RTL: Die Daytime-Baustelle muss weg!

Sie können Ihre Programmzeitschrift jetzt getrost abbestellen. Jedenfalls wenn Sie die Hefte aus dem vergangenen Jahr aufgehoben haben. Um zu wissen, was in den kommenden Wochen bei RTL läuft, reicht nämlich auch ein Blick dort hinein. RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt setzt auf größtmögliche Berechenbarkeit, um ihren Sender durch die Krise zu kriegen. Für die gerade gestartete Saison bedeutet das: lauter Déjà-vus in der Programmplanung.

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Von den neuen Formaten, die Schäferkordt im Juli ankündigte, wird zunächst nicht viel zu sehen sein. Der Montag ist weiterhin fest für „Wer wird Millionär?“ verbucht, ab 21.15 Uhr folgen „Rach, der Restauranttester“ (Start am 14. September) und „Bauer sucht Frau“ (ab 2. November). Die Idee, erfolgreiche Sonntagvorabendformate auf den Montag zu heben, hat sich bezahlt gemacht. Gleiches hat Schäferkordt deshalb mit „Vermisst“ vor, das in der neuen Saison ebenfalls in die Werktags-Primetime rutschen soll. Das einzige Problem ist: Bald fehlt es RTL an Nachschub. Der „Hotelinspektor“ blieb im Frühjahr hinter den Erwartungen zurück, ab kommenden Sonntag werden sonntags um 19.05 Uhr erst einmal neue Folgen von „Schwiegertochter gesucht“ gezeigt. Und dann versucht Schäferkordt, ob der Trick auch in umgekehrter Reihenfolge funktioniert: Ab Mitte November läuft „Helfer mit Herz“, ursprünglich am Montag um 21.15 Uhr gestartet, ebenfalls auf dem Platz am Sonntagvorabend.

Verhältnismäßig unspektakulär ist auch die Planung für die Wochenend-Primetime: Statt „Die 10…“ am Freitag moderiert Sonja Zietlow ab übernächster Woche „Die 25…“ am Samstag, bis schließlich am 24. Oktober „Das Supertalent“ mit einer dritten Staffel zurückkehrt, die bis Weihnachten im Programm sein wird. Im Anschluss an die Samstagsshows müssen „Mario Barth präsentiert…“ und „Upps! Die Superpannenshow“ nochmal ran. Sonntag bleibt Spielfilmtag – auch wenn RTL dort zuletzt öfter einmal arge Probleme gegen die ProSieben-Blockbuster hatte. Alternativen gibt es im derzeitigen Programmplan aber kaum.

Die eigentlich spannende Frage ist: Wo bringt RTL die (wenigen) neuen Formate unter? Im Real-Life-Genre ist unter anderem „Rachs Restaurant“ angekündigt, für das Sternekoch Rach einen neuen Laden aufbauen will und dafür ein komplettes Team suchen muss – vielleicht wäre das im kommenden Jahr nicht die schlechteste Lösung für den Sonntagvorabend. Falls sich Inka Bause dort nicht niederlässt: Außer Schwiegertöchtern, Papas und Landwirtsgattinnen sucht RTL mit ihrer Unterstützung nämlich auch noch die große „Jugendliebe“. In Sachen Coaching legt Schäferkordt mit „Endlich wieder Arbeit!“ nach – sicher ein Fall für den Mittwoch.

Einzig am Freitag darf in den kommenden Wochen noch ein klitzekleines bisschen experimentiert werden. Diese Woche läuft testweise „5 gegen Jauch“ bevor am 11. September „Wer wird Millionär?“ mit Doppelfolgen die erste Ausstrahlung vor 10 Jahren feiert (und zwar ganze drei Wochen). Anschließend übernimmt schon wieder: Günther Jauch – mit seinem „Großen Ost-West-Duell“, nach dem Deutschen Comedypreis erobert schließlich „Die Ultimative Chartshow“ ihren Stammplatz zurück.

In der Daytime, wo gerade nach zehn Jahre Oliver Geißens Talk aus dem Programm gekegelt wurde und jetzt „Mitten im Leben“ für stabile Quoten sorgen soll, wird sich zeigen müssen, wie Schäferkordts größte Hoffnungsträger der neuen Saison sich in den kommenden Wochen behaupten: Die geskripteten Dokusoaps „Verdachtsfälle“ und „Familien im Brennpunkt“, beides Auskoppelungen aus „Mitten im Leben“ starteten jedenfalls mit fantastischen Marktanteilen, bei denen sich die RTL-Planer die Augen gerieben haben müssen. Dazu kehren „Die Schulermittler“ mit neuen Folgen zurück, weil das Format die besten Werte holte, die RTL auf dem Problemplatz um 17 Uhr seit einer kleinen Ewigkeit hatte. Sollte Schäferkordt damit endlich ein Rezept gegen den starken Sat.1-Nachmittag gefunden haben, wäre die größte Baustelle im RTL-Programm geschlossen. Dann wird sich auch herausstellen, wie widerstandsfähig Sat.1 mit seinen Gerichtsshows und „Niedrig & Kuhnt“ tatsächlich noch ist.

Haben wir was vergessen? Oh ja! Oliver Geißen moderiert ja noch „18 – Forever Young“, eine Art Jugendrückblick mit Prominenten. Und dann ist Inka Bause ja auch noch mit 12 Kandidaten nach Norwegen auf „Die Farm“ geschickt worden, die die Teilnehmer dort ganz alleine bewirtschaften sollen. Man kann nur beten, dass die nicht alle übergewichtig sind und auch noch dabei abnehmen sollen. Und dass Schäferkordt überhaupt noch ein Plätzchen findet in ihrem perfekt zusammengeschnürten Ablauf, der RTL einerseits so erfolgreich macht und andererseits kaum Luft lässt, sich weiterzuentwickeln.

TV-Kurzcheck: RTL

– Die sichere Bank: Fast schon selbstverständlich: der Serien-Dienstag mit „CSI: Miami“ und „Dr. House“. Die Real-Life-Formate am Montag und Mittwoch. Nicht zu vergessen: Die Daily Soaps am Vorabend.

– Die Risiken: Risiken? Welche Risiken?

– Die Tendenz: Es müsste schon ein kleines Wunder passieren, um RTL in den kommenden Wochen abstürzen zu lassen – auch wenn es nicht soviel Neues geben wird. Die einzige Sorge, die Geschäftsführerin Anke Schäferkordt haben muss, ist, dass das Publikum es irgendwann satt hat, alle paar Wochen Wiederholungen von US-Serien und Doku-Soaps vorgesetzt zu bekommen, weil RTL seine Erfolgsformate wieder in irgendeine Weihnachts-, Frühlings- oder Sommerpause gehen lässt. Ganz sicher wird sich der fehlende Dschungel auf den Marktanteil im Januar auswirken.

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