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Medienkrise: 75 % bangen um ihren Job

Die Medienbranche trifft die Krise immer härter. Insbesondere die freien Journalisten machen sich Sorgen um ihren Job: Mehr als drei Viertel von ihnen fürchtet eine schwache Auftragslage. Zu diesen Schlüssen kommt der aktuelle Trendmonitor von News aktuell. Weitere Ergebnisse: Neben einem gestiegenen Druck, den besonders die Redakteure von Nachrichtenagenturen (82,7 %) spüren, greifen vor allem Jungredakteure (83,3 %) aus Zeitgründen vermehrt auf Material aus Pressestellen und PR-Agenturen zurück.

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Unter ihnen sind es hauptsächlich Zeitschriftenredakteure (36,4 %), die sich „große bis sehr große“ Sorgen angesichts der Wirtschaftskrise machen. Im Gegensatz dazu sind es nur 18,3 % der Rundfunkredakteure, die mit Umsatzeinbußen und finanziellen Schwierigkeiten rechnen. 44,1 % der Journalisten bei Tageszeitungen erwarten sogar in den nächsten zwölf Monaten Mitarbeiterentlassungen. Redakteure für Online, Multimedia und Rundfunk sehen der Krise etwas gelassener entgegen: sie befürchten einen Rückgang von etwa einem Drittel der Mitarbeiterzahlen. Auch regional zeigt die Studie Unterschiede: So ist die Krisenstimmung in den Medienhochburgen Hamburg und Köln am stärksten ausgeprägt.

Die düsteren Aussichten sind vermutlich auch der Grund, warum jeder zweite Journalist in die PR gehen würde. 46,2 % gaben an, sich einen Seitenwechsel vorstellen zu können, darunter vor allem die Freien. Knapp ein Fünftel der Redakteure aus Tageszeitungen, Rundfunk und Nachrichtenagenturen wollen aber ihrem Berufsethos treu bleiben.

Der Trendmonitor zeigt darüber hinaus auf, dass die Redaktionen in der derzeitigen Krise versuchen, einen Gegenpol zur ständigen Negativberichterstattung zu schaffen. So heißt es dort: „44,5 % der Tageszeitungen und 47,3 % der Rundfunkanstalten legen manchmal Wert darauf. Etwa ein Zehntel der Tageszeitungen und der Nachrichtenagenturen berichtet überhaupt nicht über die Wirtschafskrise.“

Für die Recherche nutzen 88,4 % der Journalisten Internetquellen, darunter vor allem Nachrichtenportale und Newsletter. Blogs beobachten hingegen nur 33,2 %. Die wenigsten vertrauen dem Mikroblogging-Dienst Twitter, gar die Hälfte hält ihn für „völlig uninteressant“. Demgegenüber hat das Bewegtbild für Online-Nachrichten an Bedeutung gewonnen: „Fast jede zweite Redaktion aus dem Rundfunkbereich (49,3 %) und aus dem Bereich Online und Multimedia (47,2 %) hat einen eigenen Videojournalisten angestellt“, schreibt die Studie. Bezüglich dessen, dass Verlage weitere Einnahmequellen über Soziale Netzwerke und andere Internetprojekte erschließen, meinen 80 % der Journalisten, dass der klassische Journalismus dennoch bestehen bleibt.

Der Trendmonitor untersucht per Online-Befragung die Tendenzen und Entwicklungen im Journalismus. Die Befragung wurde von der dpa-Tochter news aktuell und von Faktenkontor entwickelt und durchgeführt. An der Studie nahmen insgesamt 2.140 Journalisten verschiedener Medien teil.

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