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NDR-Phantom, Rabatt-Zank, Berliner Proteste

Mit dem Drehbuch-Phantom beim NDR haben die öffentlich-rechtlichen Sender erneut einen Skandal an den Hacken. Was ist nur dran am öffentlichen Rundfunk, dass er immer wieder solche Skandale produziert? Martin Krapf, Chef des RTL-Vermarkters IP Deutschland, hat diese Woche mit dem Vorschlag, Rabatt für Kunden zu gewähren, die Geld aus Print abziehen, für Medien-Gezänk gesorgt. Die DuMonts mögen die neuen Proteste bei der "Berliner Zeitung" nicht verstehen und "Zeit"-Chef Rainer Esser ist verwirrt vom iPhone.

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Und wieder ein Skandal bei einem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender. Diesmal hat die Redaktionsleiterin Fernsehfilm beim NDR, Doris Heinze, ihrem Ehemann offenbar Drehbuch-Aufträge zugeschustert. Der Gatte Heinzes habe von 2001 bis 2009 fünf Aufträge für Drehbücher erhalten. Dabei trat der Ehemann der Redaktionsleiterin unter dem Pseudonym Niklas Becker auf. Immer wieder rücken bei öffentlich-rechtlichen Sendern solche Skandalgeschichten in den Mittelpunkt. Man erinnere sich nur an den Riesenskandal um den ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks, JürgenEmig, der 2008 wegen Bestechlichkeit und Untreue zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wurde. Emig hatte über eine Tarnfirma Sponsorengelder am Sender vorbei in die eigene Tasche geschleust. Auch der frühere MDR-Sportchef Wilfried Mohren wurde von seinem Sender entlassen, weil er in Zusammehang mit der Emig-Affäre Schmiergelder empfangen haben soll. Oder der ehemalige ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf, der zu seiner Zeit Veranstaltungen der Deutschen Telekom moderierte und an der Autobiographie des Telekom-Fahrers Jan Ullrich mitwirkte, obwohl er auch für die Radsport-Berichterstattung der ARD zuständig war. Oder Andrea Kiewel, die in der Sendung von Johannes B. Kerner ungeniert dreiste Schleichwerbung für ein Abnehme-Programm machte. Oder die Vorwürfe gegen die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, die auf Veranstaltungen des dubiosen Börsen-Gurus Markus Frick riskante Aktien vorgestellt haben soll. Die Masse der Vorwürfe und Verfahren ist erstaunlich. Irgendetwas scheint an diesem öffentlich-rechtlichen Rundfunk-System dran zu sein, das nicht ausschließlich die edelsten Seiten im Menschen hervorbringt.

Vielleicht steckt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen soviel Geld in undurchsichtigen Apparaten, dass die Versuchung zum Missbrauch einfach zu groß ist. Bei den Privatsendern dagegen muss man mittlerweile notorisch knappsen. Gerade hat die RTL Group eine ziemlich ernüchternde Bilanz vorgelegt. Der operative Gewinn ist um 37 Prozent eingebrochen, netto steht sogar ein Verlust 62 Millionen Euro da. Martin Krapf, der Chef der RTL-Vermarktungseinheit IP Deutschland, hat nun eine vermeintlich pfiffige Idee gehabt. Wenn Werbekunden Print-Etats zu Gunsten von RTL umschichten, erhalten sie einen sogenannten „Intermedia Rabatt“. Christian Schlottau vom Spiegel-Verlag sagte in „Horizont“ zu dem Vorschlag: „Das grenzt schon an Hilflosigkeit.“ Da hat er wohl Recht, der Herr Schlottau. Außerdem heizt Krapf damit die für Privatsender extrem gefährlichen Rabatt-Schlachten weiter an. Im RTL-Mutterhaus muss man dieses Print-TV-Gezänk mit Sorge betrachten. Was nutzt es den Güterslohern schon, wenn beispielsweise ein Kunde bei der Print-Tochter Gruner + Jahr Werbegelder abzieht, um sie dann rabattiert bei der TV-Tochter RTL zu investieren? Am Ende hat man in Summe weniger Geld in der Tasche.

Die DuMonts haben es auch nicht leicht. Erst wurden die Kölner Zeitungs-Zaren in Berlin gefeiert, als sie den verhassten Alt-Eigentümer David Montgomery, auch von der Physiognomie her der Mr. Burns der deutschen Medienlandschaft, verjagt haben. Jetzt werden die Revoluzzer-Redakteure bei der „Berliner Zeitung“ schon wieder motzig und drohen mit einem Boykott des verlagsinternen Artikel-Tauschs. Grund: Die DuMonts wollen bei ihren zusammengekauften Zeitungen am großen Synergie-Rad drehen. Von zusammengelegten Ressorts ist die Rede, von Schreib-Pools, die mehrere Titel bedienen sollen. Das alles ist noch unausgegoren aber durchaus modern. Beim Mediacoffee in Düsseldorf klagte Verleger-Sohn Konstantin Neven DuMont: „Ich kann nicht verstehen, dass man sich dagegen wehrt, dass die Spitzenschreiber anderer Blätter auch im eigenen Blatt erscheinen.“ Er braucht sich keine Sorgen zu machen. Den Weg hin zu mehr Zentralisierung im Zeitungsgeschäft wird man in Berliner Redaktionsstuben nicht zurückdrehen können. Dass man dabei aber keinen Beliebtheitswettbewerb gewinnen kann, merken nun auch die DuMonts. Sie müssen sich aber nicht über Gebühr grämen – ein solches Maß an Verhasstheit wie es ihr Vorgänger Monty erreicht hat, dürfte schwer zu toppen sein.

Teilgennommen beim Mediacoffee hat auch der manchmal zu subtilem Witz neigende „Zeit“-Geschäftsführer Rainer Esser. Ob seine Bemerkung, die Bezahlung der kostenpflichtigen iPhone-Apps würde man über die Telefonrechnung begleichen, spaßig gemeint war, weiß man indes nicht so genau. „Handelsblatt“-Blogger Thomas Knüwer hat dieses Bonmot Essers in seinem Twitter-Feed der breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bei der ganzen Begeisterung, die der App-Store des iPhones in Medienkreisen auslöst, kann schon mal durcheinander geraten.

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