Werbung gegen Beteiligungen tauschen

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat Thomas Ebeling, der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media Group, angekündigt, Werbezeiten gegen Unternehmensbeteiligungen tauschen zu wollen. Auf diese Weise will Ebeling freie Restwerbeplätze vermarkten. Es gebe bereits zehn Interessenten für das ungewöhnliche Modell. Damit würde sich der Sender ein Stück weit in eine Art Venture-Capital-Fonds verwandeln.

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Ebeling habe angeregt, Werbezeit Neukunden anzubieten, die interessante Produkte, aber nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, ins Fernsehen zu gehen. „Denen können wir sagen: Du erhältst durch uns die Zahl x an Werbekontakten in einem bestimmten Zeitraum, du brauchst dafür nicht zu zahlen, aber dafür bekommen wir Anteile an deiner Firma oder am Umsatz deines Produktes.“

Von ARD und ZDF fordert der ProSiebenSat.1-Chef dagegen, künftig auf Werbung zu verzichten. „Je weniger Werbung bei ARD und ZDF, desto besser“, sagte Ebeling. Auch der Expansion der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet müsse Einhalt geboten werden. Die eigene Sendergruppe sieht Ebeling auf gutem Weg. Eine Zerschlagung von ProSiebenSat.1 komme nicht in Frage. Zumindest nicht in Deutschland.

Was die skandinavische Senderkette SBS betrifft, die von den ProSiebenSat.1-Eigentümern Permira und KKR mit der deutschen TV-Gruppe fusioniert wurde, sieht das schon ein bisschen anders aus. Es werde nicht aktiv für einen Käufer von SBS gesucht, teilte Ebeling mit. Angebot wolle er sich aber prüfen. In der Branche gilt die Integration von SBS bei ProSiebenSat.1 als teurer Fehler. Laut Analysten hat die Verschmelzung im wesentlichen nur Kosten produziert und nicht die gewünschten Synergien gebracht. Ebeling bestreitet das im „FAZ“-Interview. „Alle Synergieziele werden erreicht“, sagt er.

Die deutschen Sender sieht er gut aufgestellt. Beim Zuschauer-Marktanteil sagt er eine leichte Steigerung voraus und prognostiziert, dass die ProSiebenSat.1-Sender besser laufen wie der Gesamtmarkt. Die Werbeerlöse machen aber nach wie vor Sorge, vor allem das vierte Quartal. „Anfang des Jahres haben wir erwartet, dass der gesamte Fernsehwerbemarkt zehn bis fünfzehn Prozent schrumpft. Jetzt denken wir, dass es eher minus zwölf bis minus sechzehn Prozent sind“, so Ebeling. Kein Wunder, dass man da auf ungewöhnliche Vermarktungsideen kommt.

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