Das Web-Manifest der Alpha-Journalisten

Seit Montag gibt es im deutschen Web ein Gegengewicht zu den Forderungen von Politikern und Medien-Managern, im Internet ein Leistungsschutzrecht durchzusetzten. 15 Alpha-Journalisten haben 17 Behauptungen formuliert, "wie Journalismus heute funktioniert". Die Autoren sind davon überzeugt, dass sich auch bei der Online-Berichterstattung Qualität durchsetzt und finanzieren lässt. Das Manifest ist auch als Kritik am mangelnden Realitätssinn und fragwürdigen Web-Konzepten der Verlage zu verstehen.

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Die erste Behauptung lautet: „Das Internet“ ist anders“. Die Autoren (u. a.Thomas Knüwer, Sascha Lobo, Stefan Niggemeier oder Robin Meier-Lucht) schreiben dazu: „Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.“

Die zweite Behauptung besagt: „Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche“. Das bedeutet: „Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.“

Als Punkt vier formulieren die 15 Verfasser grundsätzliches: „Die Freiheit des Internet ist unantastbar.“ Darüber hinaus sind die Autoren der Meinung, dass „das Internet ist der Sieg der Information“ sei, dass das Internet den Journalismus „verbessert“ und das sich „Links lohnen, Zitate zieren“.

Punkt zwölf („Tradition ist kein Geschäftsmodell“) geht gegen die Verlagsforderungen für einen Leistungsschutz. In dem Absatz heißt es: „Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen.“ Weiter schreiben die 15 zu diesem Thema: „Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.“

Die 16. Behauptung lautet: „Qualität bleibt die wichtigste Qualität“. Denn „das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist.“

Das Manifest endet mit der These „alle für alle“. „Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die „Generation Wikipedia“ weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe.“ Lobo, Sixtus & Co. kommen zu dem Schluss: „Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte – und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.“

Das Ziel der Autoren ist es „ein Zeichen zu setzten“, wie Thomas Knüwer gegenüber MEEDIA sagt. Unterzeichnet und verfasst wurde der Text von 15 Journalisten. „Es wollten viel mehr mitmachen, doch wir haben schnell gemerkt, dass es eine natürliche Grenze an Mitarbeitern gibt, ab der man nicht mehr sinnvoll zusammenschreiben kann“, erzählt Knüwer. Trotzdem soll niemand ausgeschlossen werden, weshalb es möglich ist, das Manifest zu kommentieren.

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