Die ARD und der Selbstbedienungs-Sumpf

Der Fall Doris Heinze erschüttert die Öffentlichkeit und die Medienbranche. Wie konnte die Fernsehspielchefin des großen NDR jahrelang systematisch Drehbücher ihres Mannes und offenbar auch eigene Werke hemmungslos durchschleusen? Für die ARD ist das alles offenbar halb so wild. Der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Peter Boudgoust sagte, er sehe keinen Anlass für schärfere Kontrollen. Mit solchen Fällen müsse man immer wieder rechnen. Ein Schlag ins Gesicht der Gebührenzahler.

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Der Fall Doris Heinze erschüttert die Öffentlichkeit und die Medienbranche. Wie konnte die Fernsehspielchefin des großen NDR jahrelang systematisch Drehbücher ihres Mannes und offenbar auch eigene Werke hemmungslos durchschleusen? Für die ARD ist das alles offenbar halb so wild. Der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Peter Boudgoust sagte, er sehe keinen Anlass für schärfere Kontrollen. Mit solchen Fällen müsse man immer wieder rechnen. Ein Schlag ins Gesicht der Gebührenzahler.

Es ist ja nicht so, dass der Fall Heinze der erste Skandal bei der ARD wäre. 2005 deckte der Mediendienst „epd Medien“ eine beispiellose Serie von Schleichwerbefällen in ARD-Soap-Operas, allen voran „Marienhof“, auf. Der ehemalige HR-Sportchef Jürgen Emig wurde verurteilt, weil er Millionen an Sponsorengeldern über Tarnfirmen in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. In den Skandal war auch der MDR-Sportchef Wilfried Mohren verstrickt, der fristlos entlassen wurde.

Der ehemalige ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf wurde nach einer ganzen Batterie an Vorwürfen und Verfehlungen entlassen. Zunächst hatte er seine Mitarbeit bei der Stasi verheimlicht, dann geriet er in die Kritik, weil er Veranstaltungen des Radsport-Sponsors Telekom gegen Honorar moderierte und auch noch bei der Biographie des damaligen Telekom-Fahrers Jan Ullrich mitschrieb und schließlich auch noch Schleichwerbung für Margarine machte.

Immer wieder kommen zudem Fälle ans Licht, bei denen Moderatoren von öffentlich-rechtlichen Sendern ihren guten Name und den Ruf des Senders für gut bezahlte öffentliche Auftritte nutzen. Dass es dabei zu Interessenskonflikten im Sinne einer unabhängigen Berichterstattung kommen könnte, interessiert nur zweitrangig. Besonders anfällig für Selbstbedienungs-Skandale scheint die ARD zu sein. Es hat sich geradezu eine Art Skandal-Ritual herausgebildet: Irgendein Skandal fliegt auf, natürlich immer durch Externe aufgedeckt. Man ist empört. Die Verantwortlichen der ARD sprechen von Einzelfällen und lückenloser Aufklärung. Bestenfalls wird eine Untersuchungs-Kommission eingesetzt. Keiner der Bosse tritt zurück. Danach geht alles weiter wie bisher.

Immer beklagen die Verantwortlichen der ARD die „kriminelle Energie“ hinter den Skandalen. Das war so beim Schleichwerbe-Fiasko von „Marienhof“, das ist nun wieder so beim Fall Heinze. Natürlich ist das „kriminelle Energie“, was den sonst?Aber es wäre die Aufgabe der Sender, die Möglichkeiten der Entfaltung solcher Energie einzudämmen. Stattdessen zuckt ARD-Chef Boudgoust mit den Schultern und es geht heiter weiter im Selbstbedienungsland ARD. Da kann man halt nix machen. Dass die ARD diesmal aber noch nicht einmal so tut, als wolle sie den Fall aufklären oder ähnliche Fälle in Zukunft verhindern, ist für sich genommen auch schon wieder ein Skandal. „Man muss realistisch davon ausgehen, dass solche Fälle immer wieder auftreten“, sagte Boudgoust allen Ernstes. Dass bei solcher Vetternwirtschaft die Programmqualität leidet und Geld in den Privattaschen einiger gieriger Sender-Mitarbeiter verschwindet, der ganze Ruf des öffentlich-rechtlichen System beschmutzt wird – was soll‘s? Die nächste Gebührenerhöhung kommt so sicher wie das Amen in der Kirche, da kann ruhig zwischendurch ein bisschen Kohle versickern.

Wie die öffentlich-rechtliche ARD auch ansonsten wirtschaftet, lässt sich am besten am Beispiel des MDR aufzeigen. Für die gesamte Gebührenperiode von 2009 bis 2012 rechnet der Sender in seiner Finanzplanung mit einem Minus von 117,5 Mio. Euro. Wenn alle Rücklagen aufgebraucht werden bleibt immer noch ein Defizit von rund 10 Mio. Euro übrig, das mit nicht näher benannten „Sonderfinanzierungen“ und Einsparungen gestopft werden soll. Für die nächste Gebührenperiode kalkuliert der MDR dann schon mal mit einem Gebührenplus von 18 Millionen Euro, ohne, dass die Gebühren-Kommission KEF überhaupt angefangen hat zu prüfen. Und als Moderator beim der MDR-Talkshow „Riverboat“ hockt dann der ehemalige ARD-Programmdirektor Günther Struve, der zum Abschied noch ein Berater-Pöstchen in Los Angeles zugeschanzt bekam und nun alle paar Wochen ins „Riverboat“ eingeflogen wird.

Das System ARD mit seinen ständig steigenden Gebühren, es führt ganz offenbar zur Verschwendung und Selbstbedienung. Der nächste Skandal – er kommt so sicher wie die nächste Gebührenerhöhung.

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