„Welt der Wunder“, das Spaß-Labor

Die vierte Folge unserer Serie mit den stillen Auflagenstars bewegt sich ins verheißungsvolle Segment der Wissens-Zeitschriften. Verheißungsvoll, weil immer noch Verlage hier Potenzial sehen und neue Titel starten. Jüngste Beispiele sind "Hörzu Wissen" und "Geo Mini". Wir haben uns "Welt der Wunder" aus dem Bauer Verlag genauer angeschaut. Auf leisen Sohlen hat sich das Heft zu einer Auflage von über 270.000 Exemplaren geschlaumeiert. Davon sind 208.178 Hefte im Einzelverkauf abgesetzt worden.

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Und zwar zum durchaus stolzen Heftpreis von 3,50 Euro. „Welt der Wunder“ ist eine Kooperation mit der gleichnamigen Sendung bei RTL 2, einem Sender, an dem der Bauer Verlag auch beteiligt ist.

Gegründet wurde der Titel im Jahre 2005 aber erst seit Anfang 2007 ist die Auflage IVW-geprüft. Darum liegt hier auch noch kein Fünf-Jahres-Trend vor. Aber der Zwölf-Monats-Trend im MEEDIA-Analyzer ist auch sehr beindruckend. Der Gesamtverkauf stieg in diesem Zeitraum um 45 Prozent, der Einzelverkauf um 28 Prozent und die Zahl der Abos um 162 Prozent. Ob es auch Marketing-Gründe für den steilen Abo-Anstieg gibt, soll das kleine Geheimnis der Macher bleiben. Nicht verschweigen sollte man freilich, dass auch die „weichen“ sonstigen Verkäufe in den vergangenen zwölf Monaten um satte 64 Prozent zulegten. Mit knapp 2.000 Exemplaren nehmen diese aber immer noch einen sehr geringen Anteil an der Gesamtauflage ein.


Keine Frage, „Welt der Wunder“ unter der Chefredaktion von „TV 14“-Macher Uwe Bokelmann ist ein voller Erfolg

Was ist das Erfolgsrezept? Ralf Meyke, Verlagsgeschäftsführer Programmzeitschriften und Verlagsleiter „Welt der Wunder“ zu MEEDIA: „Der Titel kombiniert bewusst Wissenschaft mit Unterhaltung. Das Magazin wird von Journalisten gemacht und im Anschluss wissenschaftlich abgesichert. Diese Vorgehensweise ist einzigartig und ‚Welt der Wunder‘ trifft damit genau den Nerv der Leser.“
br>Der Unterhaltungs-Aspekt ist bei der Lektüre in der Tat nicht zu übersehen. Besonders gerne stellt die Redaktion Fragen, die dann in gewitzten Text-Häppchen, eingebettet in eine Art Akte-X-Optik beantwortet werden. Auf diese Art werden beispielsweise „Die größten Lügen der Weltgeschichte“ („Hätte es den Zweiten Weltkrieg auch ohne Hitler gegeben?“) oder die „Mythen des Fliegens“ abgefrühstückt. Auch das Tierreich ist immer für eine lustige Bildstrecke gut („Wie sozial ist Mr. Shark?“).

Das alles liest sich flott und extrem unterhaltsam, auch wenn der Redaktion beim Texten der Wissensthemen schon mal die Gäule durchgehen können. Beispiel: „Zombie-Sterne Die lebenden Leichen im All“. Was machen diese Zombie-Sterne so? „Welt der Wunder“ weiß: „Wie Kannibalen fressen sie Nachbarsterne und ernähren sich von deren Gas.“ Meistens bleibt die Redaktion aber auf dem Teppich und bekommt den Mix aus Wissens-Fakten und Unterhaltung prima hin.

Das Papier ist hochwertig, das Layout bunt und wild aber dem Thema angemessen. Man erinnert sich ein bisschen an die gute alte Zeit, als „P.M.“ noch „Peter Moosleitners interessantes Magazin“ in der Unterzeile hieß und jede zweite Ausgabe Kampfflugzeuge, Dinosaurier oder Vulkanausbrüche auf den Titel hievte.
Das Heft ist laut Verlagsleiter Meyke profitabel. Wie sehr, darüber schweigt der Bauer-Mann. Man ist diskret. Den größten Teil des Profits steuert der Heftpreis bei, die Anzeigenerlöse seien aber auch stark im Kommen. Wie gut „Welt der Wunder“ läuft, kann man auch daran erkennen, dass die Axel Springer AG den Titel mit einem eigenen populär aufgemachten Wissensheft angreift. „Hörzu Wissen“ kostet genau wie „Welt der Wunder“ 3,50 Euro, statt mit RTL 2 kooperiert Springer mit ZDF-Wissenssendungen und das Heft entstammt ebenfalls aus einer Programmzeitschriften-Redaktion. Verschärfter Wettbewerb ist immer noch ein untrügliches Zeichen für echten Erfolg.

"Welt der Wunder"

Verlag: Heinrich Bauer Verlag KG
Erscheinungsweise: monatlich
Heftpreis: 3,50 Euro
Internet: www.weltderwunder.de
Erfolgsfaktoren: Clevere Kombi aus Wissensvermittlung und viel gut gemachter Unterhaltung, Verbindung zur TV-Sendung bei RTL 2, relativ hoher Heftpreis

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