Punkt für Punkt: die Bertelsmann-Bilanz

Europas größter Medienkonzern muss bei Vorlage der Halbjahreszahlen kräftig Federn lassen. Die Umsätze aller Konzernsparten gaben nach, lediglich der Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato kann ein Ergebnis auf Vorjahresniveau präsentieren. Während bei der TV-Tochter RTL Group Abschreibungen belasten, bricht bei Gruner + Jahr der Gewinn um mehr als die Hälfte ein. Sorgenkind bleibt die Buchclubsparte, die ihre Verluste ausweitet. Der Konzernvorstand steuert massiv gegen, aber es bleibt viel zu tun.

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Schmerzliche Umsatz- und Gewinneinbrüche im ersten Halbjahr bei Bertelsmann. Die Erlöse und Erträge fast aller Konzernsparten entwickelten sich in den ersten sechs Monaten rückläufig:
 • Arvato

Gegen den Trend stemmte sich der Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato, der trotz „einer teilweise deutlich verschlechterten Situation auf Kundenseite“ Umsätze und ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau erzielen konnte. Nach 102 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum verdiente Arvato zwischen Januar und Juni des laufenden Jahres nunmehr 103 Millionen Euro. Die Umsätze gingen leicht von 2,27 auf 2,24 Milliarden Euro zurück.
• RTL Group

Wie schon in der vergangenen Woche gesondert ausgewiesen, verzeichnete Europas führender Unterhaltungskonzern im ersten Halbjahr angesichts zweistelliger Rückgänge auf den TV-Werbemärkten einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang. Nach 2,86 Milliarden erlöste die in Luxemburg ansässige TV-Tochter nunmehr 2,59 Milliarden Euro und musste dabei einen herben Gewinneinbruch verkraften. Nach 494 Millionen Euro blieben nur noch 353 Millionen Euro hängen. Damit bleibt die RTL Group dennoch weiterhin mit Abstand Bertelsmann größte Cashcow.
• Gruner + Jahr
 
Europas größter Magazinverlag spürte im ersten Halbjahr die Auswirkungen der Rezession und verzeichnete einen deutlichen Rückgang bei Umsatz und Gewinn. Während die Erlöse zweistellig von 1,36 Milliarden Euro auf 1,21 Milliarden nachgaben, brachen die Erträge regelrecht ein. Nach 117 Millionen Euro verdiente Gruner + Jahr in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres nur noch 55 Millionen Euro – ein Minus von 53 Prozent. Entsprechend hart sollen die Sparmaßnahmen auch am Baumwall ausfallen: Nach Informationen des „Spiegels“ will Bertelsmann bei G+J im laufenden Geschäftsjahr 200 Millionen Euro einsparen.
• Random House
Die weltweit größte Publikumsverlagsgruppe verzeichnete im ersten Halbjahr vor dem Hintergrund der globalen Wirtschaftskrise und durch den Abbau von Lagerbeständen im US-Einzelhandel Rückgänge beim Umsatz und beim operativen Ergebnis, konnte sich aber noch vergleichsweise robust schlagen. Die Umsätze gaben lediglich um vier Prozent von 766 auf 734 Millionen Dollar nach, während die Gewinne mit einem Rückgang von 31 auf 20 Millionen Dollar stärker unter Druck kamen.
• Direct Group
Sorgenkind bleibt weiter die Buchclub-Sparte DirectGroup. Während die Umsätze um 12 Prozent nachgaben, weiteten sich die Verluste weiter aus. Nach einem Minus von 7 Millionen Euro schlug in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres ein Minus von 10 Millionen Euro zu Buche. Entsprechend setzt Ostrowski dann auch weiter den Rotstift an: So sollen in der Buchclubsparte im laufenden Geschäftsjahr 50 Millionen Euro gespart werden, berichtet der „Spiegel“.
Immerhin: Die eingeleiteten Sparmaßnahmen, die nur zu 200 Millionen Euro mit Personalabbau verbunden sein sollen, greifen. So stieg die Umsatzrendite von 3,3 Prozent im ersten Quartal auf wieder 9,8 Prozent im zweiten Quartal an. Entsprechend zuversichtlich zeigt sich Konzernchef Ostrowski dann auch, Bertelsmann sicher durch die Krise zu führen: „Wir werden gestärkt und fitter daraus hervorgehen“, erklärte Ostrowski im anschließenden Conference Call.

Zugleich betonte der Bertelsmann-Vorstand gegenüber Pressevertretern, dass im Gesamtjahr 2009 ein Verlust nach Steuern und Abschreibungen möglich sei, obgleich dieser geringer ausfallen dürfte als bei den heute verkündeten Halbjahreszahlen.

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