Der Sinn und Unsinn von Print-Awards

Springer hat für dieses Jahr alle Preisverleihungen abgesagt. Nicht so Gruner + Jahr. Die Hamburger gönnen ihren Magazinen "Schöner Wohnen", "Essen & Trinken" sowie "Living at Home" – trotz Krise und Bilanzminus – einen eigenen Award: Den "White Star". Heute Abend wird er in Köln verliehen. Im MEEDIA-Interview erklärt G+J-Verlagsleiter Frank Stahmer, warum starke Print-Marken eigene Preise brauchen und warum die Verleihungen kein rausgeworfenes Geld sind.

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Warum brauchen starke Print-Marken überhaupt Awards?
Ein Award bietet Zeitschriften drei große Chancen: Er ist gut fürs Image, dokumentiert die Kompetenz in bestimmten Kernbereichen und gibt uns die Gelegenheit, mit unseren Lesern zu kommunizieren.

Sind das auch die Gründe, warum andere Verlage Awards wie das „goldene Lenkrad“ oder die „goldene Kamera“ verleihen?
Ich denke ja. Wobei bei beiden Beispielen die Leser-Kommunikation meines Erachtens deutlich weniger im Vordergrund steht als bei unserem White Star.

Was ist der White Star?
Der White Star ist unser Leser-Award für die beliebtesten Produkte aus den Bereichen Tisch, Küche und Design. Ausgerichtet wird er gemeinschaftlich von „Schöner Wohnen“, „Essen & Trinken“ und „Living at Home“. In diesem Jahr standen 109 Produkte in elf Kategorien in den Heften für die Leser zur Wahl – von Geschirr und Besteck über Kochtöpfe und Tischen bis hin zu Küchen. Die Preisverleihung findet heute in Köln statt.

Ein rauschendes Fest trotz Krise?
Es wird keine sündhaft teure Gala werden, falls Sie das meinen. Wir werden eine dem Thema und dem Award angemessene schöne Veranstaltung haben. Und auch feiern, natürlich.

Ist so ein Preis wie der White Star nicht auch eine klassische Veranstaltung zur Belohnung guter Anzeigenkunden?
Nein. Zum einen stimmen unsere Leser über die Gewinner ab und nicht wir. Und zum anderen haben viele der nominierten Unternehmen gar keine so großen Werbe-Etats, um richtige Anzeigenkampagnen für ihre Produkte zu fahren. Deshalb ist der Preis gerade auch für Firmen und Produkte, die sonst nicht so im Fokus stehen, eine wunderbare Plattform. Aber natürlich kann so ein Award auch für einen gewissen Goodwill in der Branche sorgen.

Sie haben in „Schöner Wohnen“, „Living at Home“ und „Essen & Trinken“ jeweils 40 Seiten für die Abstimmung freigeräumt. Nehmen die Leser solch eine Aktion überhaupt an?
Ja, sogar sehr. Im vergangen Jahr haben 19.000 Leser teilgenommen und in diesem Jahr 16.000. Das ist eine Beteiligung, mit der wir sehr zufrieden sind, denn für uns ist es die härteste Jury der Welt: unsere Leser. 16.000 unabhängige, designaffine Leser haben höchst subjektiv ihre Stimme abgegeben. Wenn das keine anspruchsvolle Jury ist!

Ist es überhaupt noch zeitgemäß in diesem Krisenzeiten Geld für einen Award auszugeben?
Wir haben im vergangen November, also zu Beginn der Krise, länger diskutiert, ob wir tatsächlich auch in diesem Jahr wieder den White Star veranstalten sollten. Und wir haben uns bewusst dafür entschieden – gerade auch um ein Zeichen zu setzten.

Der White Star wird nun zum zweiten Mal verliehen, wie lange braucht man als Verlag, um solch einen Preis zu etablieren?
Das weiß ich nicht genau. Ich denke aber, dass ein Award wohl dreimal stattgefunden haben muss, um sich in der Branche richtig zu verfestigen und es noch etwas länger braucht, bis er in einer breiten Öffentlichkeit verankert ist.

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