„Einfach die smartere Konstellation“

Holtzbrinck geht bei der Organisation seiner Berliner Web-Zentrale neue Wege. Tagesspiegel.de wird an die Print-Redaktion der Hauptstadt-Zeitung angedockt. Damit berichtet Chef Markus Hesselmann direkt an die Chefredaktion des Blatts. Der bisherige Ober-Verantwortliche, ZEIT Online-Chefredakteur Wolfgang Blau hat diese Neuordnung mitinitiiert. Denn: "Die direkte Anbindung ist einfach die smartere Konstellation." MEEDIA sprach mit Blau über die neue Struktur und das crossmediale Integrationsprojekt.

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Für den ZEIT Online-Chef war es nach dem Umzug nach Berlin eine Überraschung. Für die Zeitungsredaktion, erkannte er bald, war die Website nicht wie in vielen Häusern ein Fremdkörper. Es habe keinerlei Berührungsängste oder Reibungsverluste im Tagesgeschäft gegeben: „Die Printredakteure beim ‚Tagesspiegel‘ sind ehrlich gesagt noch viel online-affiner, als wir das anfangs erwartet haben. Es gibt dort nicht wie anderswo die typischen, grundsätzlichen Vorbehalte gegen das Medium Internet.“
In der Konsequenz führte dies dazu, dass nun eine integrierte Redaktion geschaffen wird, die sowohl das gedruckte Produkt wie auch das Hauptstadtportal bedienen wird. Ziel dabei ist es, auf dem umkämpften Berliner Markt gegenüber den Wettbewerbern aufzuholen und die Website Richtung Marktführerschaft zu pushen. Für den ZEIT Online-Chef heißt das: „Dort wo es sinnvoll ist, wird es künftig einen noch weitreichenderen Austausch von Inhalten zwischen den Online-Portalen und den Printtiteln geben. Dazu gehört in bestimmten Fällen auch die Zweitveröffentlichung von Web-Inhalten in der gedruckten Zeitung. Schon jetzt tauschen wir ja regelmäßig Texte mit Tagesspiegel.de, dem gedruckten ‚Tagesspiegel‘ und auch dem ‚Handelsblatt‘.“
Im Zuge der Neuordnung verzichtet der 42-Jährige auf die direkte Führung der Website: „Ich bin kein Titelsammler. Die Zuständigkeit für Tagesspiegel.de gebe ich gerne ab, weil es einfach die sinnvollere Lösung ist.“ Für Blau ist die unmittelbare Nähe zur Printredaktion der Tageszeitung ein Gewinn, „weil viele Ressorts dort sich in ihren morgendlichen Konferenzen ganz ähnliche Fragen stellen wie wir bei ZEIT Online, Schon in den vergangenen Monaten haben wir beispielsweise eine Nahostreise unseres Online-Reporters gemeinsam mit dem ‚Tagesspiegel‘ finanziert, auch in der Berichterstattung zur Krise im Iran oder Leichtathletik-WM haben wir eng zusammengearbeitet.“
Ab Oktober wird es auch zu einer räumlichen Zusammenführung der Redaktionen kommen – dann bezieht der „Tagesspiegel“ das neue Gebäude am Askanischen Platz. Der Newsroom soll die Zusammenarbeit „noch effizienter“ machen, denn Blau ist überzeugt: „Das entscheidende Kriterium für die erfolgreiche Verzahnung von Print und Online bei einer Tageszeitung sind die kurzen Wege.“

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