Bertelsmann schreibt 333 Mio. Euro Verlust

Ein Weltkonzern unter dem Druck der globalen Krise: Im ersten Halbjahr 2009 erwirtschaftete Bertelsmann ein deutliches Minus. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um eine halbe Milliarde auf 7,2 Milliarden Euro, der operative Gewinn vor Steuern ging um 210 Mio. auf 475 Mio. Euro zurück. Durch Sondereinflüsse betrug das Konzernergebnis minus 333 Mio. Euro. Dennoch sieht Vorstandschef Hartmut Ostrowski ein Ende des Tunnels. Insgesamt werde das Unternehmen 2009 über 900 Mio. Euro einsparen.

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Im ersten Halbjahr 2008 hatte der Konzern noch ein Plus von 372 Millionen Euro bilanziert. In der Mitteilung des Unternehmens zur Halbjahresbilanz erklärt Vorstandschef Ostrowski: „Unsere strikte Kostendisziplin beginnt sich auszuzahlen. Jeder Bereich einschließlich der Konzernzentrale hat konsequent alle Kosten und Strukturen auf den Prüfstand gestellt. Die Maßnahmenpakete, die im Zuge dieses Programms geschnürt wurden, zeichnen sich durch eine große Bandbreite aus, und sie werden allein in diesem Jahr Einsparungen von mehr als 900 Mio. € bringen.“
Weiter heißt es: „Wir steuern den werbebedingten Umsatzrückgängen entschlossen entgegen. Oberste Priorität hat es für uns derzeit, die bestehenden Geschäfte zu stabilisieren, die Liquidität zu schonen und das Ergebnis zu sichern. Damit werden wir das Unternehmen kontinuierlich weiterentwickeln und die Voraussetzungen für künftiges Wachstum schaffen.“
Ein Erholungseffekt zeichnete sich im zweiten Quartal bei der Rendite ab. Diese stieg von 3,3 Prozent im ersten auf 9,8 Prozent im zweiten Quartal kräftig an; im Halbjahresschnitt betrug sie 6,6 Prozent. Untermauert werde diese Entwicklung nach Unternehmensangaben durch eine hohe Mittelfreisetzung aus dem operativen
Geschäft. „Das zweite Halbjahr wird noch von Einschnitten begleitet sein, doch zum heutigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass die eingeleiteten Programme ausreichen, um Bertelsmann sicher und erfolgreich durch das schwierige wirtschaftliche Umfeld zu steuern“, betonte Ostrowski.
Finanzvorstand Thomas Rabe sieht den Konzern „finanziell auf sicherem Boden“. Die Bertelsmann AG habe im ersten Halbjahr „ein solides Finanzmanagement betrieben“, das sich nun auszahle: „Wir verfügen über eine gute Liquiditätsausstattung und angemessene freie Kreditlinien. Für das Gesamtjahr 2009 geht Bertelsmann unverändert von einem Rückgang beim Umsatz und beim operativen Ergebnis aus. Das Ausmaß der Veränderung gegenüber dem Vorjahr wird sich nach Stärke und Dauer der konjunkturellen Schwächephase
bestimmen.“
Das Unternehmen sieht angesichts der „eingeleiteten Maßnahmen zur Stabilisierung der Kerngeschäfte“ erste positive Wirkung. Der volle Ergebniseffekt werde im zweiten Halbjahr eintreten. Positive Impulse kämen auch aus dem Dienstleistungsbereich, der angesichts „des steigenden Effizienzdrucks in vielen Unternehmen vermehrt Outsourcing-Nachfragen“ verzeichne.
Bereits am Wochenende hatte der „Spiegel“ gemeldet, dass die Servicetochter Arvato etwa 250 Millionen Euro zum Sparvolumen beisteuern solle, Gruner + Jahr 200 Millionen Euro und das Buchclubgeschäft rund 50 Millionen Euro. Weitere Sparmaßnahmen laut „Spiegel“: Die RTL Group streicht ihr Programm zusammen, und der Verlag Random House soll bei den Autorenvorschüssen sparen. Hintergrund der Maßnahmen, so das Nachrichtenmagazin, sei auch, dass Bertelsmann im kommenden Jahr Anleihen im Wert von über 800 Millionen Euro zurückzahlen müsse.

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