Burdas Nachrichten.de im ersten Check

Kaum eine andere neue Website wird derzeit mit so viel Spannung erwartet wie der News-Aggregator Nachrichten.de aus dem Hause Burda. Kann das neue Angebot wirklich zur Alternative zu Google News werden? Oder überschätzt sich Burda im Kampf gegen den Internet-Giganten Google? MEEDIA hat die Beta-Version der neuen Website getestet und schildert die ersten Eindrücke. Fazit: Die Ansätze sind gut, die Website ist einfach zu bedienen, doch die vollständige Automatisierung hat auch Nachteile.

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Beim ersten Blick auf Nachrichten.de fällt der optische Unterschied zu Google News auf. Nachrichten.de sieht vielmehr wie eine ganz normale News-Website aus. Oben gibt es eine „Top-Nachricht“ (Dienstagmittag z.B. ein Selbstmordanschlag in Kabul und später ein geplantes Joint Venture von T-Mobile und Orange), darunter folgen jeweils vier News aus den Ressorts Politik, Wirtschaft, Wissen, Gesundheit, Kultur, Panorama, Sport, Computer und Reise. Sie sind allesamt in einen etwas größeren Teaser und drei kleinere Anreißer gegliedert.

Auf der rechten Seite findet sich ein Live-Ticker, der die neuesten von Nachrichten.de aufgespürten Nachrichten präsentiert und dabei ständig automatisch aktualisiert wird. Allerdings finden sich dort nicht nur wichtige Nachrichten, sondern auch Headlines wie „Ermittlungen gegen TSV Deizisau“ oder „4. Borkumer Meilenlauf“. Ohnehin fällt auf, dass Nachrichten.de auf komplette Demokratie unter den verwendeten ca. 600 Quellen setzt. Unter den größeren Teasern finden sich oft ausschließlich Quellen wie die „Elbe Jeetzel Zeitung“, die „Thüringische Landeszeitung“, die „Wormser Zeitung“ oder die „Oldenburgische Landeszeitung“ und kein einziger Teaser einer der großen Nachrichten-Websites des Landes. Ändern kann der Nutzer das mit einer persönlichen Einstellung. So lässt sich Nachrichten.de auch nach Aktualität, Top-Quellen oder Relevanz sortieren. Voreingestellt ist allerdings die Standard-Variante.

Natürlich könnte eine solche Quellen-Demokratie auch ein Vorteil sein, da das System dann nicht per Suchmaschinenoptimierung auszutricksen wäre, dennoch wäre eine Voreinstellung mit einer stärkeren Gewichtung von Top-Quellen für den Nutzer praktischer. Der Nachteil einer Gleichheit aller Quellen ist nämlich der, dass vornehmlich Agentur-Material zu finden ist, statt eigener Geschichten der großen News-Websites. Praktisch wäre im Übrigen auch noch eine Funktion, mit der der Nutzer explizit Quellen auswählen kann, aus denen sein Nachrichten.de gespeist werden soll.

Während die großen Teaser übrigens direkt auf die Quellen-Texte verlinken, führen die kurzen Anreißer jeweils auf eine nachrichten.de-Unterseite mit einem ausführlicheren Anreißer. Dort finden sich dann auch weitere Meldungen zum Thema und es lässt sich ein Kommentar abgeben.

Positiv fallen „Themen“-Blöcke in der rechten Randspalte der Seite auf. Ein Klick auf das Thema „SPD“ führt beispielsweise auf eine Ergebnis-Seite, von der aus über tausend SPD-Meldungen ansteuerbar sind – und außerdem als kleines Gimmick eine Grafik, auf der zu sehen ist, wie viele Meldungen zum Thema „SPD“ in der Vergangenheit an welchen Tagen gefunden wurden. Eine Art Nachrichten-Trend-Tool also. Doch auch bei diesen „Themen“ zeigt sich, dass die komplette Automatisierung einer solchen Seite ein schweriges Geschäft ist. Was sollen zum Beispiel die Themenkomplexe „Zähler“, „Ergenzingen“ oder „Aufschlag“ sein?

Über die Navigation unter dem Nachrichten.de-Logo lassen sich die einzelnen Ressorts ansteuern. Auf diesen Ressort-Unterseiten gibt es dann jeweils einen großen Topstory-Teaser mit weiteren Headlines zum selben Thema – entsprechend dem „Top-Nachricht“-Kasten auf der Homepage, darunter folgen neun weitere größere Teaser zu anderen Themen. Neben den normalen Ressorts Politik, Wirtschaft, Wissen, Gesundheit, Kultur, Panorama, Sport, Computer und Reise gibt es in der Navigation auch einen Extra-Punkt „Wahl 2009“. Hier werden die Nachrichten.de-Entwickler sicher immer wieder aktuell interessante Themenkomplexe direkt ansteuerbar machen.

Die Suche funktioniert ebenfalls gut und liefert in chronologischer Reihenfolge Artikel aus allen Quellen zum Suchbegriff. Auch hier wird jeweils eine Grafik mitgeliefert, die aufzeigt, wie viele Nachrichten es zu dem Suchbegriff in der Vergangenheit gab.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Nachrichten.de durchaus einen guten Eindruck macht. Die Seite ist aufgeräumt, funktioniert ohne große Macken und hält, was sie verspricht. Ein solcher Aggregator steht und fällt allerdings mit der Technik dahinter. Nur wenn diese auf Dauer zuverlässige, relevante Inhalte liefert, hat Nachrichten.de eine Chance. Denn eines dürfte im Kampf gegen Google News klar sein: Der Internet-Gigant hat bei der Programmierung einer solchen Website einen jahrelangen Vorsprung.

Anmerkung: Die erste Version dieses Artikels musste kurz nach Veröffentlichung in der vergangenen Woche wegen eines Sperrfrist-Missverständnisses für ein paar Tage offline genommen werden. Wir bitten um Verständnis.

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