Buchholz sieht G+J „investitionsbereit“

In einem Schreiben an die Mitarbeiter, das MEEDIA vorliegt, hat G+J-Chef Bernd Buchholz gesagt, dass trotz der schwierigen Lage G+J "finanziell kerngesund und investitionsbereit" sei. Gleichzeitig kündigt er einen harten Sparkurs an und deutet an, dass Übernahmen und Kooperationen anstehen. "Insgesamt glauben wir an eine notwendige Neuordnung in den europäischen Zeitschriftenmärkten und sind dazu in Gesprächen mit diversen internationalen Verlagshäusern", so Buchholz wörtlich.

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Buchholz sieht G+J dabei aufgrund der „starken Marktposition als Konsolidierungstreiber“. Will heißen: Gruner wird eher zu den Käufern gehören. Explizit in Buchholz‘ Brief erwähnt wurden die Märkte Spanien und Frankreich. Spanien sei wie „kein zweites Land innerhalb der EU“ von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise betroffen. G+J Ibérica und vor allem Motorpress Ibérica befänden sich in einer „anhaltend schwierigen Lage“. Buchholz kündigte hier „umfassende Restrukturierungsmaßnahmen“ an. In Frankreich dagegen sei das Geschäftsfeld Corporate Media mit neuen Kundenmagazinen für den Pay-TV-Sender Canal+ und die Flughäfen von Paris erfolgreich aufgebaut worden.

„Der Umbau des Kerngeschäftes ist die Grundvoraussetzung zum Erhalt und Ausbau der Titel und Marken in allen Kernländern und zur aktiven Nutzung von Konsolidierungschancen im Markt“, schrieb Buchholz den Mitarbeitern ins Stammbuch. Klipp und klar sagte der Vorstandschef, dass die bisherigen Spar-Bemühungen, wie Einstellungs-Stopps, nicht ausreichen. An allen Stellen des Hauses würden darum weitere „Anpassungs- und Einsparmöglichkeiten“ entwickelt. Die Spar-Fäden laufen bei dem bisherigen IT-Manager Oliver Radtke in einem so genannten „Change“-Projekt zusammen. Der Vorstand will noch im Laufes des Herbstes über die weiteren Sparmaßnahmen entscheiden. Buchholz versucht zu beruhigen: „Von ‚Schnellschüssen‘ und ‚Rasenmäherkonzepten‘ sind wir im Vorstand bei G+J noch nie überzeugt gewesen und sind es auch heute nicht.“

Die bisher größte Restrukturierungsmaßnahme, die Zusammenlegng der Wirtschaftsredaktion bei der „FTD“ in Hamburg bezeichnete er in seinem Schreiben als „journalistisch und wirtschaftlich gelungen“. Positiv hob er außerdem die neuen Magazin-Projekte wie „Nido“, „Business Punk“ und „Beef“ sowie die Online-Relaunchs bei stern.de und FTD.de hervor. Mehrfach sprach Buchholz in seinem Brief von einem „neuen Geschäftsfeld“, das es zu erschließen gilt, ohne es explizit zu nennen. Vermutlich meint er damit das so genannte Professional Publishing, also B2B-Kommunikation, in die G+J erklärtermaßen einsteigen will.

Trotz aller hoffnungsfrohen Worte stellte Buchholz klar: „Wir müssen aber an allen Stellen im Unternehmen Organisationen und Abläufe prüfen und gegebenenfalls auch schmerzliche Anpassungen vornehmen.“ Konkrete Sparmaßnahmen deutete er noch nicht an. Insgesamt gibt sich Buchholz in seinem Schreiben kämpferisch. G+J setze auch in Zukunft auf Qualitätsjournalismus und verteidige diesen gegenüber externen Herausforderungen, so der Chef von Europas größtem Zeitschriften-Haus. Der Umbau bei Gruner + Jahr wird den Verlag und die Branche weiter in Atem halten.

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