„Spiegel“-Mitarbeiter zementieren Macht

Der "Spiegel" ist bekanntlich ein Unikum in der Verlagslandschaft: Die Macht liegt bei den Angestellten, die als Stille Gesellschafter in der Mitarbeiter KG organisiert sind. In der vergangenen Woche wurde an der Brandstwiete über eine neue Satzung abgestimmt. In den entscheidenden Punkten erhielten die Geschäftsführer der KG grünes Licht für Änderungen. Diese sollen die historischen Machtverhältnisse auf Dauer festschreiben und ein "Fairness-Abkommen" bei der Wahl der fünf KG-Geschäftsführer etablieren.

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Am 25. August lag das Ergebnis des Angestellten-Votums vor. „Insgesamt haben 611 Stille Gesellschafter von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht“, hieß es in einer internen Mail, „bei der Abstimmung zur Änderung der Satzung der Mitarbeiter KG wurden 594 gültige Stimmen abgegeben, bei der Abstimmung zur Änderung der Wahlordnung waren es 597 gültige Stimmen. Die entspricht einer Wahlbeteiligung von rund 80 Prozent.“
Ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, dass es – vordergründig – um Formalien ging. So wurde darüber abgestimmt, ob der Verkauf von KG-Anteilen künftig nur von Dreivierteln statt Zweidritteln der Belegschaft beschlossen werden kann. Gerade dieser Punkt kann aber entscheidend sein, wenn es um ein (spekulatives) „unmoralisches Angebot“ an die Mitarbeiter gehen sollte, sich gegen eine Abschlagszahlung von ihren Anteilen zu trennen, um die Machtverhältnisse in der Spiegel-Gruppe neu zu ordnen. Die Latte dafür hängt mit der nun erforderlichen Dreiviertel-Mehrheit so hoch, dass sie für externe Bieter auf Sicht kaum zu nehmen sein dürfte.
Hier erhielten die Geschäftsführer der KG ebenso eine breite Zustimmung wie bei der Änderung der Wahlordnung. Hier wird es bereits bei der nächsten Wahl der Geschäftsführung im kommenden März erstmals der Fall sein, dass der Wahlvorstand etwaige Verstöße gegen die guten Sitten im Intranet veröffentlichen würde. Hintergrund dieser Neuregelung ist nach Einschätzung von Verlagskennern der Versuch eines einflussreichen leitenden Redakteurs, sich in das Gremium wählen zu lassen. Kritiker warfen diesem vor, seine „Wahlkampfmaschine“ mit Verlagsmitteln geölt zu haben und sich so einen Vorteil gegenüber den niederrangigeren Bewerbern verschafft zu haben.
Allerdings konnte sich die KG-Führung nicht in allen Punkten durchsetzen. So wird die Dauer, auf die die Geschäftsführer ernannt werden, weiterhin drei statt der vorgeschlagenen vier Jahre betragen. Auch eine elektronische Stimmabgabe wird es nicht geben. Wie aus Verlagskreisen zu hören ist, wird sich die bisherige Mitarbeiter-Geschäftsführung um Armin Mahler komplett zur Wiederwahl stellen.

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