Die Lehren aus dem Relaunch-Sommer

Seit den vergangenen Wochen ist einiges anders im deutschen Nachrichten-Web: Spiegel Online, FTD.de, Stern.de und Zeit Online haben ihre Seiten überarbeitet. Alle vier mit demselben Ziel: Sie wollen neue Leser gewinnen und ihre Reichweite steigern. Bei der Umsetzung gehen alle ganz eigene Wege, trotzdem lassen sich fünf Trends erkennen: Die Seiten unterwerfen sich noch stärker Googles Suchregeln, werten den einzelnen Artikel gehörig auf und versuchen vor allem mit Komfort, statt neuen Inhalten zu punkten.

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Seit den vergangenen Wochen ist einiges anders im deutschen Nachrichten-Web: Spiegel Online, FTD.de, Stern.de und Zeit Online haben ihre Seiten überarbeitet. Alle vier mit demselben Ziel: Sie wollen neue Leser gewinnen und ihre Reichweite steigern. Bei der Umsetzung gehen alle ganz eigene Wege, trotzdem lassen sich fünf Trends erkennen: Die Seiten unterwerfen sich noch stärker Googles Suchregeln, werten den einzelnen Artikel gehörig auf und versuchen vor allem mit Komfort, statt neuen Inhalten zu punkten.

Die fünf Trends im Überblick:

1. Spiegel Online ist nicht mehr die alleinige News-Blaupause
Über viele Jahre hinweg versuchten fast alle Nachrichten-Seiten dem Erfolgsmodell Spiegel Online nachzueifern – optisch, wie inhaltlich. Diese Zeiten sind vorbei. Zeit Online und Stern.de haben sich augenscheinlich emanzipiert und wollen nun mit eigenen Ansätzen punkten. Für Zeit Online hat Chefredakteur Wolfgang Blau die Devise vorgegeben: „Wie wollen nicht die Schnellsten, aber die Besten sein“. Sein Kollege von Stern.de, Frank Thomsen, hofft vor allem mit Service und opulenten Optiken zu überzeugen.

2. Die Artikelseite wird immer wichtiger
Bei der Vorstellung des neuen Zeit Online gab Chefredakteur Blau unumwunden zu, dass rund ein Drittel aller Leser nicht über die Startseite ihren Weg auf das Portal finden würden. Sie landen über Google und Verlinkungen direkt zur Meldung. Das bedeutet: Jede Artikelseite muss mittlerweile eine eigene kleine Startseite sein, welche die wichtigsten Themen des Tages und andere Klick- und Visit-Reize enthält. Besonders auffallend sind unter diesem Aspekt die Umbauarbeiten von Spiegel Online, Zeit Online und Stern.de.
 
3. Alle setzen auf Themenseiten
Auch wenn die Verlagsmanager gern auf Google schimpfen. Die Web-Chefredakteure geben sich größte Mühe, es der Suchmaschine so einfach wie möglich zu machen. Schließlich kommen bis zu 50 Prozent aller Besucher von Google. Ein heißer Trend in Sachen Suchmaschinen-Optimierung ist der Aufbau von Themenseiten, welche die Inhalte zu bestimmten Oberbegriffen sammeln und zusammenfassen. Ohne diese Web-Dossiers kommt heute kaum noch ein Nachrichten-Portal aus.

4. Die Relaunches sind vor allem optischer Natur
Inhaltlich scheinen die Nachrichten-Portale an ihre Grenzen zu stoßen. Obwohl Spiegel Online, Zeit Online, Stern.de oder FTD.de als klares Ziel eine Steigerung der Reichweite ausgeben haben, wurden die Redaktionen nicht aufgestockt. Vielmehr sollen mit veränderter Optik und überarbeiteter Userführung neue Leserschichten erschlossen werden. Am stärksten ist dieser Effekt bei FTD.de zu sehen. Das Wirtschaftsportal bietet seine Inhalte nun in vier verschiedenen Verpackungen, über vier verschiedene Startseiten an. Sollte der Kniff funktionieren, wäre dem Team um Anton Notz eine echte Web-Innovation gelungen.

5. Inhaltlich bleibt vieles beim Altem
Neue Präsentation, gleicher Inhalt. Den Nachrichten-Seiten fehlt es noch immer an unterschiedlicher inhaltlicher Farbe. Die großen News-Themen sind Agentur-getrieben. Das heißt: Da alle vier Portale – wie allerdings auch die gesamte Konkurrenz – bei denselben Agenturen einkaufen, unterscheiden sich die Texte oftmals nur geringfügig. Einziger Weg sich inhaltlich abzusetzen, sind deshalb Autoren- und Meinungsstücke. Für diese sind in den meisten Häusern jedoch noch immer die Print-Redaktion zuständig und das Verhältnis der Online- zu den Offline-Redakteuren wurde bei allen vier Seiten nicht signifikant verändert.

Resümee:
Alle vier Relaunches überzeugen auf ihre Art. Denn allen Seiten ist es gelungen, einen neuen, eigenen Ansatz zu finden. Trotz vieler Gemeinsamkeiten scheint sich die Zeit des optischen Web-Einheitsbreis langsam dem Ende entgegen zu neigen.

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