Web verreißt das Internet-Manifest

Seit gestern Mittag ist das Internet-Manifest Top-Thema im Web. 15 Alpha-Journalisten und Blogger haben 17 Behauptungen aufgestellt, "Wie Journalismus heute funktioniert". Die Reaktionen auf den Text fallen zum Teil heftig aus. Don Alphonso fordert, dass die 15 Autoren erst mal beweisen sollen, wie es geht. Felix Schwenzel fehlt "die Prägnanz, die Stichhaltigkeit und die Brillanz" und SinnerSchrader-Kommunikator Martin Recke ist von der "geballten Mittelmäßigkeit" enttäuscht. Die wichtigsten Reaktionen im Überblick:

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Don Alphonso fordert Taten, statt eines Manifestes: „Und es wäre jetzt einfach wunderbar, wenn sich die selbst erklärten Superchecker jetzt zusammensetzten, ein Medium nach ihrer eigenen Kompetenz schaffen und dann zeigen, dass sie mehr als nur die Klappe aufreißen können. Das beste Argument ist nicht einfach nur hingeschmiert, es ist die erfolgreiche Umsetzung“.

Unter der Überschrift „Das Internet-Manifest – Versuch einer Antwort“, verfasst Olaf Kolbürck eine Replik in zehn Punkten. Besonders interessant sind die Antworten sieben bis neun. So bloggt Kolbrück unter Punkt sieben: „Journalisten können an der Modellierung des Nachrichtenflusses mitwirken. Der Fluß fließt aber auch ohne ihre Teilhabe.“ Punkt acht lautet: „Menschen tauschen Nachrichten freiwillig und kostenlos. Ihre einzige Währung ist Anerkennung und Wahrnehmung.“ Als neunter Satz notiert der Journalist: „Nachrichten sind kein Geschäftsmodell. Selbst exklusive Nachrichten kann man streng genommen nur genau einmal verkaufen.“

Besonders kreativ setzt sich der DJV mit dem Text auseinander. Im Gewerkschaftsblog wurde kurzerhand das kommunistische Manifest umgetextet:

“Ein Gespenst geht um im Journalismus: Das Gespenst des Internets.

Alle Mächte des alten Journalismus haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, Burda und die F.A.Z., Journalistengewerkschaften und deutsche Polizisten.“

Wo ist der Internetjournalist, der nicht von ihren regierenden Gegnern als toilettenbepinselnder Blogger verschrien worden wäre, wo der Internetjournalist, der den fortgeschritteneren Internetjournalisten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Internetrüpelns nicht zurückgeschleudert hätte?“

Martin Recke, Unternehmenssprecher von SinnerSchrader, erklärt „Warum das Internet-Manifest kein Cluetrain Manifesto ist„. Recke schreibt: „Vor zehn Jahren publizierten vier Autoren das Cluetrain Manifesto. Es besteht aus 95 Thesen, hinterlegt mit einem ganzen Buch. Das sind knapp 24 Thesen pro Co-Autor, mehr als das heute veröffentlichte Internet-Manifest (u.a. auch da und dort) insgesamt schafft. Dort ringen sich 15 (!) Autoren gerade einmal 17 Behauptungen ab.“ Weiter heißt es: „Umso enttäuschender ist die geballte Mittelmäßigkeit, die aus den Behauptungen und ihrer Beweisführung spricht. Viele Gemeinplätze, wenig Kontoverses, dafür eine Reihe steiler Thesen und überaus optimistischer Annahmen.“

Felix Schwenzel gibt Martin Recke recht und merkt an: „Mir fehlt die Prägnanz, die Stichhaltigkeit und die Brillanz die man von einem „Manifest“ erwarten könnte. Das Manifest animiert die, die von den Qualitäten des Internets eh schon überzeugt sind, zu mildem Nicken, wird aber niemanden der das Internet scheiße findet, vom Gegenteil überzeugen. Aber vielleicht ist es ein Anfang.“

Christian Meier bewertet die 17 Behauptungen für Kress.de: „Das Manifest nennt wichtige Argumente und Gegen-Argumente zu Positionen der traditionellen Medien. Andererseits ist ihm ein große Portion Überheblichkeit nicht abzusprechen – aber so gehört es sich wohl für ordentliche Manifeste. Dafür spricht schon die Unterzeile ‚Wie Journalismus heute funktioniert‘.

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