Pilawa, Werbe-Resterampe, Prolo-Preise

Der Pilawa-Wechsel - diese Woche kam es endlich endlich zu einem Durchbruch. Jörg Pilawa hat die ARD wissen lassen, dass er bald lieber beim ZDF arbeitet. Den Vertrag bei den Mainzelmännchen hat er aber immer noch nicht unterschrieben. ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling will eine Art Werbe-Resterampe eröffnen. Freie Werbeplätze im Tausch gegen Firmen-Beteiligungen. Außerdem diese Woche: Prolo-Nominierungen für den Fernsehpreis und die Mob-Macht der Blogosphäre.

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Thomas Ebeling, Chef der Senderkette ProSiebenSat.1 hat eine Idee. Weil seine Sender nicht mehr so viel Werbung verkaufen können, wie Plätze zur Verfügung stehen, will er künftig auch Werbung zum Tausch anbieten – gegen Unternehmensanteile oder eine Umsatzbeteiligung. Die Werbe-Resterampe des TV-Chefs soll in etwa so funktionieren: Eine irre innovative Firma würde gerne auf sich aufmerksam machen, hat aber kein Geld für TV-Werbung. Ebeling hilft, stellt den Spot-Platz zur Verfügung und bekommt dafür nicht etwa Fußball-Kärtchen zum Tausch, sondern Anteile an der Firma oder eine Umsatzbeteiligung. Wenn das Unternehmen dann dank der Hammer-Werbung bei ProSieben oder Sat.1 irrsinnig erfolgreich wird, klingelt auch bei der Sendergruppe die Kasse. In der Praxis dürfte sich das Prozedere weit weniger märchenhaft gestalten. Was sagen denn die normalen Kunden dazu, die für die gleichen Werbeplätze teuer in Cash zahlen sollen? Wieviele Anteile bekommt ProSiebenSat.1 für wieviele Werbeplätze und wer legt das fest? Wo wird diese Reste-Werbung platziert? In der Primetime etwa oder nachts nach dem Horror-Schocker, wo derzeit augenscheinlich fleißig Frei-Spots versendet werden? Fraglich ob diese Idee über das Stadium eines Marketing-Gags hinauskommt.

Am Mittwochabend wurden die Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis bekanntgegeben, der am 26. September in Berlin verliehen wird. Es ist das übliche Stelldichein aus ARD- und ZDF- Produktionen und Personal, gesprenkelt mit ein paar Event-Movies der Privaten. Fast. Drei Nominierungen stechen aus der Masse des immergleichen Qualitäts-Einerleis heraus. RTL ist mit „Lasko – Die Faust Gottes“ für die beste Serie nominiert, der unerträgliche Prolo-Comedian Mario Barth ist für „Willkommen bei Mario Barth“, ebenfalls RTL, in der Kategorie Beste Unterhaltungssendung/Moderation nominiert und Hape Kerkeling ist für seinen omnipräsenten Horst Schlämmer in der Kategorie Beste Comedy nominiert. Man kann subjektiv von den drei Nominierungen halten was man will, im Zweifelsfall nichts Gutes. Aber professionell gemacht sind sie allemal. Wäre vielleicht ganz gut, wenn der Fernsehpreis, künftig ein wenig mehr in diese Richtung nominieren würde. Dann kann man sich wenigsten ein bisschen aufregen. Prognose: Horst Schlämmer kriegt den Preis, die beiden anderen Prolo-Kandidaten nicht. An Schlämmer kommt in diesen Tagen niemand vorbei, also wahrscheinlich auch nicht die Jury vom Fernsehpreis.

Jetzt hat auch Deutschland einen Fall, in dem die Blogosphäre ihre Mob-Macht ausgespielt und gewonnen hat. Der Blogger Frank Baade hat in seinem Weblog „Trainer Baade“ über das neue Logo des Sport-Ausrüsters Jako gelästert. Der nahm das gar nicht sportlich, witterte eine „unzulässige Schmähkritik“ und schickte die Anwälte los. Es hagelte eine saftige Abmahnung, die vom armen Blogger brav bezahlt wurde. Als dann der Eintrag in einem News-Aggregator nochmal auftauchte, wollten die Jako-Anwälte rund 5.000 Euro Nachschlag, weil die Unterlassungserklärung verletzt worden sei. In der Blogosphäre und auch in den traditionellen Medien von „Handelsblatt“ bis „Süddeutsche“ war der Fall plötzlich in aller Munde. Die Firma Jako musste lernen, dass Bekanntheit nicht unbedingt mit Erfolg gleichzusetzen ist. Die Jako-Geschäftsführung ruderte mittlerweile zerknirscht zurück und verkündete, dem Blogger sollen kein finanziellen Nachteile erwachsen. Ob die „Sportsmänner“ von Jako dem Trainer Baade nun auch die erste Abmahnungsgebühr in Höhe von immerhin 1.085,04 Euro zurückzahlen?

Vielleicht tut man dem Pilawa ja unrecht. All das Gemeckere darüber, dass er sich nicht entscheiden kann, dass er soviel mehr Geld will und weniger arbeiten möchte. Nüchtern betrachtet hat Jörg Pilawa einfach vor einer wichtigen Entscheidung nochmal Urlaub genommen, vielleicht um sich die Sache mit Abstand (Australien!) durch den Kopf gehen zu lassen. Jetzt also hat er seinen designierten Alt-Arbeitgeber ARD wissen lassen, dass er zu den Mainzelmännchen vom ZDF will. Sofort schlugen die Wellen hoch und die Pilawa-Entscheidung wurde wie verrückt auf allen Kanälen gemeldet. Das ZDF beeilte sich festzuhalten, dass er aber bei ihnen noch gar nicht unterschrieben habe, man aber fest davon ausgehe. Was sagt das eigentlich über unser Fernseh-Personal aus, wenn der Senderwechsel eines biederen Durchschnittstypen wie Pilawa zu einer medialen Staatsaffäre hochegejazzt wird? Es gibt mittlerweile einfach verdammt wenig prominente Nasen, die wenigstens noch einen Anflug von Charisma haben. Da klammert man sich an die paar Gesichter, die man wenigstens noch kennt. Bei der ARD werden sie sich schwer tun, einen Ersatz für den Allerweltsmann Pilawa zu finden.

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