seiner Produkte zu verwenden – das ist ihr gutes Recht, aber wir werden für dieses Buch nicht werben.

Ist es nicht vielleicht so, dass an der Geschichte doch etwas dran ist? Und die Wahrheit hinter der Ablehnung ist, dass Sie diesen Hans Mentz tatsächlich die ganze Zeit gefangen halten?
Äh, neinnein… ich habe erst kürzlich wieder mit ihm korrespondiert… es geht ihm dem Alter entsprechend gut. Und er betreut auch weiterhin die Rubrik.

Könnte ich mal kurz mit ihm sprechen?
Er ist ein Zuträger von außen und sitzt, so weit ich weiß, im Nordend und betreut die Kolumne von außerhalb…

Sie haben einmal gesagt, Anzeigen sind immer problematisch, weil man damit die Unabhängigkeit verliert.
Richtig. Und sie dürfen nicht vergessen, dass diese Anzeige auch hätte gedruckt werden müssen, da entstehen Kosten, und die wollten wir schließlich auch vermeiden.

Wieviel Geld ist Ihnen durch die Ablehnung durch die Lappen gegangen?
Ich glaube nach der alten Anzeigenpreisliste von 2005 wird eine Din-A-4-Seite mit 5.100 Euro berechnet.

Ist die Entscheidung in der „Titanic“-Redaktion kontrovers diskutiert worden?
Diese Entscheidung ist hier einmütig gefallen. Wir sind allesamt der Ansicht, dass dieses Buch nichts mit uns zu tun hat. Es gibt sehr viele Fan-Produkte zu unserem Magazin. Es gibt Autoren im Internet, die sich Thomas Gsella nennen. Auch der Schriftzug „Titanic“ wird gerne verwendet. Dagegen gehen wir auch nicht weiter vor. Aber Fan-Produkte auch noch zu bewerben – das ist ein bisschen viel verlangt.

Werden Sie das Buch trotzdem lesen?
Ich habe es schon gelesen. Es ist, offenbar, ein Fan-Produkt.

Hat es ihnen gefallen?
Es war – etwas zäh.

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