Sat.1: Kerner gegen „Bauer sucht Frau“

Alles neu macht der - Herbst. Zumindest bei Sat.1. Ein Dreivierteljahr hat Geschäftsführer Guido Bolten Zeit gehabt, um den Sender für die neue Saison fit zu machen. Jetzt muss sich der Aufwand aber bitte schön auch lohnen. Besonders spannend wird, wie sich die Neuzugänge Johannes B. Kerner und Oliver Pocher mit ihren Shows schlagen, vor allem, weil sie entscheidend dazu beitragen können, dass Boltens Programmierung am Montag und am Freitag funktioniert.

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Der Freitag wird – zumindest in den kommenden Wochen – zum Showtag: Ab 11. September moderiert Kai Pflaume „Yes We Can Dance“, ab 2. Oktober folgt direkt danach um 22.15 Uhr die neue „Oliver Pocher Show“ auf dem bisherigen „Sechserpack“-Sendeplatz.

Vom ehemaligen „Fun-Freitag“, den Sat.1 seit einer gefühlten Ewigkeit mit Comedy programmiert (und damit schon lange nicht mehr sonderlich erfolgreich ist), scheint damit erst mal nicht mehr viel übrig zu bleiben – zumindest firmiert die Pocher-Show offiziell nicht unter „Comedy“, sondern als „Late Night“. Nach „Yes We Can Dance“ allerdings setzt Bolten nach MEEDIA-Infos ab Ende Oktober wieder auf ein bekanntes Schema: Um 20.15 Uhr geht’s los mit der „Schillerstraße“, anschließend gibt’s Comedy-Prominenz im Doppelpack mit neuen Staffeln von Anke Engelkes „Ladykracher“ und „Pastewka“.

Richtig harte Arbeit wird der neue Montag, wo Sat.1 seit dem Sommer sein Glück mit Dokusoaps und Magazinen versucht – bisher mit enttäuschendem Ergebnis. In den kommenden Wochen sollen sich „Die Promi-Singles“, die „VIP-Charts“ und „Der Ramschkönig“ etablieren, bevor „Deutschland wird schwanger“ loslegt. Anfang November übernimmt, wie MEEDIA berichtete, Johannes B. Kerner ab 21.15 Uhr mit seinem 90-minütigen Infotainment-Magazin und steht damit in direkter Konkurrenz zum RTL-Erfolg „Bauer sucht Frau“, das zur Kerner-Premiere mit neuen Folgen zurückkehrt. Mindestens genauso heikel: Bis dahin müssen die „VIP-Charts“ auf diesem Sendeplatz durchhalten – und das wird gegen „Rach, der Restauranttester“, der ab Mitte September neue Restaurants aus der Krise holen will, alles andere als einfach.

Relativ wahrscheinlich ist hingegen, dass Sat.1 sich mit den „ran“-Live-Übertragungen von Champions League und Europa League einen ordentlichen Vorteil erspielen kann – wie groß der wirklich sein wird, muss sich in den kommenden Wochen zeigen. Zumindest ist anzunehmen, dass der Publikumszuspruch dann deutlich größer ist als bei den Play-Offs. Das bedeutet aber auch: Wenn mittwochs und donnerstags keine Spiele übertragen werden, muss ein Alternativprogramm her – zumal RTL und Pro Sieben dort mit Castingshows und Serien stark sind.

Boltens Rezept lautet: Filme. Im September läuft auf dem Donnerstagsplatz „Miss Undercover 2“ mit Sandra Bullock, also typischer Sat.1-Stoff. Ende des Monats allerdings folgt Ridley Scotts „Gladiator“ – den man bisher eher bei RTL oder ProSieben verortet hätte. Will Bolten Sat.1 auch in Sachen Film wieder breiter aufstellen?

Und dann sind da ja noch die eigenproduzierten Serien: „Danni Lowinski“ mit Annette Frier verkauft Sat.1 zwar offiziell als Anwaltsserie, allerdings könnte sie wegen ihres durchaus humorigen Inhalts (Anwältin eröffnet Büro im Coffeeshop) auch auf einen Comedyplatz passen. Als zweite Eigenentwicklung ist „Der letzte Bulle“ in der Pipeline, eine Krimiserie, in der ein Polizist nach 20 Jahren Koma wieder aufwacht und sich in der neuen Welt zurechtfinden muss (was sich ein bisschen nach einem umgedrehten „Life on Mars“ anhört). Angekündigt sind beide für „Herbst/Winter 2009“. Ob das noch was wird?

Spannend wird’s auch am Vorabend: Mit „Eine wie keine“ geht Sat.1 erstmals seit Jahren wieder eine „Daily Soap“ an – obwohl die Parallelen zum Telenovela-Genre in der Geschichte unübersehbar sind und die Phoenix-Film-Produktion sicher im Duo mit „Anna und die Liebe“ laufen wird, das um 18.30 Uhr inzwischen auf solide Werte kommt. Nur: Wann? Um 19 Uhr, wo „AudL“ zum Start im vergangenen Jahr so arge Probleme gegen „Alles was zählt“ hatte? Dann muss Bolten sehr darauf hoffen, dass die Telenovela-Fans rübergezogen werden anstatt umzuschalten. Platz genug wäre ja: Im November sollen die Ermittlersoaps „K11“ und „Lenßen und Partner“ weichen. Selbst wenn eine halbe Stunde dann mit der Daily Soap belegt wird, bleiben immer noch 30 Minuten, die gefüllt werden wollen. Mal sehen, was Bolten da noch aus dem Hut zaubert.

TV-Kurzcheck: Sat.1

– Die sichere Bank: Der US-Serien-Sonntag. Fußball am Mittwoch und Donnerstag. Die Gerichtsshow-Daytime.

– Die Risiken: Der Montag, auf dem sich Sat.1 mit Dokusoaps und Magazinen gegen RTL behaupten muss. Die Freitagsprogrammierung mit Show, Comedy und Pochers Late Night.

– Die Tendenz: Daran, dass seine Maßnahmen den Marktanteil explodieren lassen, wird auch Geschäftsführer Bolten nicht glauben. Eine mittelfristige Steigerung dürfte aber (allein schon wegen des Fußballs) sicher sein. Mit seinen Star-Neuverpflichtungen wird er mehr Geduld haben müssen.

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