Bertelsmann: Mit 2 plus 5 aus der Krise?

Zweieinhalb Stunden nach der Veröffentlichung der Halbjahresbilanz stellte sich Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski den Fragen der Medien. Und er machte klar, wie das Management in der Krise gegensteuere: kämpferisch und zugleich gestaltend. Auch Kritiker werden dem 51-Jährigen bescheinigen, dass sein Auftritt beim Conference Call am Montag durchaus souverän wirkte. Kurzfassung: die Hausaufgaben sind gemacht, nach der Krise wird Gütersloh "stärker und fitter" dastehen als vorher.

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Zweieinhalb Stunden nach der Veröffentlichung der Halbjahresbilanz stellte sich Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski den Fragen der Medien. Und er machte klar, wie das Management in der Krise gegensteuere: kämpferisch und zugleich gestaltend. Auch Kritiker werden dem 51-Jährigen bescheinigen, dass sein Auftritt beim Conference Call am Montag durchaus souverän wirkte. Kurzfassung: die Hausaufgaben sind gemacht, nach der Krise wird Gütersloh „stärker und fitter“ dastehen als vorher.
„Wir schlagen uns in dieser Situation so gut, weil wir früh entschlossen Gegenmaßnahmen ergriffen haben“, sagte Ostrowski bei der Erläuterung der Unternehmenszahlen. Ein deutlicher Beleg für die Effizienz dieser Schritte zeige sich in der im zweiten Quartal auf fast neun Prozent angestiegenen Umsatzrendite. Allerdings macht der Blick auf die einzelnen Sparten auch deutlich, dass es derzeit keinen Bereich gibt, bei dem man in der Gütersloher Zentrale wirklich sorgenfrei sein kann – das China-Geschäft mit 84 Prozent Wachstum einmal ausgenommen.
Ostrowski machte deutlich, dass die nicht wegzudiskutierenden „Schatten“ der Werbe- und Konsumflaute auf der Unternehmensbilanz den Vorstand nicht zu Kurzschlussreaktionen bewegen werden. Nach „Art des vorsichtigen Kaufmanns“ werde man handeln und keine überstürzten Ver- oder Zukäufe tätigen. Zudem lobte er die „gemeinsamen Anstrengungen“ sowohl der Führungsetage wie auch der Angestellten, die „in vorbildlicher Weise“ in der Krise zum Verzicht bereit seien und wertete dies als „Zeichen der Unternehmenskultur“.
Das Zukunftskonzept trägt im Konzern den etwas eigentümlichen Begriff 2 plus 5. Gemeint sind zwei Leitlinien und fünf daraus erwachsende „Arbeitspakete“. Die Leitlinien seien dabei Dezentralität und Kontinuität und beinhalten, dass die gemeinsamen Anstrengungen zur erfolgreichen Sanierung aus einer Fülle von vor Ort getroffenen Einzelentscheidungen beruhten und diese auf Nachhaltigkeit sowie langfristige Substanzsteigerung ausgerichtet seien. 2500 Einzelmaßnahmen, so Ostrowski, habe man im Unternehmen zur Krisenstrategie zusammengeführt.
Wesentlich nüchterner und auf Effektivität fokussiert kommen die Arbeitspakete daher: Finanzierung sichern, Geschäfte optimieren, Führung entwickeln, Portfolio erweitern, Nutzung von Wachstumspotenzialen. So oder ähnlich könnte das Projektmanagement in vielen Unternehmen mit Expansionswillen aussehen. Entscheidend ist auch hier immer, wie die Punkte ausgefüllt und im operativen Alltag „gelebt“ werden.
Wie ernst die Lage insgesamt ist, zeigt auch die Äußerung Ostrowskis, dass auch am Jahresende ein Minus im Konzernergebnis aus heutiger Sicht nicht ausgeschlossen werden könne. Was ihm wichtiger ist, sind die mittel- und langfristigen Perspektiven für Bertelsmann. Dass sich diese aufgrund der eingeleiteten Maßnahmen unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung heute positiver ausnehmen als noch vor Monaten, sieht Ostrowski wohl als die wahre Bilanz nach dem ersten Halbjahr 2009. Ob sich diese Tendenz verfestigt, daran wird der Vorstand gemessen werden.

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